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Künstlerin Ingrid Jureit hat die Ausstellung mitkuratiert. Hier vor der Installation „Körperkleid 1-9“ von Petra Straß. Renate Hoyer

Hofheim

Taunus-Kunst-Triennale in Hofheim

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Das Hofheimer Stadtmuseum zeigt in einer Ausstellung Arbeiten von Kunstschaffenden aus der Region.

Im Foyer des Hofheimer Stadtmuseums geht der Blick erst mal nach oben. Ein riesiger Zylinder, gebaut aus hölzernen Stäben, hängt von der Decke. Geht man darauf zu, so stehen die Füße, ehe man sich’s versieht, auf einem Bild. Der Besucher ist erschrocken. „Darf man Kunst mit Füßen treten?“ Man darf. Denn unterhalb der Leinwand, die die Jahresringe eines Baumes zeigt, liegt ein Stempelkissen, das alle Fußabdrücke auf der Rückseite des Bildes festhält.

Die Installation stammt vom Lorsbacher Künstlerpaar Mary Zischg und Ernst-Ludwig Kolt. Sie ist Teil der Ausstellung Taunus-Kunst-Triennale, die zurzeit im Museum läuft. 80 Arbeiten von 25 Künstlerinnen und Künstlern sind in zwei Ausstellungsräumen zu sehen. Was sie verbindet ist ihre Beziehung zum Main-Taunus-Kreis. Einige sind hier geboren, andere haben eine Zeitlang im Landkreis zwischen Frankfurt und Wiesbaden gelebt, sind in der Kreisstadt Hofheim zur Schule gegangen oder arbeiten aktuell in einer der zwölf Städten und Gemeinden.

Die Taunus-Kunst-Triennale sei ein Projekt der regionalen Künstlerförderung, sagt die Leiterin des Hofheimer Stadtmuseums, Eva Scheid. Zwischen Frankfurt und Wiesbaden existiere ein Vakuum, was die Möglichkeiten betreffe, Arbeiten einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Die Kunst-Triennale solle öffentliches wie privates Engagement für die Gegenwartskunst voranbringen.

Termine Die erste Ausstellungim Rahmen des neuen Projektes „Taunus-Kunst-Triennale“ läuft bis 16. Februar im Stadtmuseum Hofheim, Burgstraße 11.

Unter dem Titel„Blick auf heute“ zeigen 25 Künstlerinnen und Künstler mit Bezug zum Main-Taunus-Kreis aktuelle Arbeiten.

Führungenbeginnen jeden Sonntag um 11.15 Uhr. Der Eintritt kostet 7 Euro, ermäßigt 5 Euro.

Einen Vortragüber „Das Unbegreifbare in der Kunst“ hält Ingrid Jureit am Freitag, 6.Dezember, ab 20 Uhr.

Der Katalogzur Ausstellung wird am 31. Januar, 20 Uhr vorgestellt.

Die Finissageist am Sonntag, 16. Februar um 16 Uhr.

Weitere Terminegibt es online unter www.hofheim.de

Das Interesse der Kunstschaffenden an der Ausstellung war groß. 86 bewarben sich mit mehr als 350 Werken. Eine Fachjury, der unter anderem Robert Bock von der Ausstellungshalle 1A in Frankfurt und der Geschäftsführer der ART-regio Kunstförderung, Rolf Luhn angehörten, hatte die Qual der Wahl. „Am Ende waren für uns die Qualität und die Eigenständigkeit der Arbeiten entscheidend“, sagt die Hofheimer Künstlerin Ingrid Jureit, die ebenfalls Jurymitglied war.

Das Thema „Blick auf Heute“ ließ breiten Raum für Interpretationen. Und so sind die Kunstwerke, die aktuell im Stadtmuseum Hofheim zu sehen sind, ausgesprochen vielfältig. Die Herausforderung sei gewesen, die unterschiedlichen Arbeiten harmonisch nebeneinander zu präsentieren, miteinander in Dialog treten zu lassen, sagt Ingrid Jureit. Das ist durchaus gelungen. Die filigranen Fineliner-Punkt-Zeichnungen von Dieter Brembs etwa hängen kraftvollen farbsprühenden Acrylbildern von Sabine Gieshof gegenüber. Großformatige Arbeiten von Marten Großefeld, die von Verfall und Neubeginn erzählen, sind neben auf Leinwände gemalten QR-Codes von Claudia Poeschmann zu sehen. Mit einer Scan-App kann der Besucher über sein Handy auf der Webseite der Künstlerin drei Bilder öffnen, die zuvor mithilfe eines digitalen Programms in QR-Codes verwandelt wurden.

Imposant ist die Installation „Super-Ego mit Felssturz“ von Ingrid Honneth, in der eine überdimensionale Zange, Schrauben und ein Zollstock drohend im Raum stehen. Die geometrisch-mathematischen Arbeiten von Ingrid Hornef aus der Reihe „Alea iacta est“ dagegen wirken ruhig, fast meditativ.

Spaß machen Kai Wolfs surreale kinetische Objekte. Die Installation „Es lebt“ lädt Ausstellungsbesucher zum Mitmachen ein. Eisenfeilspäne können auf eine Holzoberfläche gestreut werden. Angetrieben durch einen Magneten wandern sie wie ein Tier, das ständig seine Umrisse verändert, über die Fläche.

Die Taunus-Kunst-Triennale soll, wie ihr Name sagt, im Drei-Jahres-Rhythmus stattfinden. Mittelfristig könnte sie zur Plattform für Künstler aus dem gesamten Taunus werden, die Landkreise Hochtaunus und Rheingau-Taunus miteinschließen. Hofheim als Ort, an dem einst Hannah Bekker vom Rath im Blauen Haus Künstler aus ganz Deutschland beherbergte, wo Ottilie W. Roederstein und die Fotografin Marta Hoepffner ihre Ateliers hatten, sei prädestiniert, neue kulturelle Impulse zu setzen, sagt Museumsleiterin Scheid.

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