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Zu viele Rehe zerstören das ökologische Gleichgewicht im Wald.
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Zu viele Rehe zerstören das ökologische Gleichgewicht im Wald.

Hofheim

Zu viele Rehe im Hofheimer Stadtwald

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Wenn der Bestand an Tieren nicht dezimiert wird, droht der Verlust des FSC-Gütesiegels für naturnahe Waldbewirtschaftung. Im Rathaus befürchtet man finanzielle Einbußen.

Es ist vor allem das Rehwild, das den Verantwortlichen im Hofheimer Rathaus Kopfzerbrechen bereitet. „Der Bestand im Stadtwald ist seit Jahren zu groß“, sagte Stadtrat Bernhard Köppler (SPD) im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Dadurch gerate nicht nur das ökologische Gleichgewicht im Wald durcheinander. Über kurz oder lang sei auch das Gütesiegel für nachhaltige Waldbewirtschaftung, das der Forest Stewardship Council (FSC) der Stadt vor fünf Jahren verliehen hat, in Gefahr. „Wir müssen dringend gegensteuern.“

David Kreddig leitet in der Stadtverwaltung den Fachdienst Umwelt und Naturschutz. Er schildert das Problem so: Auf der Suche nach Futter fresse das Rehwild im Frühjahr und Sommer die frischen Blätter, Zweige und Knospen der Jungbäume komplett ab. Ob die kleinen Bäume aus Samen hochgewachsen sind oder gepflanzt wurden, mache dabei keinen Unterschied. „Sie haben kaum eine Chance hochzukommen. Der Wald kann sich nicht verjüngen.“

Genau das aber soll er nach den Richtlinien des FSC können, und zwar aus eigener Kraft. Plastikhülsen, die Jungbäume vor Wildverbiss schützen, oder Zäune rund um neu aufgeforstete Areale sind nicht erlaubt. Bei der Kontrolle der Zertifizierungsstelle sei der starke Wildverbiss, der Jungbäume in großer Zahl absterben lässt, deshalb bemängelt worden, berichtet Kreddig. Ein Jahr habe die Stadt Zeit, den Verstoß gegen die Richtlinien zu „heilen“.

Der Stadtwald

Mit 1414 Hektar ist der Hofheimer Stadtwald der größte kommunale Waldbesitz im Main-Taunus-Kreis. 1395 Hektar sind Baumbestandsfläche. Schutz- und Bannwald machen 46 Prozent der Stadtwaldfläche aus.

Als Baumart am stärksten vertreten ist die Buche (34 Prozent), gefolgt von der Eiche (33 Prozent). Nur noch zwei Prozent der Waldfläche sind Fichtenbestände.

Die Zertifizierung nach den Richtlinien des Forest Stewardship Council (FSC) hat der Hofheimer Wald im Juni 2016 erhalten. Das Gütesiegel bescheinigt eine umweltfreundliche, sozial förderliche und ökonomisch tragfähige Bewirtschaftung sowie den verantwortungsvollen Umgang mit den globalen Waldressourcen. aro

Um das zu erreichen werde man demnächst Gespräche mit der Jagdgenossenschaft und den Jagdpächtern führen, kündigte Bernhard Köppler an. Ziel müsse sein, dass mehr Rehwild gejagt wird. Eventuell müsse die Stadt Auflagen machen. „Es ist klar, dass die Jäger womöglich andere Interessen haben. Da müssen wir einen Kompromiss finden.“

Fachfirma pflanzt Bäume

Denn wenn sich der Wildverbiss nicht eindämmen lässt, steht über kurz oder lang auch das FSC-Zertifikat auf der Kippe, das die Stadt Hofheim 2016 für die naturnahe Waldbewirtschaftung verliehen bekommen hat und das sie bei der Holzvermarktung höhere Preise erzielen lässt. „Der Verlust des Gütesiegels wäre ein großer Imageschaden für den Stadtwald und würde finanzielle Einbußen bedeuten“, macht Köppler deutlich. „Wir wollen das Zertifikat auf jeden Fall behalten.“ Im übrigen sehe auch das Bundeswaldgesetz einen natürlichen und angepassten Wildbestand in den Wäldern vor.

Seit Anfang 2020 bewirtschaftet die Main-Taunus-Kreisstadt ihren Stadtwald selbst. Der zuvor bei Hessenforst angestellte Hofheimer Revierförster Karlheinz Kollmannsberger ist nun städtischer Mitarbeiter. Abgesehen von der Problematik des Wildverbisses sei FSC-Auditor Martin Opitz mit der Güte der Arbeit im Stadtwald zufrieden gewesen, berichtet Bernhard Köppler. Moniert wurden lediglich zwei Punkte: der fehlende Nachweis, dass nach dem 1. Januar 2020 angeschaffte Holz-Transporter nur mit biologischen Hydraulikflüssigkeiten betrieben werden sowie das nicht vorhandene öffentliche Leitbild des städtischen Forstbetriebes.

David Kreddig verweist in diesem Zusammenhang auf die Grundsätze der naturnahen Waldbewirtschaftung, wie sie die Naturwald-Akademie beschreibt: Möglichst wenig Pflegeeingriffe, Einsatz von Forstfachleuten und Pferden statt von Maschinen, Rückewege zum Transport der abgeholzten Stämme in größeren Abständen, Förderung des Mischwaldes und die Schwerpunktsetzung auf Qualität bei der Holzvermarktung. Nach diesen Kriterien arbeite man in Hofheim.

Mit einer große Pflanzaktion in Kooperation mit der Bürgerstiftung wollte die Stadt im Herbst vergangenen Jahres eine Brachflächen wiederaufforsten, die durch die Rodung abgestorbener Fichten entstanden war. Die Nadelbäume hatten der Trockenheit und dem Borkenkäferbefall nicht standgehalten. Die Corona-Pandemie machte die Pläne zunichte. Aktuell pflanze eine Fachfirma 10 000 Jungbäume, sagte Bernhard Köppler der FR. Ein artenreicher Mischwald solle auf diese Weise neu entstehen.

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