Hofheim

Naturnah wohnen an der Römerallee

  • vonJürgen Streicher
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Stadtplaner präsentieren Ideen für ein Baugebiet mit 1400 Wohnungen am Feldrand. Offiziell heißt das als „Marxheim II“ geplante umstrittene Quartier jetzt „Römerwiesen“.

Das Stichwort „Marxheim II“ polarisiert in Hofheim, vor allem in jenem Ortsteil an der Feldkante zwischen Stadt und Autobahn. Seit zwei Jahren arbeiten Befürworter eines neuen Wohngebietes am Ortsrand von Marxheim an der Idee, Wohnraum für rund 3100 Menschen zu schaffen. Nun hat das beauftragte Büro für Städtebau und Stadtplanung einen ersten Rahmenplan vorgelegt.

Die Ideen für die Zukunft wurden auch in einer Art virtuellen Bürgerversammlung via Live-Stream vorgestellt. Wer am heimischen PC dabei war, konnte in einem Chat Fragen stellen und Meinungen kundtun. Als „Hybrid-Veranstaltung“ mit 200 Menschen in der Stadthalle war die Premiere vorgesehen, die aktuelle Corona-Entwicklung hat zur kurzfristigen Änderung der Strategie geführt.

„Marxheim II“ ist zum Reizwort geworden, der für Verkehrs- und Stadtplanung zuständige Stadtrat Wolfgang Exner (CDU) mag es schon gar nicht mehr aussprechen. Ein paar Mal rutscht es ihm bei der Vorstellung des Rahmenplans dennoch heraus, der nun offizielle Namen für das neue Wohnquartier lautet „Römerwiesen“. Das klingt freundlicher, der Name nimmt Bezug auf die Historie des Areals. Bei archäologischen Grabungen wurden Hinweise auf ein einstiges römisches Feldlager gefunden. Also gibt es in den vorgelegten „vorbereitenden Untersuchungen für eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme“ eine „Römerallee“, die das 30 Hektar große Plangelände von Nord nach Süd durchzieht. Sie könnte einst „zentrale Flaniermeile“ für die zukünftigen Bewohner sein, heißt es von Planerseite.

Verankert sind auch Begriffe wie Dorfanger und Grüner Anger, Streuobstwiese, grüne Blickachsen und Quartiersgärten, unbedingt soll die Vision von einem Wohngebiet mit naturnahem Charakter vermittelt werden. Grün, ökologisch hochwertig, vielfältig. Mit vielen „Freiräumen für Begegnungsflächen“, Wasserspielen am Dorfplatz und einem „sanften bepflanzten Übergang“ von der bestehenden Bebauung zu den Römerwiesen.

1400 Wohnungen für 3100 Einwohner, Nahversorgungszentrum und Kindergarten, Eisdiele und Orte mit „Verweilqualität“, eine „Randstraße“ am Feldrand zum Anfahren der Wohnbereiche, eine „grüne Fuge“ als Trennlinie zu Marxheim 1. Dort soll es keine Einfahrtsmöglichkeiten für Autos geben, gleichwohl gehe es nicht darum, das „Quartier autofrei zu halten“, sagt Wolfgang Exner. Es sind erste Eckdaten, die in den nächsten Jahren entwickelt werden müssen. Möglichst viel im Dialog mit den Bürgern, wie beim „Markt der Ideen und Meinungen“ zum Auftakt vor zwei Jahren, zu dem 400 Menschen zusammenkamen. Den Rahmenplan sehen Planungsbüro und Stadtplaner im Rathaus als ersten „Meilenstein“, bis die Bagger anrollen, werden wohl noch einige Jahre vergehen.

Stadtrat Exner rechnet mit mehreren Schritten bei der Entwicklung, mit ungefähr 120 Grundstückseigentümern muss nun verhandelt werden. Mehrere Bauträger sollen ein „vielfältiges Wohnquartier schaffen, in dem jeder seinen Platz findet“, so der Stadtplaner Torsten Becker. Mit dabei die Hofheimer Wohnungsbau GmbH. Der Rahmenplan zeigt eine lockere Bebauung an der Grenze zu Marxheim 1 mit zweigeschossigen Bauten, zur Randstraße hin könnten es auch drei- bis viergeschossige Blöcke plus Staffelgeschoss werden, beim Nahversorgungszentrum bis zu fünf Geschosse.

Die Bürgerinitiative „Feld statt Beton – Stoppt Marxheim II“ hatte bei Bekanntgabe der virtuellen Bürgerversammlung umgehend Kritik geübt. Die Kritik richtete sich gegen die kurze Frist bei der Ansetzung, vermeintlich „vorsortierte Chat-Anfragen“ und die komplizierte Technik, die viele Menschen von der Teilnahme ausblende. Vorwurf der BI: Hofheim nutze die Coronakrise, um eine „wirklich aufrichtige Bürgerbeteiligung zu umgehen“.

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