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„Wir lieben Hofheim!“

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Im Foyer der Stadthalle begrüßte Boris Rhein die Auszubildenden aus dem Hofheimer Rathaus, ehe sich Hessens Ministerpräsident bei den Vereinen, Verbänden und anderen Aktiven umschaute. knapp
Im Foyer der Stadthalle begrüßte Boris Rhein die Auszubildenden aus dem Hofheimer Rathaus, ehe sich Hessens Ministerpräsident bei den Vereinen, Verbänden und anderen Aktiven umschaute. knapp © Knapp

Viele Ukrainerinnen und Ukrainer sind unter den Gästen des Neujahrsempfangs

Hofheim - Der Ständer mit dem Desinfektionsmittel steht noch im Eingangsbereich der Stadthalle, an der Tür zum großen Saal fordert ein Schild auf: „Bitte tragen Sie eine Mund-Nase-Bedeckung. Laufrichtung beachten!“ War da was? - Bürgermeister Christian Vogt wird in seinen Begrüßungsworten noch einmal daran erinnern, wie er 2020 beim ersten Neujahrsempfang der Stadt Hofheim, nichtsahnend, was da vor der Welt lag, Erich Kästner zitiert habe. „Wird’s besser, wird’s schlimmer? Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich.“ Die Pandemie ist dank eines Impfstoffs aus Mainz kein Schlagzeilen-Thema mehr, die Normalität ist weitgehend zurück - und damit eben auch der Neujahrsempfang.

Mehr als 30 Vereine nutzen ihn am Sonntagvormittag als Bühne, um sich vor allem Neubürgern, die besonders zu diesem Empfang eingeladen sind, vorzustellen. Was sie sich von dieser Art ehrenamtlichem Einsatz versprechen. „Wenn es nicht neue Mitglieder sind, bringt es auf jeden Fall Präsenz“, so die Antwort von Dennis Meyer von der Freiwilligen Feuerwehr Hofheim. Da die Einsatzkräfte immer noch gefragt würden: „Wann kommt denn die richtige Feuerwehr. . .?“, nutzen sie gern jede Chance, mehr darüber zu informieren, dass in Hofheim die Freiwillige immer noch die einzige Art Feuerwehr ist.

Auch Christian Peter, Chef des TV Diedenbergen, fällt die Antwort leicht. „Hier bekommen wir frischen Kontakt zu den Bürgern, und das endlich wieder direkt, von Mensch zu Mensch und können unser breites Angebot vorstellen.“ Gisela Hefft vom Gesangverein Langenhain geht’s genauso. Die Sinfonietta hofft auf neue Orchestermitglieder.

Ins Gespräch kommen, das ist in der ersten Stunde Programm. Der Europaabgeordnete Michael Gahler spricht mit dem Kommandeur des amerikanischen Luftwaffenstützpunkts in Erbenheim, Geigerin Tanja aus der Ukraine, die gern ihr Instrument unterrichten würde, freut sich, mit Musikschul-Chef Sven Müller-Laupert in Kontakt zu kommen.

LORSBACHER BLEIBEN HARTNÄCKIG

Das Aktionsbündnis gegen eine einjährige Vollsperrung der L 3011 in Lorsbach ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, Ministerpräsident Boris Rhein beim Neujahrsempfang in Hofheim direkt auf ihr Anliegen anzusprechen. Rhein ließ sich von Matthias Kreß die Problematik in Kürze noch einmal erläutern, zeigte sich aber grundsätzlich gut im Bilde und benannte dann klar sein Problem: „Tun Sie mal was für uns, sagt sich sehr einfach. Wir haben aber klare Verantwortlichkeiten“, machte er deutlich, dass er Verkehrsminister Al Wazir (Grüne) hier nichts vorzuschreiben habe. Mitgegeben wurde Rhein aber ein Eindruck, wie hartnäckig die Lorsbacher für ihren Ort kämpfen - und dazu noch eine Karikatur von einer Dienstleitungs-Wüste Lorsbach, sozusagen als bleibende Mahnung. babs

Viele Ukrainer, zum Teil mit ihren privaten Gastgebern, sind diesmal unter den Gästen. 600, sagt der Bürgermeister, lebten derzeit in der Kreisstadt. Eine kleine Gruppe von ihnen wartet an einem der Tische im Saal auf den Start des Programms. Auf Englisch sagen sie, dass sie schön finden, hier willkommen zu sein. Und dann kommt plötzlich auf Deutsch freudestrahlend der Satz: „Wir lieben Hofheim!“

Das tut auch Bürgermeister Vogt, der nach der langen Begrüßungs-„Arie“ all der Prominenz aus Land, Kreis und Stadt immer wieder „wunderbar“ sagt, als er von einigen Höhepunkten des vergangenen Jahres und vom Ausblick auf das gerade begonnene spricht. Da sind die Tänzerinnen vom TV Lorsbach schon längst unter Druck, denn die knappe halbe Stunde, die sich Ehrengast Ministerpräsident Boris Rhein genommen hat, um mit Vereins- und Aktionsvertretern im Foyer zu sprechen, hat den Zeitplan strapaziert. Die Show-Tänzerinnen haben noch einen Wettkampftermin im Nacken - doch sie machen ihre Sache souverän und setzen mit einem Tanz zur Verschmutzung der Meere sogar noch ein aktuelles Thema.

Aktuelle Themen spricht auch Hessens Ministerpräsident dann so einige an: Christdemokrat Boris Rhein lobt dabei Vogts Idee, die Entwicklung des bisherigen Werksgeländes von Polar Mohr von einer interfraktionellen Arbeitsgruppe beraten zu lassen. „Gemeinsam Dinge anpacken über Parteigrenzen hinweg, das tut uns in der Entwicklung gut“, so seine Einschätzung. Dass das Ehrenamt die Demokratie trägt und stärkt, betont Rhein mit Blick auf die vielen Vertreter dieser Form des gesellschaftlichen Engagements, die ihm im Foyer schon begegnet sind.

Dass auch 2023 den Menschen wie der Politik einiges abverlangen wird, spricht Rhein ebenfalls noch an und bittet die Ukrainer im Saal ausdrücklich, all denen, die in ihrer Heimat für die Freiheit kämpfen, weiterzusagen, dass „wir wissen, was sie für Europa tun“.

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