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"IGS ist Alternative zum Gymnasium"

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Friedrich Hülsemann ist Direktor der Friedrich-Ebert-Schule in Schwalbach.
Friedrich Hülsemann ist Direktor der Friedrich-Ebert-Schule in Schwalbach. © FR/Schick

Der Leiter der Schwalbacher Friedrich-Ebert-Schule Wilfried Hülsemann spricht im FR-Interview mit Andrea Rost über die Vorzüge der Integrierten Gesamtschule.

Herr Hülsemann, die Friedrich Ebert-Schule wurde 2006 zur integrierten Gesamtschule umgewandelt. Eine gute Entscheidung?Ja, auf jeden Fall. Wir haben seither stabile Schülerzahlen, für das kommende Schuljahr gab es sogar deutlich mehr Anmeldungen als Plätze in den fünften Klassen 120 Schülerinnen und Schüler wollten kommen, 100 konnten wir aufnehmen. Mittlerweile wechseln auch viele Kinder mit gymnasialer Eignung auf die Friedrich Ebert-Schule. Dadurch nimmt die Leistungsbreite in den Klassen deutlich zu.

Was hat Sie dazu bewogen, das Schulkonzept zu ändern?Wir sind im dreigliedrigen Schulsystem schon vor mehr als zehn Jahren an unsere Grenzen gestoßen. Die Schülerzahlen gingen zurück, nach der Komplettsanierung Mitte der 90er Jahren hatte die Friedrich Ebert-Schule gerade noch 365 Schüler. Hätten wir weiter zugewartet, wäre es möglicherweise kritisch geworden, als kooperative Gesamtschule weiterzubestehen.

Also war der Wechsel zur IGS eine Flucht nach vorne?In gewisser Weise ja. Allerdings mit der klaren Zielsetzung, dass wir uns pädagogisch fortbewegen. Wir wollten das dreigliedrige Schulsystem deutlich hinter uns lassen, einen Kontrast aufbauen zur Konkurrenz der weiterführenden Schulen im Ostkreis zu den kooperativen Gesamtschulen in Eschborn und Sulzbach und zum Albert-Einstein-Gymnasium in Schwalbach. Die Beschlüsse, die Friedrich Ebert-Schule in eine IGS umzuwandeln, waren übrigens so gut wie einstimmig.

Worin sehen Sie die Vorteile des integrierten Konzeptes?Wir akzeptieren ganz bewusst die Unterschiedlichkeit unserer Schüler. Wenn Sie zum Beispiel 33 Kinder in einer fünften Klasse haben, sind die nicht alle auf dem gleichen Leistungsstand, lernen nicht alle im gleichen Tempo und auf die gleiche Weise. Es ist der Selbstbetrug des deutschen Schulsystems, zu meinen, man könnte hier Einheitlichkeit herstellen. So etwas gibt es einfach nicht.

Was macht die IGS also anders als Haupt-, Realschule und Gymnasium?Wir gehen positiv an das heran, was die Kinder mitbringen. Jeder Schüler kann bei uns seine Kompetenzen individuell entwickeln. Übrigens auch behinderte Kinder, für sie haben wir seit 1997 Integrationsklassen. Wenn Kinder schon nach der Grundschulzeit nach ihrer Leistung etikettiert werden, stellt das viel positive Energie fürs Lernen in Frage. So etwas hat die IGS nicht nötig.

Die Integrierte Gesamtschule wurde im Main-Taunus-Kreis lange Zeit als Schulform wenig bis gar nicht akzeptiert. Hat sich das mittlerweile geändert?Ja, es gibt da einen Wandel. Fast 90 Prozent unserer Schüler kommen aus Schwalbach und dem östlichen Main-Taunus-Kreis. Für viele ist die IGS mittlerweile sogar eine Alternative zum Gymnasium, weil die Kinder in der Mittelstufe mehr Zeit zum Lernen haben. Allerdings wird durch die Fokussierung auf G 8 über die IGS in der Öffentlichkeit kaum diskutiert. Viele Eltern wissen deshalb nicht, wie eine Integrierte Gesamtschule arbeitet. Dazu kommt, dass die Familien häufig in einem Zwiespalt stecken: Es ist nun mal angenehmer zu sagen: Mein Kind geht aufs Gymnasium. Auch wenn die Quote derer, die in der Mittelstufe scheitern, bei 25 Prozent liegt.

Wie sehen Sie die Zukunft für die Friedrich Ebert-Schule?Das hängt im Wesentlichen davon ab, welche Entwicklungsmöglichkeiten wir geboten bekommen. Prinzipiell können wir mit dem Erreichten recht zufrieden sein, wobei: Nichts ist so gut, dass es nicht noch besser werden könnte. Wir möchten unser Ganztagsangebot ausweiten und den Unterricht neu strukturieren, den starren 45-Minuten-Rhythmus weiter aufbrechen. Auf dem Schulhof soll es kindgerechte Spielgeräte geben. Außerdem ist ein neuer Gebäudetrakt für den Ganztagsbereich in Planung. 2010 soll mit dem Bau begonnen werden.

Interview: Andrea Rost

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