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Von Hurensöhnen und Schlampen

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Von: Andrea Rost

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Schnell eingetippt, böse Wirkung - Cybermobbing
Schnell eingetippt, böse Wirkung - Cybermobbing © Foto: dpa-infocom

Mitschüler, Lehrer, Schulleiter - alle werden sie auf einer Lästerseite im Internet aufs Übelste beschimpft. Der Direktor der Eschborner Heinrich-von-Kleist-Schule will das nicht mehr hinnehmen.

Sonja K. ist eine Schlampe. Ben S. ist ein Hurensohn. Paul – hot oder not? Einträge wie diese haben in den letzten Tagen auch Schüler aus dem Main-Taunus-Kreis auf jener Internetseite hinterlassen, die Jugendliche zum Lästern im World Wide Web aufruft. Doch es werden längst nicht nur Gleichaltrige verbal angegangen. Auch den Schulleiter und andere Mitarbeiter der Eschborner Heinrich-von-Kleist-Schule hat ein anonymer Schreiber aufs Übelste beschimpft. „Wer ist der dümmste Lehrer?“, fragt ein anderer Unbekannter.

„Ich finde das unsäglich“, kommentiert Schulleiter Adnan Shaikh die Einträge. Er denkt nun daran, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. „Dabei geht es mir weniger um meine Person als um die Jugendlichen, die ausgegrenzt und an den Pranger gestellt werden. Sie werden unter Umständen noch Wochen und Monate darunter zu leiden haben.“ Das Thema Mobbing werde an der Kleist-Schule offensiv behandelt, sagt Shaikh – von Streitschlichtern, Schulsozialarbeitern und dem Elternbeirat, der bereits eine Reihe von Informationsveranstaltungen organisiert hat. Auch vom Jugendkoordinator der Polizei, Uwe Thöne, lässt sich die Schule beraten.

Polizei informiert Schüler

Mit der Polizei arbeitet auch der Schulleiter der Hofheimer Gesamtschule Am Rosenberg, Rolf Richter, zusammen. Demnächst wird Uwe Thöne in der Gesamtschule über das Cyber-Mobbing aufklären. Auf der neuen Internetseite ist die Schule zwar bislang noch nicht aufgetaucht. „Das kann sich aber schnell ändern“, weiß Richter. Er stellt immer wieder fest: Für manche Jugendliche ist die virtuelle Welt des Internet realer als die Wirklichkeit. Fälle von Mobbing im Internet habe es auch am Rosenberg schon gegeben. „Die Schüler stehen dann weinend vor meiner Tür und zeigen mir Ausdrucke aus Foren, wo sie beschimpft wurden“, erzählt Richter. Ist der Urheber bekannt, versuchen die Pädagogen Täter und Opfer zusammenzubringen und den Konflikt im Gespräch zu klären. Auf der neuen Internetseite blieben die Urheber des Mobbings jedoch anonym. „Da können wir als Schule auch nichts ausrichten, sondern nur empfehlen zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten“, sagt Richter.

Bei der Polizei in Hofheim ist bislang eine Anzeige im Zusammenhang mit der Mobbing-Seite im Internet eingegangen. Eine 16-jährige Schülerin und ihre Eltern hätten sie erstattet, weil Unwahrheiten über das Mädchen im Netz veröffentlicht worden sein, sagte Polizeisprecher Thomas Trapke der FR. „Wir beobachten die Sache. Wenn Schulen an uns herantreten, geben wir Tipps, wie man mit der Situation umgehen kann.“

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