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Öko-Zertifikat für den Wald wackelt

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Auch wenn Holz geerntet wird: Mit dem Stadtwald ist derzeit kein Geld zu machen. stadt hofheim
Auch wenn Holz geerntet wird: Mit dem Stadtwald ist derzeit kein Geld zu machen. stadt hofheim © Stadt Hofheim

Mehr Reh-Abschüsse gefordert / Auch die Mufflons sind ein Problem

Hofheim - Mehr Artenschutz bei der Bewirtschaftung des Waldes - das hat sich das Land Hessen mit einer neuen Naturschutzleitlinie auf die Fahnen geschrieben. Wenn dieses Papier schon in Hofheim vorgestellt wurde, dann sollte es auch für den Hofheimer Stadtwald gelten, haben sich die Bürger für Hofheim (BfH) gedacht. Und genau dies in der Stadtverordnetenversammlung beantragt. Über den Antrag wurde noch nicht abgestimmt, andere aktuelle Vorgänge sind zu berücksichtigen. So wird gerade am neuen Zehnjahresplan für den Wald gearbeitet. Und die Stadt hat alle Mühe, die FSC-Zertifizierung für ihren Wald zu erhalten.

Die Richtlinien sehen vor, zehn statt bisher drei Habitatbäume pro Hektar zu erhalten - das sind ältere, teils abgestorbene Bäume, die etwa durch Höhlen oder Totholz Lebensräume für bestimmte Tiere bieten. Zudem sollen die Zeiten für den Holzeinschlag verkürzt werden, um die Brut- und Setzzeit besser zu sichern. Durch den Erhalt von Tümpeln und Feuchtgräben soll Wasser möglichst lange im Wald gehalten werden. Viertens soll bei der Waldbewirtschaftung generell der Naturschutz stärker im Blick gehalten werden.

Die Stadtverordnetenversammlung wollte dies nicht beschließen, ohne die konkreten Auswirkungen zu kennen. Man brauche dafür Personal, und kostenlos sei es auch nicht, ist der FWG-Fraktionsvorsitzende Andreas Nickel überzeugt. „Es muss alles auch handhabbar sein, wir machen schon viel“, so Stadtrat Bernhard Köppler (SPD). All dies müsse bei der Beratung des Forsteinrichtungswerkes berücksichtigt werden, sagt Grünen-Sprecher Daniel Philipp. Das ist die Zehn-Jahres-Planung für den Wald, über die in den politischen Gremien derzeit ebenfalls beraten wird. Fritz Richter, dessen Büro Center-Forst GmbH diese Planung für die Stadt aufstellt, bezeichnete die Wiederaufforstung der Flächen, auf denen zuletzt Fichten gerodet werden mussten, als Schwerpunkt des nächsten Planes. Es geht um 59 Hektar Wald. Die gesamte Hofheimer Waldfläche umfasst 1400 Hektar. Zwei Drittel der Flächen sollen durch Naturverjüngung aufgeforstet werden, auf einem Drittel müssen die Förster pflanzen. Vier von fünf dieser Bäume werden Laubbäume sein. Erst mittelfristig könne der Wald wieder kostendeckend bewirtschaftet werden; zurzeit beträgt der Zuschussbedarf rund 120 000 Euro im Jahr.

„Sie müssen die Jagd in den Griff bekommen, es muss mehr Abschüsse geben“, erneuert auch Fischer eine Forderung, die seit Jahren aus Sicht des Forstes immer wieder an die Stadt gestellt wird - sehr zum Missvergnügen der Jägerschaft. Dass Flächen für die Naturverjüngung eingezäunt werden müssen, damit die Rehe nicht alle jungen Triebe wegfressen, gehört zu den großen Kostenfaktoren.

WIRTSCHAFTSPLAN

Das Forsteinrichtungswerk ist ein für zehn Jahre geltender Plan zur Bewirtschaftung des Waldes. Am Anfang steht eine Inventur. Demnach sind die Buche mit 38 und die Eiche mit 35 Prozent die wichtigsten Baumarten. Weitere 13 Prozent entfallen auf andere Laubbäume. Der Nadelholzanteil beträgt gerade noch 14 Prozent, nur 1,3 Prozent der Bäume sind Fichten.

In der Folge wird festgelegt, wie viel geerntet werden kann. Vorgeschlagen sind 5,9 Festmeter pro Hektar und Jahr. Generell wird bei dieser Planung auf Nachhaltigkeit geachtet - in jedem Jahr soll nicht mehr Holz geerntet werden, als im gleichen Zeitraum nachwächst. Aus den Vorgaben des Forsteinrichtungswerkes werden später die Vorgaben für den jährlichen Forstwirtschaftsplan erarbeitet.

In den politischen Gremien gibt es Unsicherheiten über die Art der weiteren Beratungen des neuen Forsteinrichtungswerkes. Eine Gesprächsrunde mit Stadtverordneten und Experten zur Klärung offener Fragen hat bereits stattgefunden, ein zweites Treffen soll noch folgen.

Noch nicht genau entschieden sei der weitere Weg der Beratungen, sagt Rathaus-Pressesprecher Jonathan Vorrath auf Anfrage. Klar sei aber, dass am Ende des Verfahrens der neue Plan von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werde. bt

Mit diesem Thema kämpft die Stadt seit Jahren; angesprochen wird es immer wieder auch dann, wenn es um die Zertifizierung des Stadtwalds geht. Im Jahr 2020 hatte die Stadt bei der Zertifizierung darauf hingewiesen, dass durch geänderte Jagdpachtverträge und andere Maßnahmen versucht werde, höhere Abschussquoten zu erreichen. Die Zertifizierer haben sich damit zufriedengegeben, in den letzten Bericht aber geschrieben, dass dies bei den nächsten Zertifizierungen weiter beobachtet werden soll. Als Problem gilt auch die Muffelwildherde am Staufen; die Stadt ist gefordert, Lösungen vorzuschlagen.

Aufregung um die Zertifizierung hatte es zuletzt gegeben, weil das Papier im vergangenen Jahr zunächst nicht wieder ausgestellt worden war. Dies verringert die Möglichkeiten der Stadt, Holz zu guten Preisen zu verkaufen. Begründet wurde die Verweigerung unter anderem damit, dass ein Zehnjahresplan ebenso fehle wie eine brauchbare Buchführung über eingeschlagene Holzmengen. Dagegen wurde das FSC-Siegel auch nach dem Auslaufen bei der Holzvermarktung beendet.

Die Mängel wurden inzwischen zwar behoben, so dass das Zertifikat wieder ausgestellt werden konnte. Die politische Aufarbeitung steht aber aus - das Auslaufen des Siegels hatten die Stadtverordneten nicht erfahren; bis heute gibt es dazu keine offiziellen Unterlagen aus dem Hofheimer Rathaus. Eine Anfrage der Linken zum Thema vom Juni blieb ebenfalls unbeantwortet.

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