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Madlen Overdick.   

Nachtcafé

„Es ist immer ein lohnender Abend“

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Madlen Overdick über die Entstehung des Nachtcafés und den Dienst im Ehrenamt

Frau Overdick, seit einem Dreivierteljahr gibt es das „Nachtcafé“ in Hofheim, in dem sich Menschen, die sich einsam fühlen oder psychische Probleme haben, am Samstagabend treffen können. Was war der Anlass, ein solches Angebot ins Leben zu rufen?
Wir wollten all jenen einen Treffpunkt anbieten, die am Wochenende in ein Loch fallen, weil sie nirgendwo andocken können. Das Nachtcafé ist unter anderem für Menschen gedacht, die aufgrund psychischer Probleme unter der Woche in Tageseinrichtungen sind, denen diese Struktur aber am Samstag und Sonntag fehlt. Viele kommen dann nicht zur Ruhe, erfahren Ablehnung in der Gesellschaft. Deshalb sind sie besonders dankbar, wenn sie bei uns gut aufgenommen werden, sich akzeptiert fühlen.

Das heißt, man braucht eine psychiatrische Diagnose, um ins Nachtcafé kommen zu können?
Nein, es gibt keinerlei Voraussetzung. Wir haben die Zielgruppe bewusst offen gehalten. Jeder, der am Samstagabend nicht gerne alleine ist, der Probleme wälzt, sich einsam fühlt, ist im Nachtcafé willkommen.

In Wiesbaden gibt es seit ein paar Jahren das Café „Nachtlicht“ als Anlaufstelle für Menschen in nächtlichen Krisen. Ein Team aus Ehrenamtlichen mit und ohne Psychiatrieerfahrung organisiert es als Selbsthilfeprojekt. Wer steht hinter dem Nachtcafé in Hofheim?
Das Nachtcafé in Hofheim ist ein Projekt des Main-Taunus-Kreises. Wir haben dafür rund 1000 Euro im Kreishaushalt eingestellt. Damit finanzieren wir die Bewirtung und ein kleines Beschäftigungprogramm. Den Raum in der Wilhelmstraße stellt uns das Diakonische Werk kostenlos zur Verfügung.

Wer kümmert sich um die Besucher im Nachtcafé?
Wir arbeiten ausschließlich mit Ehrenamtlichen. Viele von ihnen sind Mitarbeiter der Hofheimer Kreisverwaltung. Wir haben hier im Haus einen Aufruf gestartet und das Interesse war sofort sehr groß. Auch ich übernehme Dienste im Nachtcafé und freue mich, abseits des politischen Geschäfts mit Menschen in Kontakt zu kommen, für die wir vom Kreis aus Leistungen anbieten. Es ist immer wieder ein lohnender Abend.

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Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um als Ehrenamtlicher im Nachtcafé mitarbeiten zu können?
Wir bieten keine Therapien oder Ähnliches an. Deshalb reicht es, wenn man Einfühlungsvermögen und Gespür für Menschen mitbringt und keine Berührungsängste hat. Unsere Ehrenamtlichen sind die Gastgeber im Nachtcafé, sie sind für die Besucher als Ansprechpartner da und moderieren den Abend.

Braucht es dafür eine spezielle Ausbildung oder Schulung?
Nein, das ist nicht nötig. Jeder, der sich engagieren möchte, wird zu einem persönlichen Kennenlerngespräch eingeladen. Darüber hinaus gibt es regelmäßige Treffen der Ehrenamtlichen, die auch als eine Art Supervision dienen können, sofern Bedarf besteht.

Gibt es Regeln, die im Nachtcafé eingehalten werden müssen?
Wir schenken keinen Alkohol aus und Rauchen ist nur im Hof gestattet. Wer möchte, kann auch ein vertrauliches Gespräch mit unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern führen. Niemand muss seinen Namen nennen und wir kontrollieren auch nicht, woher die Besucher kommen. Das Angebot ist offen für Menschen auch von außerhalb des Main-Taunus-Kreises.

Wie machen Sie Werbung für das Nachtcafé?
Unsere Flyer liegen im Landratsamt aus, in den Rathäusern der Städte und Gemeinden, bei den drei psychosozialen Zentren, in Kliniken und bei Ärzten. Das Nachtcafé ist ein niedrigschwelliges Angebot. Man muss sich dafür nicht anmelden, sondern kann spontan vorbeikommen.

Zur Person

Madlen Overdick leitet als hauptamtliche Kreisbeigeordnete das Dezernat IV im Landratsamt des Main-Taunus-Kreises.

Die Grünen-Politikerin ist in der Hofheimer Kreisverwaltung zuständig für Gesundheit, Verbraucherschutz, Veterinärwesen, Bauen, Umwelt- und Klimaschutz.

In das Amt gewählt wurde die Lorsbacherin Ende März 2017. Seit der Kommunalwahl arbeiten CDU, Grüne und FDP in einer Koalition im Kreisparlament zusammen. (aro)

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