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Stadt wurde von Situation „überrollt“

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Stadtrat weist Kritik zurück, den Bedarf an Kita-Plätzen nicht vorausschauend im Blick zu haben

Hofheim - Dass sich viele Eltern vergeblich bemühen, für den Nachwuchs einen Platz in einer Kindertagesstätte zu bekommen, ist bekannt. Wann sich die Situation ändern wird, ist dagegen völlig unklar. Im Sozialausschuss war jetzt erstmals die Rede davon, provisorisch einen ganzen Kindergarten einzurichten. Aber es gibt kaum eine Maßnahme ohne spezielle Hindernisse.

Seit einer ganzen Weile schon spricht der Magistrat davon, einen neuen Kindergarten zu bauen, als Standort wird der Bolzplatz im Thüringer Weg ins Auge gefasst. Nur wird es mehrere Jahre dauern, bis er in Betrieb gehen kann. So lange könne die Eltern aber nicht warten: Nach dem jüngst vorgelegten Entwicklungsplan Kindertagesbetreuung fehlen im kommenden Kindergartenjahr 182 Plätze für Kinder unter drei Jahren und 114 Plätze für Kinder ab drei Jahren.

Die Idee, deshalb eine provisorische Einrichtung zu schaffen, wurde im Rathaus offenbar erst neuerdings entwickelt, zumindest war bislang davon nicht die Rede. Der für die Kinderbetreuung zuständige Stadtrat Bernhard Köppler (SPD) kündigte an, der Magistrat werde einen Vorschlag machen. Herauszuhören war, dass Standorte geprüft werden, aber noch keine Entscheidung gefallen ist. In Frage kommt offenbar auch ein Kindergarten aus Containern - aus den Reihen der Stadtverordneten kam der Hinweis, dass die Stadt Eppstein mit einer solchen Lösung gute Erfahrungen gemacht habe.

Was nicht in Frage kommt ist, in mehreren Stadtteilen provisorische Lösungen aus Containern aufzubauen. Denn dies wäre erheblich teurer, da Personalräume und anderes mehrfach geschaffen werden müssten. Am Geld wird es nicht scheitern - aus den vergangenen Jahren sind für den Ausbau von Kindertagesstätten noch mehr als zehn Millionen Euro übrig geblieben.

Privatgebäude soll angemietet werden

Ein großes Provisorium bedeutet nicht, dass nicht verschiedene andere Erweiterungsprojekte weiterverfolgt werden sollen. Ebenfalls erstmals wurde berichtet, dass in Wildsachsen ein Privatgebäude für die Kinderbetreuung angemietet werden soll. In Lorsbach soll eine Waldgruppe eingerichtet werden. In Langenhain wiederum wird deutlich, warum es nicht immer so einfach ist, bestehende Einrichtungen zu erweitern. Im dortigen Kinder- und Familienhaus könnte eine weitere Gruppe mit 25 Kindern geschaffen werden. Der Main-Taunus-Kreis allerdings beharrt darauf, dass es dann eine neue Betriebserlaubnis für die ganze Einrichtung geben muss. Und da sich die Anforderungen geändert haben, müssten zehn der vorhandenen Plätze wegfallen - was nicht im Sinne der Stadt ist. Seit langem schon werde verhandelt, berichtete Köppler, aber man bewege sich auf einen Kompromiss zu.

Im Sozialausschuss gab es reichlich Kritik am Magistrat wegen der Kinderbetreuung. Warum nicht längst zusätzliche Plätze geschaffen worden seien, wenn doch das Geld zur Verfügung stehe, wollte Bernd Hausmann (Linke) wissen. Es fehle ihr ein wenig der vorausschauende Blick auf das Thema, so die CDU-Stadtverordnete Birgit Krämer. Dem widersprach Kindergartendezernent Köppler. Die Stadt sei von der Situation förmlich überrollt worden, so der SPD-Politiker.

Die enormen Zuzüge von Familien mit Kindern durch die Nachverdichtung in verschiedenen Teilen der Stadt seien so gar nicht absehbar gewesen. Die einst angedachte Erweiterung der Einrichtung am Steinberg habe man ebenso verwerfen müssen wie eine Vergrößerung der Kita Römerlager. Dazu kämen die Probleme mit den Betriebsgenehmigungen und die Schwierigkeiten, Erzieherinnen zu finden. Ob sich das alles in absehbarer Zeit entspannen wird? Im Rathaus wird gerade an der Bedarfsprognose für die nächsten Jahre gearbeitet, konkrete Ergebnisse wurden noch nicht vorgelegt. Aber deutlich gemacht wurde, dass die Zahl der benötigten Betreuungsplätze weiter steigen wird.

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