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Wie die Stadt einst rasant wuchs

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Sonderausstellung im Stadtmuseum zur Gebietsreform 1969 - 1977

Hofheim - Das war ein schwerer Schlag für die Aktenlage“, beschreibt Stadtarchivar Matthias Bartsch die Zustände, als die ehemals selbstständigen Orte Lorsbach, Langenhain, Diedenbergen, Wallau und Wildsachsen nach Hofheim eingemeindet wurden. Dokumente in den Rathaus-Verwaltungen wurden als überflüssig erachtet und schlicht fortgeworfen. Das Bewusstsein, dass es sich um wertvolle und einmalige Zeugnisse handelte, war nicht vorhanden; gesetzliche Regelungen gab es noch nicht. E inem Archivar muss angesichts dessen das Herz bluten. Umso dankbarer zeigt Matthias Bartsch sich den Heimat- und Geschichtsvereinen. Wären deren Mitglieder damals nicht in Abfallcontainer geklettert und hätten Material gerettet, wäre vieles unwiederbringlich verloren gewesen. Heute stellten sie viele Fotos und Informationen für die Ausstellung im Stadtmuseum zur Verfügung. „Ohne das Engagement der Heimat- und Geschichtsvereine wäre die Ausstellung nicht möglich gewesen“, so Bartsch.

Von morgen bis zum 13. November zeigt das Stadtmuseum die Sonderschau „Hofheim in der Gebietsreform 1969 - 1977“. Zum 50-jährigen Jubiläum der Eingemeindungen von Lorsbach und Diedenbergen im Jahre 1972 wird der vielschichtige Eingemeindungsprozess hin zur heutigen Kreisstadt Hofheim am Taunus beleuchtet. Marxheim war bereits 1938 Teil von Hofheim geworden.

M it den fünf neuen Gemeinden wuchs die Einwohnerzahl der Kommune von etwa 18 500 auf 33 200. Ziel der hessischen Gebietsreform war, die Effizienz von Städten und Landkreisen durch größere Verwaltungseinheiten zu steigern. Waren es vorher noch mehr als 2000 eigenständige Gemeinden, so blieben nach Abschluss der Reform gerade einmal 426 übrig.

N aturgemäß verlief der Verlust der Selbstbestimmung nicht immer reibungslos. In Wallau organisierten Bürger einen Protestzug mit über 50 Fahrzeugen in Richtung Wiesbaden, um eine Eingemeindung in die Landeshauptstadt zu verhindern. Hessens Innenminister Hanns-Heinz Bielefeld hatte dies durchsetzen wollen. „ Die Diskussionen wurden sehr emotional geführt“, erinnert sich Bürgermeister Christian Vogt. Der Riss sei quer durch Familien gegangen: „Mein Vater sammelte Unterschriften für die Eingemeindung nach Hofheim. Mein Großvater kämpfte dafür, dass Wallau zu Wiesbaden kommt“, erzählt der gebürtige Wallauer.

1 972 wurde eine Bürgerbefragung abgehalten: 95 Prozent der teilnehmenden Wallauer votierten für die Eingemeindung nach Hofheim. Dem energisch vorgetragenen Protest konnten sich Bielefeld und Ministerpräsident Albert Osswald auf Dauer nicht verschließen, so dass ein Grenzänderungsvertrag akzeptiert wurde und Wallau im Januar 1977 zu Hofheim kam.

L angen Atem bewiesen auch die Krifteler. Landespolitisch war beschlossene Sache, dass die Obstbaugemeinde Hofheim „zugeschlagen“ werden sollte. Der sogenannte „Krifteler Igel“ indes wehrte sich erfolgreich, man blieb eigenständig.

H ofheim selbst blieb derweil Bestandteil des Main-Taunus-Kreises, der durch die Gebietsreform schrumpfte. In diese Zeit fiel auch die Entscheidung, den Sitz des Kreises im Jahre 1980 aus dem Frankfurter Stadtteil Höchst nach Hofheim zu verlegen.

N ebst Schautafeln und historischen Dokumenten präsentiert die Ausstellung erstmals sieben Kurzfilme, die die Stadtteile Hofheims vorstellen.

Öffnungszeiten: dienstags von 10 bis 13 Uhr, dienstags bis freitags 14 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags 11 bis 18 Uhr.

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