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Romantische Kulisse mit Burg und Pflasterschisser. Dabei handelt es sich um das Gebäude links.
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Romantische Kulisse mit Burg und Pflasterschisser. Dabei handelt es sich um das Gebäude links.

Eppstein

Juwel Pflasterschisser

  • Kerstin Klamroth
    VonKerstin Klamroth
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Sie finden sich nur noch selten in Hessen, die Fachwerkhäuser aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Deswegen kann der Pflasterschisser, Eppsteins Juwel in der Burgstraße 32 , mit Fug und Recht ein besonderes Schmuckstück genannt werden.

Der spätgotische Bau aus dem Jahr 1459 ist das älteste Fachwerkhaus im Main-Taunus-Kreis. Es hat 555 Jahre auf dem Buckel.

Als dieses Haus mit seinem dekorativem roten Fachwerk gebaut wurde, grassierte in Eppstein noch der Hexenwahn, das Bürgertum war im Aufschwung, der Buchdruck gerade erfunden. Wer der Bauherr dieses für seine Zeit außerordentlich prunkvollen Hauses war, ist unbekannt. Man vermutet , dass er vermögend gewesen sein muss.

Das genaue Baujahr des Hauses haben Forscher mit der sogenannten dendrochronologischen Methode herausgefunden. Aus den Eichenbalken wird eine Probe entnommen und anhand der Jahresringe mit anderen verglichen. Doch nicht alles an dem Haus ist so alt: Die Verlängerung auf der Rückseite, genannt Zwerchhaus, stammt aus dem Jahr 1708, ein dritter Anbau entstand um 1712.

Einer Katastrophe ist es zu danken, dass der Besitzer, Architekt Hans-Jakob Sauer, das Innenleben und die Geschichte seines Hauses richtig kennen lernte. Im Jahr 1978 brannte aufgrund eines Kurzschlusses das Dach des Hauses. So mancher Eppsteiner, mutmaßt Sauer, hatte sich damals wohl einen Abriss und dadurch eine Verbreiterung der Burgstraße in der Altstadt erhofft.

Entgegen aller Ratschläge

Doch der Architekt und Zimmermann, dessen Familie seit 200 Jahren im Besitz des Fachwerkhauses ist, baute es entgegen aller Ratschläge originalgetreu wieder auf. Fünf Jahre brauchte Sauer dafür, Land und Kreis beteiligten sich an den Kosten. Im Zuge der Arbeiten beseitigte er auch ein paar „Verunstaltungen“, für die seine Vorfahren im 19. Jahrhundert verantwortlich waren.

Das Eichenholz fürs Fachwerk besorgte sich der findige Bauherr aus einer abgetragenen Scheune in Bad Homburg. Sauers Restaurierung wurde vom Förderkreis Denkmalpflege des Main-Taunus-Kreises als vorbildlich angesehen. Er widmete dem Eppsteiner Denkmal die Ausgabe 15 seiner Schriftenreihe.

Seit 1983 sind im Pflasterschisser diverse Gaststätten betrieben worden. Derzeit lädt die Familie Diehm in ihr gleichnamiges Restaurant ein, sie bietet gutbürgerliche Küche mit Pfiff. 90 Personen können in den gemütlichen Räumen mit den niedrigen Decken Platz nehmen. Für den Küchenchef sind die kleinen Räume allerdings eine Herausforderung, schon wegen der beschränkten Kühlmöglichkeiten.

Seinen etwas despektierlichen Namen verdankt der Pflasterschisser dem Ideenreichtum der Eppsteiner. Sauer hatte die Bürger aufgerufen, Vorschläge zu machen. Der Name „Pflasterschisser“ bezieht sich auf das Vorrecht der Stadt Eppstein, ihre Straßen pflastern zu dürfen, während die umliegenden Orte sich mit gestampftem Lehm als Belag zufrieden geben mussten. Für die Durchfahrt ihrer gepflasterten Straße knöpften die Eppsteiner ihren Nachbarn zu deren Missvergnügen ordentlich Zoll ab.

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