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„Ich brauche einen langen Atem“

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Antje Köster (SPD) ist neue Bürgermeisterin in Hattersheim.
Antje Köster (SPD) ist neue Bürgermeisterin in Hattersheim. © FR/Schick

Hattersheims neue Bürgermeisterin Antje Köster (SPD) ist 100 Tage im Amt. Im Interview mit der Frankfurter Rundschau spricht sie über ihre Pläne für 2011.

Frau Köster, hier im Chefzimmer hat sich ja einiges verändert. Springbrunnen, hellere, modernere Möbel...

Es fehlen noch ein paar Bilder. Ansonsten habe ich die Möbel meines Amtsvorgängers übernommen und sie von einem Hattersheimer Unternehmen umgestalten lassen.

Was hat sich in den 100 Tagen, seitdem Sie im Amt sind, denn sonst im Rathaus verändert?

Als ich hier angetreten bin, habe ich gesagt, ich will mir erst mal die Strukturen anschauen und dann gemeinsam mit den Mitarbeitern an einem Veränderungsprozess arbeiten.

Drei Monate im neuen Job. Da hat man sich meist gerade mal eingewöhnt. Als Bürgermeisterin werden hohe Anforderungen an Sie gestellt. Wie geht es Ihnen?

Mir kommt es sehr zugute, dass ich aus der Verwaltung komme. Dadurch kenne ich die Abläufe. Ich habe die Zeit zwischen den Jahren genossen, um auszuspannen. Es ist schon ein ganz anderer Lebensrhythmus. Und ich muss mich daran gewöhnen, dass ich überall im Mittelpunkt stehe. Mir geht es sehr gut.

Ihre Arbeitszeiten haben sich wohl etwas ausgeweitet. Was sagt Ihre Familie dazu?

Sie tragen die veränderten Bedingungen mit. Bei Wochenendterminen begleiten sie mich gerne. Unabhängig davon habe ich den Eindruck, das ist teilweise sogar gerne gesehen.

Typisch Frau ...

Könnte sein. Ich lege halt auf familiären Zusammenhalt großen Wert. Ich koche morgens schon, so dass das Mittagessen vorbereitet ist.

Dieser Rollensprung zwischen Mutter und Bürgermeisterin ist eine Gratwanderung?

Ja. Die Verantwortung habe ich hier für die Stadt genauso wie ich sie für meine Familie habe.

Sie waren inzwischen schon auf vier ersten Spatenstichen. Das waren aber sämtlich Projekte, die noch in der Ära Hans Franssen angeleiert wurden. Was haben Sie persönlich bereits erreicht?

Ich habe intern die Abläufe kennengelernt, mehrere Ausstellungen eröffnet und die Bürgersprechstunde an verschiedenen Örtlichkeiten ins Leben gerufen. Glücklich bin ich, dass wir den Eddersheimer Wochenmarkt so zeitnah hinbekommen haben.

Stichwort Kinderbetreuung. Wie wollen Sie die Probleme in der U-3-Betreuung anpacken?

Wir haben dem Stadtparlament eine Übersicht gegeben, wie viele Plätze wir schaffen müssen und im Haushaltsplan abgebildet, welche Kosten zu erwarten sind. Wobei wir derzeit recherchieren, inwieweit wir in vorhandenen Einrichtungen neue Plätze schaffen bzw. umwidmen können. Bis 2013 müssen wir 90 Betreuungsplätze in Einrichtungen schaffen.

Herr Franssen sagte kurz vor seinem Abschied, er hinterlasse Ihnen einige Baustellen und wünschte Ihnen einen langen Atem. Merken Sie jetzt, dass Sie den brauchen und die Dinge zäher vorangehen als Sie vielleicht dachten?

(Lacht) Ich wusste von vorneherein, dass ich einen Radweg zwischen Hatters und Okriftel, der seit 20 Jahren in der Mache ist, nicht in 100 Tagen realisieren kann. Ich weiß auch, dass der Haushalt defizitär ist und ich nicht mit einem Riesenkoffer voller Geld komme, um einen Ausgleich zu schaffen. Von daher weiß ich, dass ich einen langen Atem brauche. Dennoch ist das Amt eine Herausforderung und ich bin glücklich, dass ich diese Möglichkeit bekommen habe. Wir gehen die Probleme an und ich will zeitnah Lösungen schaffen.

Inwiefern kommt Ihnen da die Kommunalwahl in die Quere?

Ja, da müssen wir schon Rücksicht nehmen. Dennoch erfordern es die Belange der Stadt, dass wir Entscheidungen treffen. Die Frage ist, inwieweit das jetzt tätige Parlament noch Grundsatzentscheidungen treffen will und kann.

Wäre es jetzt, wo Sie die Mehrheit noch haben, nicht wichtig, grundlegende Entscheidungen vor der Wahl zu treffen?

Wir hoffen natürlich, dass wir auch nach der Wahl noch die Mehrheit haben. Außerdem müssen Entscheidungen auch wohlvorbereitet und überlegt sein. Das dürfen keine Schnellschüsse sein.

Sie sind die einzige Bürgermeisterin im Kreis, die die eigene Partei als Mehrheit im Hintergrund hat. Ist es dadurch schwieriger, ein eigenes Profil zu entwickeln?

Mir geht es nicht darum, mich zu profilieren, sondern dafür zu sorgen, dass es den Bürgern gut geht. Natürlich bringe ich neue Ideen ein.

Sie sind in die Fußstapfen eines sozialdemokratischen Urgesteins getreten. Schlägt Ihnen da manchmal Misstrauen entgegen?

Nein, habe ich nicht erlebt. Ich bin hier mit offenen Armen empfangen worden.

...obwohl Sie gleich zum Amtsantritt einen Nachtragshaushalt einbringen mussten, weil die Gewerbesteuereinnahmen 1,5 Millionen Euro niedriger waren als gedacht. Hat Sie das frustriert?

Ja, klar! Das hat mir überhaupt nicht gefallen. Fange hier an und bringe gleich einen Nachtrag ein ...

Welche Veränderungen dürfen die Hattersheimer 2011 aus dem Rathaus erwarten?

Wir werden an die U-3-Betreuung herangehen und Veränderungen in der Verwaltungsstruktur vornehmen. Wir wollen alle Buslinien im Stadtgebiet auf Bedarfsgerechtigkeit prüfen. Ich werden den Dialog zu den Vereinen suchen und schauen, welche städtische Unterstützung sie brauchen. Dann muss ich an das Thema Stadthalle rangehen und natürlich weiterhin den Flughafen im Auge haben. Wir fordern immer noch ein Nachtflugverbot.

Interview: Claudia Horkheimer

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