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Kampf um Schallschutz

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Von: Andrea Rost

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Flörsheim Entsetzen im Neubaugebiet / Wer nach den Vorschriften gebaut hat, geht leer aus

Das ist doch eine unglaubliche Verarschung!“ Die Stimme des Mannes überschlägt sich. Bis zu 300 Flugzeuge donnerten pro Tag über sein Haus. In 280 Metern Höhe und bis zu 80 Dezibel laut. „Und jetzt sagen Sie mir, dass ich kein Geld für Schallschutz bekomme?“

Thomas Plich nickt. Er ist beim Regierungspräsidium Darmstadt (RP) für Luft- und Güterverkehr zuständig und hat am Dienstagabend die Aufgabe, den über 800 Bürgern, die auf Einladung des Vereins für Flörsheim in die Stadthalle gekommen sind, das Schallschutzprogramm nach der Lärmschutzbereichsverordnung zu erläutern. Eine heikle Angelegenheit, nachdem tags zuvor durchgesickert ist, dass im Neubaugebiet Nord wohl die allermeisten Immobilienbesitzer leer ausgehen werden, weil ihre Mitte der 1990er Jahren gebauten Häuser nach einer Vorschrift im Bebauungsplan bereits auf Kosten der Bauherren besser gegen Lärm gedämmt werden mussten, als die vor sechs Wochen verabschiedete Verordnung dies vorsieht. „Ist das geforderte Schalldämmmaß von 37 Dezibel bereits durch die Bauvorschriften erfüllt, gibt es keinen Anspruch auf weiteren Schallschutz“, bestätigte Plich und fügte entschuldigend hinzu: „Als Behörde sind wir verpflichtet, die Verordnung umzusetzen.“

Die Volksseele kocht. „Warum müssen wir uns hier mit subalternen Beamten herumschlagen, die nicht entscheiden können?“, ruft ein Mann. „Mein Beileid! Sie sind die Prügelknaben, und die, die was zu sagen haben, trauen sich nicht nach Flörsheim“, sagt eine Frau. Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) ruft dazu auf, auf jeden Fall Anträge auf Schallschutz zu stellen. „Eine Flut von Anträgen ist auch eine Demonstration dafür, wie unerträglich die Situation ist.“

1000 Anträge seien bereits beim RP eingegangen, berichtet Plich. Wie lang die Bearbeitung dauern wird? „Schwer zu sagen. Das kommt darauf an, ob alle Unterlagen da sind, ob ein Gutachter geschickt werden muss.“ Vorrang hätten Anträge mit sofortigem Anspruch auf Schallschutz – in Zonen mit einem äquivalenten Dauerschallpegel von mehr als 65 Dezibel. Wo es leiser ist, gibt’s Geld für Schallschutz erst in fünf Jahren. „Und was soll ich bis dahin machen“, ruft ein Mann. „Das ist doch ein Witz!“

Für viele Bürger sind die Antragsunterlagen schwer zu verstehen. Das Regierungspräsidium werde dazu Erläuterungen veröffentlichen, sagt Plich und stellt in Aussicht, dass RP-Mitarbeiter auch zur Beratung nach Flörsheim kommen.

Der Verein für Flörsheim fordert derweil in einem Brief an Verkehrsminister Dieter Posch (FDP), die Zonen, in denen Fraport die Kosten für Lärmschutz übernimmt, nach der tatsächlich gemessenen Lärmbelastung und nicht auf der Basis theoretischer Berechnungen auszuweisen. Das Casa-Programm solle ausgeweitet und gesetzlich verankert werden, das Land sicherstellen, dass die Eigentümer ihre Häuser und Wohnungen zu Marktpreisen verkaufen könnten.

Hans-Jakob Gall, Vorsitzender des Vereins für Flörsheim, erhebt die Maximalforderung: „Die Nordwestlandebahn gehört stillgelegt, sie hätte nie gebaut werden dürfen.“

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