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Nächstes Jahr fehlen 300 Betreuungsplätze

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Magistrat legt Entwicklungsplan vor - Neue Grundlage der Berechnung

Hofheim - Die Stadt steckt jährlich 11,5 Millionen Euro in den laufenden Betrieb der Kindertagesstätten in Hofheim, einschließlich der eigenen, kirchlichen und anderen Einrichtungen. Dass diese Zahl künftig noch steigen wird, liegt nicht nur an den allgemeinen Kostensteigerungen. Sondern es müssen viele zusätzliche Betreuungsplätze geschaffen werden - und das zügig. Um 250 Plätze werde es vermutlich gehen, so Stadtrat Bernhard Köppler, der zuständige Dezernent im Magistrat, bei einer gemeinsamen Sitzung von Sozial- und Finanzausschuss.

Dort stand der neue Entwicklungsplan für die Kinderbetreuungseinrichtungen zur Beratung an, den der Magistrat unlängst vorgelegt hat. Freilich ist der offensichtliche Nachholbedarf nicht der große Streitpunkt unter den Parlamentariern. Vielmehr gab es massive Kritik seitens der Linken an der Vorgehensweise des Magistrats, und die konnte auch nicht vollständig entkräftet werden. Irritiert sind auch einige, dass das Problem plötzlich so groß geworden ist.

Zahlen mit großer Unsicherheit behaftet

Dabei kann es noch heftiger kommen als von Köppler vermutet. Nach dem Plan fehlen im nächsten Kindergartenjahr 182 Plätze für Kinder unter drei Jahren, 114 weitere für Kinder ab drei Jahren. Zusammen sind das rund 300. Köppler betonte aber, dass solche Zahlen immer mit großen Unsicherheiten behaftet sind. Keiner weiß, wie viele Kinder in den nächsten Monaten nach Hofheim ziehen oder die Stadt verlassen. Und wie viele Kinder mit Behinderungen betreut werden. Für jedes dieser Kinder bleiben fünf Plätze in der Gruppe frei.

Fakt ist, dass die Situation im Sommer des vergangenen Jahres ganz anders ausgesehen hat. Damals wurden für das kommende Kindergartenjahr 66 fehlende Plätze bei Kindern unter drei Jahren vorhergesagt, bei den Kindern ab drei Jahren wurde mit zehn fehlenden Plätzen gerechnet. Dabei sah es in manchen Stadtteilen nach einem Überangebot aus, in anderen fehlten Plätze. „Wir haben nirgendwo einen Überhang, es muss überall etwas passieren“, so die Grünen-Stadtverordnete Christa Katzenbach.

Etwa 75 fehlende Plätze also im nächsten Jahr nach der früheren Prognose, etwa 250 dagegen nach aktueller Berechnung - das ist schon ein beachtlicher Unterschied. Man habe die Berechnungsmethode geändert, erläuterte Jörg Fichtl, im Rathaus für die Kinderbetreuung zuständig. In der Vergangenheit wurde vor allem mit den Daten des Einwohnermeldeamtes gearbeitet. Dem neuen Plan liegen die Wartelisten der einzelnen Einrichtungen zugrunde; dazu wurde versucht, Neubaugebiete zu berücksichtigen und eine kleine Zahl von Umzügen einzukalkulieren. „Der Fehlbedarf ist nicht in einem halben Jahr zustande gekommen, sondern hat sich nach und nach aufgebaut“, so Fichtl. „Das ist aber an uns vorbei gegangen.“ Mehr wurde dazu nicht gesagt - durch Vergangenheitsbewältigung wird kein einziger Betreuungsplatz geschaffen. Der Blick soll mehr in die Zukunft gerichtet sein.

Keine Mehrheit für Anträge der Linken

Die Linken kritisieren, der Magistrat habe den Auftrag des Parlaments nicht erfüllt, Prognosezahlen für einen längeren Zeitraum abzuliefern. Diesen Auftrag jetzt zu erneuern, dafür fand sich keine Mehrheit. Ebenfalls keine Mehrheit gab es für den Antrag der Linken, einen konkreten Maßnahmenplan vom Magistrat zu verlangen. Dass der Magistrat bei der Vorstellung aller Einrichtungen in dem Plan auch jeweils angemerkt hatte, welche Ausbaureserven es gibt, ersetzt einen solchen Maßnahmenplan jedenfalls nicht. Stadtrat Köppler räumte ein, dass manche dieser Möglichkeiten in Wahrheit gar keine sind, weil sie zum Beispiel wegen absehbarer Brandschutzauflagen gar nicht umgesetzt werden können.

Auf mehr Tempo drängen aber nicht nur die Linken und die Grünen-Stadtverordnete Katzenbach. „Wir müssen etwas machen, statt nur auf Ausbaureserven hinzuweisen“, so auch Birgit Krämer (CDU). Immerhin: Eine Reihe von Maßnahmen, die in Vorbereitung sind, werden in dem Plan schon erwähnt. Nicht vermerkt, aber fest im Blick ist der Bau einer neuen Kindertagesstätte am Thüringer Weg. Angemerkt wurde dazu auch, dass eigentlich eine provisorische Zwischenlösung gebraucht wird, weil ein Kindergarten nicht in wenigen Monaten gebaut werden kann. Schon deshalb wollen die Parlamentarier am Thema bleiben - der Entwicklungsplan wurde vertagt.

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