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Politik sieht große Chance

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Fraktionen äußern sich zum Verkauf des Polar-Mohr-Firmengeländes

Hofheim - Der kurz vor Weihnachten verkündete Verkauf des Polar-Mohr-Geländes an der Hattersheimer Straße an die Projektgruppe Horn wird für die Kommunalpolitiker und die Verwaltung der Kreisstadt ganz sicher eine Folge haben: Es kommt viel Arbeit auf sie zu im neuen Jahr 2023. Darüber sind sich alle einig, die wir in den vergangenen Tagen nach ersten Reaktionen auf die neue Situation gefragt haben.

CDU-Fraktionschef Alexander Kurz sieht zum einen eine „sicherlich einmalige Chance, die Zukunft Hofheims zu gestalten“. Immerhin handele sich um ein vergleichsweise „riesiges Areal“ in der Innenstadt, das einer neuen Nutzung zugeführt werden könne. Die zweite wichtige Sache sei, dem Wunsch zu entsprechen, das Unternehmen Polar Mohr in Hofheim zu halten. „Das alles kann nur klappen, wenn wir einen großen Konsens aus den verschiedenen politischen Richtungen hinbekommen“, sagt Kurz.

Wechselnde Mehrheiten

Das Stadtparlament arbeitet mit wechselnden Mehrheiten. Den Vorschlag von Bürgermeister Christian Vogt (CDU), eine interfraktionelle Arbeitsgruppe zu bilden, die sich intensiv mit all den anstehenden Fragen befassen soll, hält nicht nur Kurz für richtig. „Das finde ich sehr gut“, sagt Wilhelm Schultze, Fraktionsvorsitzender der Bürger für Hofheim (BfH). Andreas Nickel (FWG) urteilt, „alle an einen Tisch zu holen, find ich klasse“. Nickel sieht insgesamt in dem Grundstücksverkauf an Investor Horn „eine gute Chance für Hofheim“, die der Stadt „Gestaltungsmöglichkeiten“ und „ein „schönes Bündel an Optionen“ gebe.

Das sieht auch der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Ralf Weber so. „Alles, was gut ist für die Arbeitsplätze, finden wir gut“, betont der Liberale zudem. Für ihn ist auch ausgemacht, dass Hofheim mehr Gewerbeflächen brauche. Der FDP-Mann findet daher die Idee, einen Gewerbepark in Diedenbergen zu ermöglichen, in dem dann unter anderem Polar Mohr ein neues Werk bauen kann, unterstützenswert.

In der Stadtpolitik ist darüber offenbar schon seit einiger Zeit hinter den Kulissen gesprochen worden. Das deuten zumindest Kurz und SPD-Fraktionschef Alexander Tulatz an. Die Krieger Projektentwicklung, die sich auf Anfrage dieser Zeitung bislang nicht zurückgemeldet hat, wollte an der Anschlussstelle Diedenbergen der A 66 zwischen Casteller Straße und Kreisstraße 875 schon 2007 einen Höffner-Möbelmarkt bauen und hat sich dafür landwirtschaftlich genutzte Flächen gesichert. Das Vorhaben scheiterte am Widerstand von Stadt und Regionalverband. Doch die Krieger-Gruppe hat einen langen Atem und offenbar mit der Idee eines Gewerbeparks nun eine Idee, die in der Stadt bei vielen auf ein positives Echo trifft. „Es wäre ein idealer Standort“, glaubt etwa CDU-Mann Kurz. Die Verkehrssituation sei aber unbedingt vorher zu prüfen, auf keinen Fall dürfe der Ortskern noch mehr belastet werden.

Dass mehr Wohnraum an der Hattersheimer Straße entstehen soll, begrüßt Sozialdemokrat Tulatz, seine Partei werde aber darauf achten, „welche Form von Wohnen“ realisiert werde. Zumindest „ein gesunder Mix“ sei wichtig. Die Industrie „mitten in der Stadt“ habe schon länger nicht mehr gepasst, meint BfH-Mann Wilhelm Schultze. Er könnte sich neben Wohnraum hier auch gut Co-Working-Flächen oder ein Hotel vorstellen.

Ungeeignet für Wohnraum hält nur Linken-Sprecher Bernd Hausmann das Mohr-Gelände zwischen Bahndamm und Straße. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Christa Katzenbach, spricht bei dem Grundstücksgeschäft von einem „Schnellschuss“ und hat noch Bedenken, ob der Vorkaufsrecht-Verzicht per einfacher Kenntnisnahme durch den Magistrat rechtens war. Wenn die Stadt aber nun tatsächlich die Möglichkeit erhalte, die künftige Nutzung des Mohr-Geländes zu beeinflussen, sei das „eine Riesenchance für die Stadtentwicklung“, meint die Grüne. Das Ganze müsse aber „gut überlegt und vorausschauend geplant“ werden.

Römerwiesen abspecken?

Schwierig findet Katzenbach genauso wie BfH-Sprecher Schultze eine weitere Flächenversiegelung, die der Gewerbepark in Diedenbergen bedeuten würde. Wenn man hier Land nutze, müsse man woanders weniger entwickeln, meint FWG-Mann Nickel und denkt da auch an die Römerwiesen. Der Verzicht auf das städtische Vorkaufsrecht sei richtig. „Das ist auch außerhalb unserer finanziellen Möglichkeiten.“ Für die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft „wäre es zu groß“, findet Sozialdemokrat Tulatz,

Ob auch eine zweite Straßenquerung der Bahnlinie und damit eine Entlastung der Rheingaustraße möglich wird, da sind die Beurteilungen noch sehr vorsichtig. Dass die Stadt sich das Grundstück für eine Rad- und Fußgängerbrücke zwischen Hochfeld und Innenstadt gesichert hat, finden alle positiv, CDU-Mann Kurz hofft jetzt für alle anstehenden Fragen vor allem auf eine „sachliche Diskussion“. babs

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