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Kampf der Spielhölle

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Im Hofheimer Stadtteil Diedenbergen wehren sich immer mehr Einwohner gegen den Bau einer Spielhalle. Jetzt hat eine Initiative erneut mehrere hundert Unterschriften im Rathaus abgeliefert.

Von Claudia Horkheimer

Wir packen jeden Strohhalm, um die Spielhalle in Diedenbergen zu verhindern“, sagt Wolfgang Marschall, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes. Er und seine Parteikollegen übergaben gestern einer sichtlich genervten Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) und dem Magistrat mehr als 700 Unterschriften von Bürgern, die gegen das Bauvorhaben sind. Dies sei ein klares Votum gegen die Spielhalle. Besorgt sei man über die negativen Auswirkungen in Bezug auf Kriminalität und Spielsucht im Stadtteil, verkündete Marschall.

Die Gegner fordern vom Magistrat, die Planung erneut zu prüfen und nach Möglichkeit zu verhindern. Mit dem Weiterverkauf des ehemaligen Wichmann-Geländes an einen anderen Projektentwickler, der Ende Dezember bekannt wurde, habe sich der Adressat des Bauvorhabenbescheids geändert. Es sei fraglich, ob dieser noch gelte, so Marschall.

Stadt der Automaten

Ursprünglich war auf dem Areal an der A66 ein Fastfood-Restaurant, eine Tankstelle und eine 144 Quadratmeter große Spielhalle geplant. Die Fastfood- und Tankstellenpläne sind offenbar mit dem neuen Investor gestorben. Die Spielhalle indes soll mit 600 Quadratmetern deutlich größer ausfallen. Die Spielhallengegner hatten bei der kleineren Variante gehofft, dass sich dafür kein Betreiber finden würde. Mit der Vergrößerung, die im Sommer vom Kreis mit Einvernehmen der Stadt erteilt wurde, sehen sie das Projekt nun Realität werden. Seit Oktober 2010 sammelten sie Unterschriften dagegen. „Es ist die größte Unterschriftensammlung, die es in Hofheim bislang gab“, sagt der CDU-Stadtverordnete Andreas Hegeler.

Bereits Anfang Dezember hatten 130 Schüler der Philipp-Keim-Schule ihre Namen auf eine eigene Liste gegen das Projekt gesetzt.

Bürgermeisterin Stang nahm die Liste der CDU mit den Worten entgegen: „Es gibt noch vieles zu diskutieren.“ Sie hätte sich gewünscht, das dies in der Stadtverordnetenversammlung geschehe. Dies war aber bislang nicht der Fall. Sie kritisierte, Marschall habe seine Möglichkeiten als Vizevorsitzender der Hofheimer CDU nicht genutzt.

Während der Diedenberger Ortsbeirat mehrheitlich mit den Stimmen von CDU und FWG gegen das Vorhaben gestimmt hat, wollte die Stadt Hofheim, ebenfalls mehrheitlich CDU regiert, dem Projekt bislang offenbar keine Steine in den Weg legen. Hofheim ist die Stadt mit den meisten Spielhallen im Main-Taunus-Kreis. 48 Spielautomaten mit Gewinnmöglichkeit stehen in vier Hallen. Rund 30 Geräte sind in Gaststätten aufgestellt. 79300 Euro nahm die Kommune 2010 aus der Spielapparatesteuer ein. In Diedenbergen sollen nun 48 weitere Automaten Platz finden.

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