1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Taunus-Kreis

Nur ein Käuzchen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christina Franzisket

Kommentare

Das drei Wochen alte Steinkäuzchen, in den Händen von Uwe Dreier, hat den kalten Frühling überstanden.
Das drei Wochen alte Steinkäuzchen, in den Händen von Uwe Dreier, hat den kalten Frühling überstanden. © Martin Weis

Bernd Zürn vom BUND findet beim Beringen kleine Eulen im Gebiet rund um Flörsheim, Weilbach und Wicker viele leere Nester vor.

Etwas verschlafen blinzelt das junge Steinkäuzchen in die Sonne. Gerade hat Bernd Zürn vom BUND Flörsheim es aus seinem Nest, das auf einem Apfelbaum in der Gemarkung Seelöcher hängt, geholt: „Das Nest habe ich selbst gebaut, aus alten Holzrolläden und Dachpappe“, sagt Zürn und steigt wieder die Leiter herauf. Der pensionierte Lehrer und Naturfreund holt auch noch Mutter Steinkauz ans Tageslicht und säubert dann das Nest von Spänen und Schmutz.

Am Boden kümmert sich Uwe Dreier, auch Mitglied beim BUND, um den rund drei Wochen alten Steinkauz. Ganz ruhig sitzt der Jungvogel auf der Hand des 28-jährigen Umwelttechnikers. Einige Zuschauer sind dabei und schießen Fotos. Die Kinder dürfen sogar ganz vorsichtig das flauschige Nestkleid streicheln: „Er ist ganz entspannt“, sagt Dreier.

Dann klemmt er dem jungen Steinkauz, der kleiner ist als Dreiers Hand, einen kleinen Aluminiumring mit einer Nummer um das Beinchen. In seinen Unterlagen notiert Dreier das geschätzte Alter, den Fundort und die Ringnummer. „Das melde ich hinterher der Vogelwarte und dann ist der Steinkauz registriert“, sagt er.

Insgesamt 37 solche Nester hat Bernd Zürn im Gebiet rund um Flörsheim, Weilbach und Wicker angebracht. Steinkäuze nisten normalerweise in hohlen Bäumen, doch davon gebe es zu wenig, deshalb habe er die Röhren gebaut, erklärt Zürn. Vor ein paar Wochen sei er schon mal herum gegangen und habe in alle Nester geleuchtet, berichtete er. In elf habe er Eier, oder ein brütendes Weibchen entdeckt: „Das ist ein guter Schnitt“, freut er sich.

Für heute hat Zürn Uwe Dreier mitgenommen, denn er hat eine Ausbildung und darf die kleinen Eulen beringen. Dass sie gleich im ersten Nest ein Jungtier finden, macht Zürn Hoffnung. Dreier bemerkt, dass wegen des bisher kalten Frühlings die Jungen rund drei Wochen später geschlüpft sind: „Normalerweise beringen wir schon im Mai“; sagt er.

Wenig Jungvögel

Um die Vögel nicht länger als nötig zu stören, setzt Zürn Mutter und Junges nach der Beringung schnell wieder in ihr Nest.

Dann zieht die Gruppe zum nächsten Nistort. Nahe des jüdischen Friedhofs hängen gleich vier Röhren, in denen Zürn bereits Eier gesehen hat.

Ein Nest ist jedoch offenbar aus der Halterung gerutscht. Es hängt steil nach unten und Zürn kann nur noch drei tote Steinkäuzchen bergen: „Das ist Schicksal“, sagt er. Dabei hatte er erst vor wenigen Tagen den festen Sitz der Nester überprüft. Beim zweiten Nest steigt Dreier die Leiter hoch. Unten steht Familie Bender aus Schwalbach. Mutter Michaela ist auch Mitglied beim BUND. Sie, ihr Mann und die beiden Kinder, wünschen sich heute einmal einen Steinkauz ganz aus der Nähe zu sehen. Dreier leuchtet ins Nest: „Nichts drin“, sagt er. Zürns Augen werden größer: „Hier habe ich beim letzten mal ein brütendes Weibchen vorgefunden“, sagt er enttäuscht. „Ich verstehe nicht was passiert ist.“

Im dritten Nest findet die Gruppe zwei erwachsene Vögel, ein Männchen und ein Weibchen. Familie Bender freut sich und Sohn Simon darf einmal das Federkleid berühren: „Was die Kinder hier lernen, sensibilisiert sie für die Natur“, sagt Zürn. Die schlechte Ausbeute an Jungvögeln besorge ihn jedoch. Mit der Leiter in der Hand schreitet Zürn voran. Die Neugier treibt ihn. Als erster erreicht er das vierte Nest und steigt die Leiter rauf: „Nur noch Eierschalen“, sagt er, „oh wie schade.“ Dreier vermutet, dass die Eier von einem Marder oder ähnlichem Getier geräubert wurde.

Die schlechte Ausbeute an Jungvögeln in dem Gebiet kann Zürn sich nicht erklären: „Vielleicht war es doch der schlechte Frühling“, sagt er. Letztes Jahr haben er und Dreier vierzig Steinkäuze beringt, erinnert sich Zürn: „Bis jetzt haben wir nur ein Junges entdeckt, hoffentlich werden es noch mehr“, sagt Zürn, nimmt seine Leiter und geht weiter.

Auch interessant

Kommentare