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„Die Investitionen holen uns ein“

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Kliniken-Chef Helmuth Hahn-Klimroth sieht Handlungsbedarf.
Kliniken-Chef Helmuth Hahn-Klimroth sieht Handlungsbedarf. © Michael Schick

Kliniken-Chef Hahn-Klimroth spricht im FR-Interview über hohe Defizite, die Gefahr einer Privatisierung und den Verkauf des „Tafelsilbers“ der Klinik-Gesellschaft.

Kliniken-Chef Hahn-Klimroth spricht im FR-Interview über hohe Defizite, die Gefahr einer Privatisierung und den Verkauf des „Tafelsilbers“ der Klinik-Gesellschaft.

Als „weißen Raben“ hat der scheidende Landrat Berthold Gall (CDU) die Kliniken des Main-Taunus-Kreises gern bezeichnet – weil sie im Gegensatz zu anderen kommunalen Krankenhäusern sogar Überschüsse erwirtschaftet haben. Doch das ist vorbei. Seit drei Jahren häufen auch die beiden Krankenhäuser in Hofheim und Bad Soden Defizite an. Geschäftsführer Helmuth Hahn-Klimroth will deshalb jetzt ans „Tafelsilber“ der Klinik-Gesellschaft und Süwag-Aktien im Wert von 15 bis 16 Millionen Euro verkaufen.

Wie groß ist die Finanznot der Main-Taunus-Kliniken?

Wir stehen nicht mit dem Rücken an der Wand. Wir haben immer noch unser Stammkapital von 14,5 Millionen Euro – und ein Vermögen von 135 Millionen bei rund 90 Millionen Schulden. Uns holen aber jetzt die enormen Investitionen der letzten Jahre ein, die komplett in unsere Bilanz eingegangen sind. Mit Zinsen und Abschreibungen haben wir Belastungen erreicht, bei denen wir an unsere Grenzen kommen. Also gibt es schon Handlungsbedarf.

In den vergangenen beiden Jahren haben die Kliniken ein Defizit von zusammen 13,5 Millionen Euro ausgewiesen. Haben Sie schlecht gewirtschaftet?

Wir haben mit Sicherheit nicht schlecht gewirtschaftet. 2009 hatten wir einen Einbruch bei den Patientenzahlen durch den Umbau in Bad Soden. Bedingt durch Bauarbeiten mussten wir rund 60 Betten schließen. 2010 konnten wir zwar die Patientenzahl wieder erhöhen und zehn Millionen Euro zusätzliche Einnahmen erzielen. Doch Tariferhöhungen für die Mitarbeiter, zusätzliche notwendige Stellen in Medizin und Pflege und die Zinsen und Abschreibungen für die Investitionen in Bad Soden haben das alles wieder aufgefressen.

Und was erwarten Sie für 2011?

Leider hat sich an der Grundsituation nichts geändert. Wir werden einen weiteren Verlust von etwa sechs Millionen Euro ausweisen.

Deswegen müssen jetzt die Süwag-Aktien verkauft werden?

Mein Job als kaufmännischer Geschäftsführer ist es, dem Main-Taunus-Kreis als Eigentümer der Kliniken Vorschläge zu machen, wie die Kliniken jetzt und für die Zukunft konsolidiert werden können.

Aber das wird auch nur für zwei Jahre reichen, wenn sich an den Verlusten nichts ändert. Wie wollen Sie da umsteuern?

Wir müssen uns ja seit vielen Jahren in diesem System Gedanken machen und etwa Kooperationen mit anderen Kliniken eingehen. So arbeiten wir mit dem Nordwest-Krankenhaus bei der Schlaganfallbehandlung zusammen – und mit Höchst sind wir in der Diskussion über eine Zusammenarbeit bei der Urologie und dem Brustzentrum. Außerdem werden wir ab 15. Oktober einen hauptamtlichen OP-Manager haben, der die Abläufe bei den Operationen verbessert, um Leerlauf zu vermeiden.

Aber das allein dürfte nicht genügen. Müssen sich Mitarbeiter und Patienten Sorgen machen?

Nein, wir wollen sicher nicht am Personal oder an der Qualität der Versorgung sparen. Wir müssen dem Kreistag in sechs Monaten ein Konzept vorlegen, was wir im Konzern verändern könnten. Und haben Sie Verständnis, dass ich dem jetzt noch nicht vorgreifen möchte.

Fast allen kommunalen Krankenhäusern im Rhein-Main-Gebiet steht finanziell das Wasser bis zum Hals – den meisten geht es noch deutlich schlechter als den Main-Taunus-Kliniken. Was steckt dahinter?

Das Grundproblem ist, dass die Fallpauschalen, über die unsere Leistungen abgerechnet werden, in den vergangenen Jahren kaum gestiegen sind. Während beispielsweise 2010 die Personalkosten durch Tariferhöhungen um acht Prozent teurer geworden sind, hat der Bundesgesetzgeber die Fallpauschalen lediglich um 0,3 Prozent erhöht. Da muss jetzt die Politik aktiv werden.

Manche Beobachter vermuten aber gerade eine politische Strategie hinter der Finanznot der Krankenhäuser. Nach dem Motto: Wir lassen die kommunalen Kliniken gegen die Wand fahren, um sie in die Privatisierung zu treiben.

Das kann man nicht ausschließen. Ich denke aber trotzdem, dass die kommunalen Häuser auch weiter eine Chance haben. Und sie haben den großen Vorteil, dass es keine Aktionäre im Hintergrund gibt, an die Gewinne ausgeschüttet werden müssen. Stattdessen bleiben die Einnahmen der kommunalen Kliniken im Unternehmen und kommen den Patienten zugute.

Wie schätzen Sie die Möglichkeit ein, dass über den Eingängen der Krankenhäuser in Hofheim und Bad Soden bald das Logo eines privaten Konzerns wie „Rhön“ oder „Asklepios“ leuchtet?

Das ist ziemlich ausgeschlossen. Ich bin sehr froh, dass es im Kreistag einen Grundkonsens gibt, dass die Main-Taunus-Kliniken kommunal bleiben sollen.

Sie wollen in den kommenden Jahren das Krankenhaus in Hofheim komplett umbauen. Ist das jetzt durch die Finanzprobleme gefährdet?

Nein. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Die Finanzierung für Hofheim ist gesichert.

Das Interview führte Torsten Weigelt

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