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„Operation am offenen Herzen“

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Vertreter von Kreis und Stadt lassen sich bei Nieselregen die Details der Erweiterung des Umspannwerks in Marxheim erklären. knapp
Vertreter von Kreis und Stadt lassen sich bei Nieselregen die Details der Erweiterung des Umspannwerks in Marxheim erklären. knapp © Knapp

Netzbetreiber Syna nimmt erweitertes Umspannwerk in Marxheim in Betrieb

Hofheim - So können die Dinge sich ändern: Vor zehn Jahren habe man noch über die Verschlankung der Netze nachgedacht, erinnert sich Andreas Berg, technischer Geschäftsführer der Syna, das für den Leitungsbetrieb zuständige Tochterunternehmen der Süwag. Es stellte sich also die Frage, ob nicht die eine oder andere Leitung verzichtbar war. Inzwischen sieht das alles ganz anders aus - auf die Frage nach den Gründen ist mit den drei Stichworten Elektromobilität, Wärmepumpen und Rechenzentren schon alles gesagt.

Und deshalb ist der Ausbau der Netze das Gebot der Stunde. Viel Aufmerksamkeit findet in der Öffentlichkeit die von der Amprion GmbH geplante Höchstspannungsleitung Ultranet. Weitgehend unbemerkt und auch ohne öffentlichen Widerstand dagegen hat die Syna ihr Umspannwerk in Marxheim, unweit der Autobahnauffahrt, erweitert - und jetzt ganz offiziell in Betrieb genommen.

Was passiert ist, kann man auch von außen ganz gut erkennen, jedenfalls zum Teil. In mehr als drei Metern Höhe laufen jetzt mehrere Aluminiumrohre nebeneinander her, wo es vorher dicke Elektrokabel gab. Denn die Rohre sind einfach leistungsfähiger als die Kabel. Sammelschienen werden sie genannt, obwohl sie eigentlich Verteilschienen heißen müssten. Denn auf diese Rohre wird der ankommende Strom geleitet, auf niedrigere Spannungen gebracht und dann in einzelne Felder wieder verteilt. Als Feld wiederum werden die Teile der Anlage bezeichnet, die für ein Versorgungsgebiet zuständig sind- Diedenbergen zum Beispiel, der nächstgelegene Hofheimer Stadtteil, wird über ein solches Feld versorgt. Beim jetzigen Ausbau wurden nicht nur alle Felder modernisiert, sondern es wurden zwei zusätzliche Reservefelder geschaffen und die Vorbereitungen zum Ausbau dreier weiterer Felder geschaffen.

Pläne für weitere Rechenzentren

Nicht zufällig erwähnt Geschäftsführer Berg das Rechenzentrum, das auf dem nahe gelegenen Kastengrund-Gelände auf dem Gebiet der Stadt Hattersheim gebaut werden soll, denn auch dieses wird seinen Strom aus Marxheim bekommen. Und die Anlage in Kastengrund ist nicht die einzige, die noch dazu kommt, auch im Main-Taunus-Kreis. Unlängst wurden Pläne für den Bau eines Rechenzentrums auf dem ehemaligen Coca-Cola-Gelände in Liederbach bekannt.

Warum ausgerechnet in der Rhein-Main-Region so viele Rechenzentren gebaut werden, hat sich längst herumgesprochen - in Frankfurt befindet sich der größte Internetknoten der Welt. „Die Standorte hier sind heiß begehrt“, sagt Berg.

Ob man in 30 Jahren all die Rechenzentren noch brauchte - die Frage warf Hofheims Erster Stadtrat Wolfgang Exner auf. Eine zuverlässige Antwort wird sich keiner zutrauen. Unternehmen wie die Syna jedenfalls werden darauf achten, dass sich ihre Investitionen schon früher rechnen. Und diese Investitionen sind beträchtlich - waren es früher 10 Millionen jährlich, und das nur für das Hochspannungsnetz, so sind es heute 40 Millionen Euro. Das Netz wird erweitert und verstärkt, außerdem muss natürlich immer wieder einmal etwas ersetzt werden.

Das jetzt realisierte Projekt war eine Herausforderung, Berg nennt es eine „Operation am offenen Herzen.“ Denn eine Unterbrechung des Betriebes kam natürlich nicht in Frage. Und das soll sich gelohnt haben. Nicht nur die Kapazitäten wurden erweitert, sondern auch zwei bisher am Werk vorbei führende Hochspannungsleitungen angeschlossen. Dies erhöhe die Versorgungssicherheit, hieß es.

Inzwischen sind die Arbeiten fast abgeschlossen, lediglich ein bisschen Tiefbau ist noch zu erledigen. Das heißt aber nicht, dass es in diesem Bereich keine Bauarbeiten mehr gibt. Bekanntlich möchte die Süwag gleich neben dem Umspannwerk ein Rechenzentrum bauen und damit selbst in diese Branche aufbrechen. Und die Amprion GmbH als Betreiberin der Höchstspannungsleitungen möchte ebenfalls in der Nachbarschaft bauen. Zehn Hektar Gelände würden dafür gebraucht, hieß es - ein Flächenverbrauch, der in Marxheim nicht nur positiv gesehen wird.

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