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Waldbrand-Fläche wird zum Experimentierfeld

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Ortstermin: Stadtrat Bernhard Köppler (rechts) und Förster Hannes Diez an dem Hangstück, an dem es gebrannt hatte. schmidt
Ortstermin: Stadtrat Bernhard Köppler (rechts) und Förster Hannes Diez an dem Hangstück, an dem es gebrannt hatte. schmidt © babs

Hofheim Fachleute beobachten Widerstandsfähigkeit der Baumarten

Einmal mehr haben die Hofheimer viel Glück gehabt: Das vom Feuer am vergangenen Samstag betroffene Waldstück in der Nähe des Postwegs, der hochführt von der Bahnlinie nach Langenhain, konnte innerhalb weniger Stunden gelöscht werden. Überwiegend stehen zudem auf dem einen Hektar großen Areal, auf dem das Feuer zu wüten begonnen hatte, rund 60 Jahre alte Douglasien. Und diese aus Nordamerika stammende Nadelbaum-Art ist durch die Beschaffenheit ihrer Rinde nicht nur einigermaßen widerstandsfähig gegen Feuer, in den USA wurde schon beobachtet, dass sich die Douglasie nach Waldbränden sogar besonders gut vermehrt, weil die Samen keine andere Pflanzenkonkurrenz mehr am Boden haben und die Humusschicht verbrannt ist, so dass der Oberboden frei liegt. Das erläuterten gestern bei einem Ortstermin der zuständige Stadtrat Bernhard Köppler (SPD) und Förster Hannes Diez.

Die Waldbrand-Fläche hat im Nachhinein sogar etwas Spannendes für die Fachleute: Sie wollen in den nächsten Jahren beobachten, wie sich der Wald selbst helfen wird. Gerade weil die betroffene Fläche sehr gut zugänglich sei, "haben wir hier ein tolles Monitoring-Feld mitten im Klimawandel", so Köppler. Dabei interessiert vor allem, welche Arten besonders widerstandsfähig sind. Neben der Douglasie stehen einige Buchen, Kirschen und Ahorne hier.

Der Grundwasserspiegel ist stark abgesunken

Doch selbst wenn sich diesem Schaden etwas Positives abgewinnen lässt: Weitere Waldbrände sollten unbedingt vermieden werden. Die Gefahr bleibt hoch, daran ändert der gestrige Regen nichts. Nach wie vor sind die Waldböden trocken, Unterholz und Laub, das die Bäume schon vermehrt abwerfen, weil sie so ihren Wasserbedarf etwas verringern können, bieten Nährboden für Feuer.

An eine Selbstentzündung glauben Köppler und Diez auch in diesem zweiten Waldbrand-Fall nicht. Dazu komme es im Grunde nur durch Blitzeinschlag oder Vulkanausbruch, beides lasse sich ausschließen. Viel eher ist entweder Fahrlässigkeit im Spiel - der achtlos weggeworfene "Glimmstängel" ist da der Klassiker - oder es treibt gar ein "Feuerteufel" sein Unwesen, was bei der Vielzahl der Brände in Feld und Wald in den vergangenen Wochen leider nicht auszuschließen sei, wie Köppler einräumte.

BÜRGER- PFLANZAKTION

Im Herbst gibt es wieder eine Bürgeraktion, bei der Wald-Nachwuchs aus der Baumschule neu angepflanzt werden soll. Die Termine sind zwei Samstage, und zwar der 29. Oktober und der 12. November. Nachdem im vergangenen Jahr bei Langenhain unter anderem Winterlinden, Türkischer Hasel, Wildobst-Sorten und Weißtannen gesetzt worden waren, wird diesmal eine von Trockenheit und Borkenkäferbefall verursachte Brachfläche im Lorsbacher Wald bepflanzt.

Gefragt ist dafür nicht nur die handfeste Unterstützung der Hofheimer an den beiden Pflanztagen selbst, auch finanziell ist Hilfe willkommen. Die Bürgerstiftung Hofheim sammelt Spenden für diesen Zweck auf ihrem Konto mit der IBAN DE 70 5125 0000 0001 0008 88. babs

Auch wenn die Folgen der Trockenheit für Spaziergänger weniger sichtbar sind als der Brandschaden: "Die Bäume leiden", sieht Förster Hannes Diez den Wald stark in Mitleidenschaft gezogen. Wer den Blick in die Kronen richte, könne gerade bei den Buchen viele lichte Stellen sehen, weil Blätter abgeworfen worden seien.

Buchen sind neben Eichen die häufigste Baumart im 1456 Hektar umfassenden städtischen Wald. Insgesamt stehen auf Hofheimer Gemarkung sogar 2372 Hektar Wald, denn auch in der Kreisstadt gibt es privaten Forstbesitz. Ganz so stark wie andere Teile Hessens sei Hofheim bislang nicht von den Folgen der Trockenheit betroffen, konnte Köppler noch sagen. Das liege vor allem an den im Vordertaunus vergleichsweise guten Böden, die Wasser besser speichern könnten, als es etwa der sandige Grund in der Main-Ebene schafft. Die Grundwasserspiegel seien aber auch hier stark abgesunken, ergänzte Diez. Daher schafften es gerade große, alte Bäume schlecht, ihren hohen Wasserbedarf noch zu decken. Und wie geht es den gerade erst im letzten Herbst und Winter gepflanzten Bäumen? Das hänge zwar auch vom Standort ab, so Diez, einige wenige Ausfälle gebe es, doch könne er sagen, die Anpflanzung sei "im Großen und Ganzen gelungen". babs

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