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Im Zentrum der Ausstellung „VorBilder“ stehen Porträts von Frauen.
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Im Zentrum der Ausstellung „VorBilder“ stehen Porträts von Frauen.

Hofheim

Stadtmuseim Hofheim: Starke Frauen, einfarbig und bunt

  • VonJürgen Streicher
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Das Stadtmuseum Hofheim kehrt mit Fotos von Marta Hoepffner zurück ins Kunstleben. Doch viel Publikum ist noch nicht erlaubt.

Schwarz-weiße Meditation, im Zentrum Marta Hoepffner. In der Mitte dieses Zentrums das Selbstbildnis im Spiegel, eine Überblendung mit vielen Facetten, eine komplexe Geschichte. Der Blick, der den Beobachter trifft, vielleicht der Blick einer positiv Besessenen. Er lässt keine Ausflüchte zu. Ein Leben für die Fotografie, zusammengefasst in einem Bild, offen nach vielen Seiten. Um Marta Hoepffner und ihre Arbeit rankt sich alles in der Ausstellung „VorBilder“, sie ist Mittelpunkt und Fixstern, aber auch nur eine, die anderen den Weg zu sich selbst gewiesen hat. „Sie war immer Individualistin“, formuliert Museumsleiterin Eva Scheid den wohl entscheidenden Aspekt im Leben von Marta Hoepffner. Sie war eigenwillig und dadurch Vorbild, all dies scheint in einem Bild gebündelt zu sein.

Handverlesen die Besucher, die morgen bei der Eröffnung am Vormittag dabei sein dürfen, Corona gibt das noch immer vor. Kein Makel, der die Freude bei Eva Scheid und der Marta-Hoepffner-Gesellschaft für Fotografie als Mitveranstalter bremst.

Kunst im Gespräch

Mit der Ausstellung „VorBilder“ beteiligt sich die Marta-Hoepffner-Gesellschaft in Kooperation mit dem Stadtmuseum Hofheim zum vierten Mal seit 2012 an der Triennale „RAY Fotografieprojekte Frankfurt/Rhein-Main“.

Rahmenveranstaltungen mit Publikum sind erst ab Juli möglich, Eintrittskarten für ein Zeitfenster können bis dahin durch Anruf (06192/900305) gebucht werden. Dies gilt auch für spätere Termine.

Dem Künstlerinnengespräch stellen sich die Fotografinnen Nicole Ahland und Sibylle Fendt am Freitag, 2. Juli. Am 4. Juli bietet Amalie Wilke eine Führung „Rollenbilder – zwischen Abstraktion und Gender“ an.

Am Freitag, 16. Juli, ist Hoepffner-Schülerin Renate von Forster zu Gast. Ein Fotografie-Workshop für junge Fotograf:innen (18 bis 28 Jahre) mit dem Motto „Streifzug“ findet am 3. Juli statt. jüs

„Es ist schön, dass wir präsentieren können, das macht schon Laune“, freut sich die Museums-chefin und mit ihr die Kuratoren. Schon ab 12.30 Uhr am Eröffnungstag können Zeitfenster von 90 Minuten für den Besuch der Ausstellung gebucht werden, es dürfte kein Nachteil bei der Wahrnehmung der Bildwelt von drei Frauen sein, wenn sich die Betrachter einigermaßen weitläufig verteilen. Dafür sind „VorBilder“ ja bis zum 1. August zu sehen, Zeit für die Versenkung in den fotografischen Dialog den zeitgenössischen Fotografinnen Nicole Ahland und Sibylle Fendt mit der Vorkämpferin Marta Hoepffner.

Zeit für individuelle Wahrnehmung vor allem. Der Arbeiten Hoepffners in zwei Mittelblöcken, mit ausschließlich schwarz-weißen Frauenporträts auf der einen Seite, versetzt mit abstrakten Farbinterferenzbildern auf der jeweiligen Rückseite der offenen Zwischenwände. Hanna Bekker vom Rath mit Palette und Pinsel, die Malerin, Kunstmäzenin und Nachbarin aus dem berühmten „Blauen Haus“ am Hofheimer Kapellenberg, wo Hoepffner ihre bekannte Fotoschule von 1949 bis 1971 in einer alten Villa betrieb. Porträts von Professorin Ida Kerkovius und der Schriftstellerin Marie-Luise Kaschnitz, von ihrer Geschäftspartnerin und Lebensgefährtin Irm Schoffers, von starken Frauen und ihr selbst in dem rätselhaften Doppelporträt „Meine Schwester und ich“. Noch heute wird der Marta-Hoepffner-Fotografiepreis nur für Schwarz-Weiß-Arbeiten ausgeschrieben.

Die Berliner Fotografin Sibylle Fendt, 62 Jahre nach Marta Hoepffner 1974 geboren, setzt bei ihren Porträts auf Farbe. Dezent, nie grell, aber mit eindeutigem Fokus auf die Geschichte, die sie vielleicht zu der fotografierten Person erzählen will. Mit Abstand unbedingt, geleitet von Respekt und einer wertschätzenden Haltung gegenüber den Protagonistinnen geben die Porträts mehr Rätsel auf, als dass sie welche enthüllen. Fendt zeigt bei „VorBilder“ nur Frauen, Künstlerinnen, die fern vom Mainstream Geschlechterrollen hinterfragen und dies durch Person und Kunst zum Ausdruck bringen wollen. Fendt stellt nicht infrage, ihr Blick changiert zwischen Nähe und Distanz, zeigt Solistinnen in ihrem jeweiligen Ausschnitt von Welt, in dem sie keine anderen Menschen brauchen. Die Schauspielerin Bettina Hoppe in strenger Haltung vor einer weißen Treppe mit grüner Turnmatte im Hintergrund, die Cellistin Martina Bertoni als Kopfporträt, die auch den Katalogtitel ziert, Elektroclash-Sängerin Peaches in cäsarischer Haltung, insgesamt knapp zwei Dutzend Frauenbilder, jedes steht für eine Lebenswelt.

Den Dialog zu dritt komplettiert die Wiesbadener Fotokünstlerin Nicole Ahland, die Marta Hoepffners Experimentierfreude aufgenommen hat, bei ihren Kompositionen mit abstrakten Lichtlinien und -modulationen aber nichts dem Zufall überlässt.

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