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„Wir verzweifeln fast“

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Zeitplan für Erweiterung der Kita Wildsachsen ist hinfällig / Eltern in Sorge

Hofheim - Als hätte er es geahnt: Sebastian Exner (CDU) hatte schon vor mehr als vier Monaten seine Zweifel, ob die Erweiterung der Kita rechtzeitig ihren Betrieb würde aufnehmen können. Stadtrat Bernhard Köppler (SPD) hingegen hatte sich Anfang Juli sehr optimistisch gezeigt und im Ortsbeirat verkündet, dass 25 dringend benötigte Ü 3-Plätze Anfang Oktober im eigens umgebauten Haus Alt Wildsachsen 29 geschaffen werden könnten.

Exner stieß sich damals an der Aussage des Magistrats, wonach „die Inaussichtstellung der Betriebserlaubnis“ zeitnah erfolgen könne. Dies sei schwammig und kryptisch formuliert, so Exner damals.

Wie sich nun zeigt, waren derlei Befürchtungen berechtigt. Am Montag musste Köppler im Ortsbeirat eingestehen, dass die neue Gruppe „vermutlich“ erst im neuen Jahr ihren Betrieb aufnehmen könne. Die Hofheimer Stadtverwaltung treffe keine Schuld an der Verzögerung, ebenso wenig die Handwerker oder den Bauherrn. Letzterer habe vor allem beim Brandschutz nachgebessert, auf Druck der Main-Taunus-Bauaufsicht. Zudem gebe es Lieferschwierigkeiten beim Material.

Gleichzeitig machte Köppler den betroffenen Eltern Mut: „Die Stadt hat heute beim Jugendamt des Kreises beantragt, eine dreimonatige Notgruppe im evangelischen Gemeindezentrum einrichten zu lassen.“ Räume für die 25 Kinder seien dort vorhanden, zum 1. Januar könne man einziehen. Zwar fehle ein Bewegungsraum. Insoweit lasse sich unter Umständen die Wildsachsenhalle nutzen. „Wir hoffen auf baldige Genehmigung durchs Jugendamt“, erklärte Köppler, „das pädagogische Personal ist vorhanden. Klar ist jedoch, dass das Gemeindezentrum nur eine Zwischenlösung sein kann.“

Sonderlich glücklich darüber zeigten sich die Mitglieder des Ortsbeirats nicht. Verena Breckheimer (CDU) beharrte darauf, dass Container die bessere und realistischere Variante gewesen wären. Auch Sebastian Exner verwies darauf, dass man der Stadtverwaltung „viele andere Ideen“ vorgeschlagen habe, die die nunmehr prekäre Situation vermieden hätten. Wildsächser Bürger seien mit viel Engagement auf der Suche nach Containern für die Kita gewesen - und zwar erfolgreich. „Auf der grünen Wiese wären alle Anforderungen des Kreises eins zu eins erfüllt worden. Schon im Januar oder Februar hätte die Stadt folglich einen anderen Weg einschlagen können“, so Exner.

Im Übrigen richte sich der Anspruch der Eltern auf Betreuungsplätze nicht - wie von Köppler behauptet - gegen den Main-Taunus-Kreis, sondern gegen die Stadt Hofheim. „Mit dem Finger immer nur auf andere zu zeigen, ist zu einfach. Die Stadt Hofheim steht in der Verantwortung“, kritisierte Exner.

Die Frage nach dem Schuldigen

„Das stimmt nicht“, entgegnete Köppler. Genehmigungsbehörde sei der Kreis. Dass das Okay der Bauaufsicht sich dermaßen lange hinziehe, wäre vermutlich auch mit Containern nicht zu vermeiden gewesen. Für eine einzige Gruppe bedeute das einen gigantischen Aufwand, weil auch dann ein Bewegungsraum erforderlich sei, ebenso wie Büro- und Sozialräume. Nötig seien zudem ein Fundament, frostfreier Ablauf sowie Erschließung mit Strom, Wasser und Abwasser. „Mit dem Umbau des Privathauses Alt Wildsachsen 29 haben wir eine gute Lösung gefunden. Und jetzt verzweifeln wir fast, weil der Kreis immer neue High-End-Nachforderungen stellt und wir ständig nacharbeiten müssen“, sagte Köppler. Immerhin habe nun der Kreisbeigeordnete Axel Fink (CDU) seine Unterstützung zugesichert.

Wie sehr das Thema den Eltern unter den Nägeln brennt, verdeutlicht die Aussage der Wildsächserin Julia Breivogel. Der Plan, gleich nach den Sommerferien mit der dritten Gruppe ins Rennen zu gehen, sei von vorneherein unrealistisch gewesen. „Selbst zum Stichtag Anfang September waren bereits über die Hälfte der Kinder drei Jahre alt. Es hätte sich also mehr als gelohnt, das Thema ernst zu nehmen und den Kindern eine adäquate und altersgemäße Betreuung anzubieten“, so Breivogel.

Leiden müssten nun die Kinder, aber auch die überlasteten Großeltern und von Existenzängsten geplagten Eltern. „Wie lange werden unsere Arbeitgeber die ,Nebenbei-Betreuung’ der Kinder und die viel zu kurzen Betreuungszeiten der Tagesmütter noch hinnehmen?“, fragt sie verzweifelt.

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