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Gutachterin Claudia Hodel glaubt, dass die Kastanien längerfristig nicht überleben können.

Schwalbach

Kastanien in Schwalbach sollen weg

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Baumgutachter geben den Kastanien auf dem unteren Marktplatz keine lange Überlebenschance mehr und empfehlen, stattdessen klimaresistente Bäume zu pflanzen. Die Grünen wollen sie als ein „Stück Zeitgechichte“ erhalten.

Die sechs Kastanienbäume auf dem unteren Marktplatz in Schwalbach sind nicht besonders ansehnlich: Die Kronen der Bäume, die vor 45 Jahren gepflanzt wurden, sind mickrig, viele Blätter braun und vertrocknet. Schuld seien die kleinen Pflanzbeete, in denen sich die Kastanien nicht normal entwickeln hätten können, erläuterte gestern Baumexpertin Claudia Hodel vom Sachverständigenbüro Zorn. Statt mindestens zwölf Kubikmeter Erde pro Baum hätten die Kastanien am unteren Marktplatz lediglich zwei Kubikmeter zur Verfügung. An einem solchen Extremstandort könne sich ein Baum nicht ausreichend versorgen, schlussfolgert die Expertin in einem Gutachten, das sie im Auftrag der Stadt ausgearbeitet hat. Den Kastanien am unteren Marktplatz gibt sie noch 15 Jahre. „Dann sterben sie ab.“

Problematisch ist laut Hodel auch die Standfestigkeit der Bäume. Risse in den Betonmauern der Beete ließen darauf schließen, dass diese als Widerlager für die Wurzeln dienten. Ohne sie drohten die Bäume umzukippen.

Die Betonmauern wird es so aber bald nicht mehr geben. Denn vor einem Jahr hat das Schwalbacher Stadtparlament die Umgestaltung des unteren Marktplatzes beschlossen. Das Areal zwischen dem Hochhauskomplex Bunter Riese und dem Bürgerhaus soll terrassiert werden und über mehrere Rampen auch für Rollstuhlfahrer gut erreichbar sein. Dass die Kastanienbäume vor den Umbauarbeiten gefällt werden müssen, ist lange schon bekannt. Die Grünen wollen das jedoch verhindern und sammelten 700 Unterschriften. Bürgermeisterkandidatin Katja Lindenau will die Bäume am morgigen Freitag gießen und kündigt für den 23. August eine Infoveranstaltung „für einen nachhaltigen Umbau des unteren Marktplatzes“ an. Aus ihrer Sicht sind die Kastanienbäume „ein Stück Zeitgeschichte und vital“. Sie sollten erhalten bleiben.

Mehr klimaresistente Arten

Schwalbachs Bürgermeisterin Christiane Augsburger (SPD), die nicht mehr zur Wahl im kommenden Jahr antritt, ist unterdessen bemüht, die politisch aufgeheizte Diskussion zu versachlichen. Es gehe darum, auf dem unteren Marktplatz für mehr nachhaltiges Grün zu sorgen. Dabei sollte die künftige Bepflanzung die Herausforderungen des Klimawandels bestehen. „Warum die wenigen Scharlach-Rosskastanien, mehrheitlich kümmerlich gewachsen, zum Gegenstand von so viel Aufmerksamkeit geworden sind, ist nur schwer zu verstehen.“

Bei einem Pressetermin erläuterte der Kronberger Gartenarchitekt Johannes Wolf, wie sich die Planer das neue Grün auf dem unteren Marktplatz vorstellen: mit Baumarten, die dem Klimawandel in Zukunft standhalten. Wie Zerreichen mit breiten Kronen, welche die Wärmeabstrahlung von Asphalt und Beton verringern; japanische Schnurbäume und Blaseneschen – beides Bäume, die im Sommer blühen und als Bienenweide dienen können; Amberbäume in einem Hain unterhalb des Bunten Riesen, die in etwa so hoch werden wie Kastanien.

Am Rondell am Bürgerhaus werden künftig rosa blühende Seidenbäume stehen. Bis zu 16 Kubikmeter sollen die neuen Bäume im Erdreich Platz bekommen, um gut einzuwurzeln. In den ersten Jahren sei eine automatische Bewässerung geplant, sagt Wolf. Danach könnten sich die Bäume gut alleine erhalten.

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