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Trinkwasserbrunnen in der City

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Grüne sind für kostenloses Nass / BfH fürchtet hohe Folgekosten

Hofheim - Seit die Sommer reihenweise heiß und trocken sind, wird in vielen Kommunen darüber nachgedacht, öffentliche Trinkwasserbrunnen zu installieren. In Hofheim hatte der Ortsbeirat Kernstadt schon vor zwei Jahren solche Brunnen gefordert, geworden ist daraus nichts. Jetzt haben die Grünen einen neuen Vorstoß in der Stadtverordnetenversammlung unternommen. Das Parlament zögert allerdings.

„Nach dem letzten Sommer müsste das jedem ein Bedürfnis sein“, so die Grünen-Stadtverordnete Bettina Brestel. „Frei zugängliches Trinkwasser steigert als freundliche Geste die Attraktivität der Innenstadt und der Ortskerne und erhöht die Aufenthaltsqualität“, heißt es in der Antragsbegründung. Bei Veranstaltungen diene kostenloses Trinkwasser als Alternative zu zucker- und alkoholhaltigen Getränken, es vermeide außerdem Plastik- und Glasmüll und lange Transportwege.

Trotzdem halten manche nicht viel von der Idee. Es gebe in der Innenstadt ausreichend Möglichkeiten, an Trinkwasser zu kommen, etwa in Restaurants, so der CDU-Stadtverordnete Frank Härder. „Wo es Wasserhähne gibt, läuft Trinkwasser heraus“, erklärte Barbara Grassel (Linke). Erinnert wurde auch an das Refill-Projekt - Geschäfte und andere, die kostenlos Trinkflaschen auffüllen, haben einen entsprechenden Aufkleber an der Tür. Entscheiden wird sich das Thema aber über die Kosten. Tanja Lindenthal (BfH) berichtete, dass ein solcher Brunnen täglich von einem Installateur kontrolliert werden müsse. Dies führe zu „exorbitant hohen Folgekosten.“ Ähnlich sprach André Seuberth (FWG) von „gigantischen Kosten“. Wahrscheinlich sei es preiswerter, an einer Stelle täglich drei Kästen Mineralwasser abzustellen. Dass solche Brunnen Hofheim gut zu Gesicht stehen würden, findet Seuberth schon, auch die FDP kann der Idee etwas abgewinnen. Beschlossen wurde daher, zunächst im Ausschuss zu diskutieren. Dort wird wahrscheinlich ein Prüfauftrag für den Magistrat daraus gemacht. Dabei sollen, wenn es nach den Grünen geht, auch für Stadtteile Standorte gesucht werden. Finanziert werden könnten die Brunnen aus dem Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“.

Auskünfte sind sehr unterschiedlich

Wobei die Investitionskosten, von - nach Angaben aus anderen Kommunen - 10 000 bis 15 000 Euro nicht das Problem sein dürften. Zu den laufenden Kosten gibt es allerdings unterschiedliche Auskünfte. Die Stadt Nidda möchte mit 1000, Leverkusen mit 3000 Euro im Jahr auskommen. 5000 bis 6000 Euro kalkulieren Heilbronn und Mönchengladbach. München hat nach einem Modellversuch die Kosten auf 9500 Euro beziffert.

Womöglich lohnt sich auch ein Blick über die Grenze. Die Stadt Graz stellt Trinkwasserbrunnen auf, die jeweils 1600 Euro kosten. Zu den laufenden Kosten werden keine Angaben gemacht, aber die Brunnen werden als wartungsfrei und vandalensicher beworben. Gut möglich ist natürlich, dass es im Nachbarland zum Betrieb der Brunnen andere Hygienevorschriften gibt - zu prüfen gibt es eine Menge.

Womöglich geht es auch nur noch um das Wie, nicht um das Ob öffentlicher Trinkwasserbrunnen in Hofheim. Das Bundeskabinett nämlich hat einen Gesetzentwurf beschlossen, nach dem Kommunen Leitungswasser durch Trinkwasserbrunnen in der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen müssen. Das Gesetz muss von Bundesrat und Bundestag noch beschlossen werden.

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