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Stammsitz von Polar Mohr ist verkauft

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Kelkheimer Projektentwickler Horn will Wohnungen bauen

Hofheim - Es ist eine Nachricht, wie es sie nicht oft gibt: Der Grund und Boden, auf dem seit mehr als 100 Jahren das Werk von Polar Mohr mitten in der Hofheimer Kernstadt steht, ist verkauft. Neuer Eigentümer ist die Kelkheimer Projektgesellschaft Horn. Das Geschäft soll dem Hofheimer Traditionsunternehmen aus dem Maschinenbau mit aktuell 360 Beschäftigten eine Option auf die Zukunft eröffnen. Mit dem Erlös können die Gläubiger befriedigt und ein ordentliches Insolvenzverfahren, das im Januar nach dem Ablaufen des Schutzschirmverfahrens gedroht hätte, abgewendet werden. Beabsichtigt ist, in spätestens drei Jahren ein neues Werk an einem anderen Standort in der Kreisstadt zu beziehen.

Auch für den Käufer und die Stadt Hofheim ergeben sich aus dem Geschäft Perspektiven. Bürgermeister Christian Vogt (CDU), der maßgeblich am Zustandekommen des Deals mitgewirkt hat, wie Horn und Wombacher würdigten, sprach gestern bei der Pressekonferenz von einer „sehr großen Chance für die Stadtentwicklung“. Das 48 000 Quadratmeter große Gelände in Bahnhofsnähe und nahe zur Innenstadt könne ein „komplett neues Gesicht“ erhalten.

Was sein Unternehmen hier frühestens ab 2024/25 realisieren wird, konnte Projektentwickler Günter Horn noch gar nicht sagen. Er verwies auf den geringen Vorlauf. Erst Mitte Oktober sei er angesprochen worden, ob er Interesse habe an einem Immobilien-Objekt in Hofheim. Bis zum 8. November war Zeit, ein Angebot abzugeben. Dann seien Gespräche geführt und „in rasender Geschwindigkeit“ Verträge aufgesetzt worden. Erst gestern um 10 Uhr sei letztlich auch die letzte Hürde genommen gewesen, so dass um 12 Uhr mit der Pressekonferenz das Ganze öffentlich gemacht werden konnte.

An „im großen Umfang eine Wohnbebauung“ denkt Horn. Es gebe aber auch alternative Überlegungen. Mit der Planung beauftragt werde das Architekturbüro Monogruen. Der Fokus bei allem liege derzeit aber darauf, die Arbeitsplätze bei Polar Mohr zu sichern. Der Spielraum sei eingeräumt, das gebe zugleich seinem Unternehmen Zeit, Pläne für das Areal zu entwickeln.

Die Stadt wird das eng begleiten, wie Vogt ankündigte. Schon zur nächsten Stadtverordnetenversammlung im Februar werde der Magistrat einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan vorlegen. Er selbst habe nach einer außerordentlichen Magistratssitzung, in der Mittwochabend beschlossen wurde, auf ein Vorverkaufsrecht der Stadt zu verzichten, alle Fraktionsvorsitzenden des Stadtparlaments über das Grundstücksgeschäft informiert.

„Eine Stadtverwaltung ist keine Projektgesellschaft“, begründete er, dass die Stadt nicht das gesamte Grundstück erworben habe. Sie habe mit ihrem „Kerngeschäft“ genug zu tun. Gesichert hat sich die Stadt die nötigen Flächen für die geplante Rad- und Fußwegbrücke vom Hochfeld über die Bahnlinie in Höhe Rudolf-Mohr-Straße. Zu den nun anstehenden „Hausaufgaben“ zählte Vogt, neue Gewerbeflächen zu erschließen, denn klar sei ja, dass die Stadt derzeit über kein Gelände verfüge, wie es Polar Mohr jetzt brauche. „Am ehesten in Diedenbergen“, so der Rathauschef auf Nachfrage, sehe er da Möglichkeiten.

Gemeint sind die Flächen an der Casteller Straße, die die Krieger-Unternehmensgruppe erworben hatte. Hier war einmal ein Höffner-Möbelhaus geplant, das aber am Widerstand von Stadt und Regionalverband scheitert. 20 000 Quadratmeter, so Polar-Geschäftsführer Michael Wombacher, würden für ein neues Werk des Maschinenbauers, zu dem die Dienst Verpackungstechnik gehört, ausreichen. Der neue Betrieb solle effizienter und kompakter werden als der angestammte auf dem „schmalen Handtuch“ an der Hattersheimer Straße, der als „vereinigte Hüttenwerke“ bespöttelt wird. Für die 360 Beschäftigten bewertete der Betriebsratsvorsitzende Frank Wagner die Entwicklung positiv. Es sei „eine Riesenchance, dass wir langfristig eine gute Zukunft haben“, so seine Hoffnung. Die Belegschaft war gestern Morgen über den Grundstücksverkauf informiert worden.

Positiv stimmt Geschäftsführer und Betriebsratsvorsitzenden zudem die Auftragsentwicklung. „Wir beenden das Jahr mit dem höchsten Auftragsstand in der Firmengeschichte“, ließ Wombacher wissen und ergänzte: „Sonst wäre die Zuversicht auch ein wenig gedämpfter.“

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