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Die Innenstadt braucht mehr Läden

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Von: Andrea Rost

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Die Hauptstraße reicht nicht. Hofheim hat zu wenige Geschäfte.
Die Hauptstraße reicht nicht. Hofheim hat zu wenige Geschäfte. © FR/Schick

Zu wenige Schuhe und Spielwaren: Ein Einzelhandelskonzept für Hofheim zeigt Schwachstellen in der Versorgung auf. Von Andrea Rost

Das Kaufhaus Buch als Dreh- und Angelpunkt der innerstädtischen Shoppingwelt, drumherum knapp 100 Läden, vornehmlich in der Hauptstraße und am Untertor: Kunden können in der Hofheimer City durchaus flanieren.

Allein, das Einkaufsangebot ist nicht groß genug. Das sagen die Experten der Hamburger Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung Dr. Lademann & Partner. Sie haben bereits im Jahr 2000 ein Einzelhandelskonzept für die Kreisstadt erarbeitet und kommen neun Jahre später zu dem Schluss: In Hofheim hat sich seither nicht viel getan. Ihrer Funktion als "Mittelzentrum" werde die Stadt kaum gerecht, weil dafür wichtige Sortimente wie Schuhe, Bekleidung, Geschenkartikel, Lederwaren, Parfümerieartikel, Hausrat, Wohnaccessoires und Spielwaren in der Innenstadt in zu wenigen Geschäften angeboten würden.

Lob fürs Chinoncenter

Dass nach jahrelangem Ringen um einen Investor nun endlich das Einkaufszentrum auf dem Chinonplatz gebaut wird, in dem neben den Lebensmittelmärkten Edeka und Lidl auch ein Müller Drogeriemarkt und ein Dutzend weiterer Läden unterkommen sollen, werten die Hamburger Experten als ausgesprochen positiv. Das Chinoncenter könne einen wichtigen Akzent setzen, um Hofheim konkurrenzfähig zu machen, urteilen sie. Nicht zuletzt, weil dort durch die neuen Lebensmittelmärkte auch eine Lücke in der innerstädtischen Nahversorgung geschlossen werde.

Für die Hofheimer Altstadt, in der es fast ausnahmslos kleine Läden entlang der Hauptstraße gibt, regen sie an, weitere Geschäfte auch in den Seitengassen anzusiedeln. Damit könnten nicht nur Angebotslücken geschlossen, sondern auch großräumige "Laufzonen" geschaffen werden, die zum Einkaufsbummel einladen.

Während die Fachmärkte im Chinoncenter aus Sicht der Hamburger Berater keine Konkurrenz für die Innenstadt sind, ist das bei den Läden im Hofheimer Norden anders. Zwischen Hermann-Friese-Straße und Nordring ist die Angebotsdichte bereits jetzt zu hoch, urteilen die Gutachter und schlagen deshalb vor, keine Neuansiedlungen mehr zuzulassen - beziehungsweise höchstens solche Geschäfte zu bewilligen, in denen Sortimente angeboten werden, die es üblicherweise nicht in der Innenstadt zu kaufen gibt: Möbel, Heimtextilien, Bau- und Gartenartikel, Fahrräder, Zoobedarf oder Elektrogeräte.

Das sind allerdings genau jene Sortimentsgruppen, die in der Kreisstadt ohnehin bereits überdurchschnittlich gut vertreten sind. Diese Artikel gibt es in einem Möbelhaus, in zwei Baumärkten und einem Gartencenter zu kaufen; zusammen belegen diese Geschäfte weit mehr als 50 Prozent der in Hofheim zur Verfügung stehenden Ladenfläche. Die Märkte sind allesamt in der Peripherie angesiedelt und alleine schon deshalb keine Konkurrenz zur City.

Im Stadtparlament hat die Fortschreibung des Hofheimer Einzelhandelskonzeptes jüngst breite Zustimmung gefunden. Einzig FDP und Freie Wähler stimmten dagegen. Die Freien Demokraten konnten sich nicht für die Idee erwärmen, im Hofheimer Norden mittels Sortimentsbeschränkung die Ansiedlung neuer Länden zu verhindern.

Für Bodo Tadewald (FWG) konterkariert die Forderung nach mehr Geschäften in der Innenstadt die Ziele des Verkehrsentwicklungsplanes, weil damit auch zusätzlicher Autoverkehr in die City gezogen wird. Barbara Grassel (SPD) indes hält nicht alle Ziele für miteinander vereinbar. Lasse man mehr Einkaufszentren auf der Grünen Wiese zu, führe das einer Verödung der Innenstadt, argumentiert sie.

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