Hofheim

Wählergemeinschaft Wallau kandidiert nicht mehr fürs Parlament

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Die Truppe rund um Mario Kleber zieht sich aus der Hofheimer Stadtpolitik zurück. Auch für die Ortsbeiratwahlen in Wallau wird keine Liste aufgestellt.

Die Forderungen, mit denen die Wählergemeinschaft Wallau (WGW) im März 2016 zur Kommunalwahl antrat, ließen aufhorchen. Die 16 Kandidatinnen und Kandidaten, die auf der Bewerberliste standen, wollten nicht nur, dass die Interessen des Hofheimer Stadtteils im Parlament besser vertreten werden. Sie formulierten auch eine Leitidee mit weitreichenden Folgen: Wallau solle nach der Eingemeindung im Jahr 1977 langfristig wieder eine politisch unabhängige Gemeinde im Taunus werden, hieß es damals im Wahlprogramm der WGW.

Den Menschen, die in Wallau an die Urnen gingen, gefiel diese Vorstellung offenbar. Fast fünf Prozent der Wählerinnen und Wähler machten ihr Kreuzchen bei der WGW und bescherten der Truppe rund um Spitzenkandidat Mario Kleber zwei Abgeordnetensitze im Parlament. Noch größer war die Zustimmung bei den Ortsbeiratswahlen. Da stimmten 40 Prozent der Wallauerinnen und Wallauer für die Wählergemeinschaft.

Bei der Kommunalwahl 2021 wird es dennoch keine erneute Kandidatur geben. „Wir treten nicht zur Wahl an“, bestätigte Mario Kleber auf FR-Anfrage. Die Entscheidung sei bei der Jahreshauptversammlung vor wenigen Tagen einstimmig gefallen.

Mit viel Enthusiasmus seien er und seine Kollegin Carina Stein nach dem überraschenden Wahlerfolg vor vier Jahren in die Parlamentsarbeit gestartet, erinnert sich Kleber. Eine erste Schlappe erlebten sie im Ortsbeirat Wallau. Dort stellte die Wählergemeinschaft vier der neun Beiräte. Dennoch wurde sie bei der Wahl des Vorsitzenden von den übrigen Fraktionen überstimmt und ein CDU-Mann zum Ortschef gekürt.

„Was wir als Neulinge unterschätzt hatten, ist, wie der Koalitionszwang auch in der Kommunalpolitik das Abstimmungsverhalten beeinflusst“, sagt Mario Kleber und räumt ein: „Wir haben lange gefremdelt mit dem politischen System, das in der Praxis ganz anders läuft, als ich das in der Schule gelernt habe.“

Die Wählergemeinschaft Wallau saß in der Hofheimer Stadtverordnetenversammlung vier Jahre lang auf der Oppositionsbank. Genau drei ihrer Anträge, bei denen es sich um Formalien zur Geschäftsordnung handelte, wurden von der Parlamentsmehrheit angenommen. Forderungen aus dem Wahlprogramm wie der Bau der neuen Ländcheshalle, der Erhalt des Wallauer Festplatzes oder Geld für die Seniorenweihnachtsfeier wurden zwar erfüllt, aber Kleber ist Realist genug, um zu wissen: „Das lag nicht an unseren beiden Stimmen.“

Kandidieren nur der Kandidatur wegen wolle er nicht, sagt der 49-Jährige. „Deshalb ziehen wir uns zurück.“ Auch für die Ortsbeiratswahlen im März 2021 werde die WGW keine Liste aufstellen.

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