1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Taunus-Kreis
  4. Hofheim

Musikschule in Not

Erstellt:

Kommentare

Musikschulchef Sven Müller-Laupert hofft auf neue Räume und wünscht sich erstmal neue Stühle. schmidt
Musikschulchef Sven Müller-Laupert hofft auf neue Räume und wünscht sich erstmal neue Stühle. schmidt © babs

Räume und Stühle fehlen / Niedrige Belegungszahlen

Hofheim - Die Musikschule Hofheim wird im kommenden Jahr. 50 Jahre alt. Für Geschäftsführer Sven Müller-Laupert ein guter Anlass, nicht nur zurück, sondern auch nach vorn zu schauen. Vor so einigen Herausforderungen sieht Müller-Laupert die von der Stadt und dem Volksbildungsverein als Gesellschaftern getragene Einrichtung.

Die Corona-Pandemie habe dafür gesorgt, dass manches "auseinandergefallen" sei. So steht die Musikschule vielfach - vor allem bei den Ensembles - vor einem Neuanfang. Das Fehlen von zwei Schuljahren und damit der Möglichkeit, dass Nachwuchs in das gemeinsame Musizieren hineinwachsen konnte, sei genauso spürbar wie die Auflösung von Netzwerken, die zuvor lange Bestand gehabt hatten.

Fluktuation gab's auch im Kollegium. Honorarkräfte seien mittlerweile deutlich schwerer zu bekommen, sagt Sven Müller-Laupert. Das liege auch an der Unsicherheit solcher Arbeitsverhältnisse, die in der Pandemie ganz besonders offensichtlich geworden ist. In den beiden nahezu brot- und aufführungslosen Jahren hat mancher freischaffende Musiker sich nach einem anderen Job umgesehen und auch in den Hochschulen mangle es an Nachwuchs. Deshalb zählt zu den aktuellen Herausforderungen für den Musikschul-Chef auch, genügend Lehrkräfte zu finden.

Neustart für das Singen mit Kindern

Die Belegungszahlen bleiben aktuell noch deutlich hinter den Vor-Corona-Jahren zurück. In 2022 seien es im Zweiten Quartal 1700 gewesen, sagt Geschäftsführer Müller-Laupert. "Da sind wir von den 2300 im Vergleichszeitraum von 2018 noch ein Stück weg."

Damit im Jubiläumsjahr wieder mehr Schwung in die Sache kommt, will die Musikschule die Ensemble-Arbeit gezielt stärken. "Wir wollen wieder in den Vordergrund rücken, wofür die Musikschule vor allem da ist", sagt Müller-Laupert. So gibt es am 12. September einen Neustart für das "Singen mit Kindern". Das sei mehr als die klassische Kinderchor-Arbeit, erläutert Müller-Laupert. Auch Bewegung etwa gehöre zu diesem Angebot, das in der Bodelschwingh-Schule immer montags von 15.45 Uhr an stattfinden soll. Zielgruppe sind Grundschulkinder, die Leitung liegt bei Lena Schmid, die auch eine Musikalische Früherziehung in sechs Hofheimer Kindertagesstätten anbietet. Schmidt gehört zu den wenigen fest angestellten Mitarbeitern der Musikschule, die nach wie vor überwiegend mit Honorarkräften arbeitet.

50 JAHRE MUSIKSCHULE HOFHEIM

Am 26. Februar 1973 wurde die Musikschule Hofheim unter dem Dach des Volksbildungsvereins gegründet. Die Biologin und Geigerin Dr. Gerda Zimmermann (1926 - 2013) hatte sich mit der Pianistin Gisela Frank für die Neuerung eingesetzt. Zimmermann übernahm ehrenamtlich auch die Leitung für die ersten 12 Jahre.

Erster hauptamtlicher Schulleiter wurde dann Ralf Otto. Ihm folgte 1989 Hans-Georg Dechange. 2008 wurde die Leitungsverantwortung zwischen Dechange und Sven Müller-Laupert geteilt. 2016 wurde aus der Musikschule eine gGmbH, mit dem Volksbildungsverein und der Stadt Hofheim als Gesellschafter, seither ist Sven Müller-Laupert alleiniger Geschäftsführer.

Das 50-jährige Bestehen soll im kommenden Jahr mit einem Festtag am Gründungstag und verschiedenen Konzerten gefeiert werden. Die Planungen laufen, nach den Sommerferien werden auch die ersten Proben beginnen. babs

Ein Thema schon beim 25-jährigen Bestehen zählt auch ein Vierteljahrhundert später noch zu den anstehenden Herausforderungen: Der Wunsch nach mehr bedarfsgerechtem Raum für die Musikschule - und das in zentraler Lage - ist nach wie vor offen. In den Schulen werde durch den Ausbau des Betreuungsangebots der Platz verstärkt selbst gebraucht, weiß Müller-Laupert.

Sehr dankbar sei man über die Möglichkeiten im Kellereigebäude, doch was andere Vereine aufgrund eigener Corona-Beschränkungen dort an Raum zur Verfügung stellen konnten, werde von ihnen wohl über kurz oder lang selbst wieder benötigt werden. Im Pfälzer Hof, Musikschul-Domizil seit den 1990er Jahren, reicht der Platz nicht. Sanierungsbedarf gibt es wohl auch.

Für Müller-Laupert immerhin positiv: Das Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Wiesbaden, das auch für die Musikschulen zuständig ist, habe endlich mal das Finanzierungsthema in den Blick genommen. Ob und wie es hier mehr Hilfen gibt, ist aber noch nicht klar.

Da neue Räume noch immer ein Traum sind und als Geburtstagswunsch wohl unerfüllt blieben, hat sich die Musikschule für etwas leichter zu Realisierendes entschieden: Sie möchte zum Jubiläum gern 150 neue Stühle anschaffen, die beim Musizieren ein ergonomisch richtiges Sitzen ermöglichen. 30 000 Euro werden dafür gebraucht. Deshalb soll bereits im September eine große Spendenaktion gestartet werden. Werbung will die Musikschule dafür auch am Weinstand des Vereinsrings machen, den sie am zweiten Septemberwochenende betreibt.

Spenden darf man auch schon früher und zwar auf das Konto der Musikschule Hofheim gGmbH mit der IBAN DE82 5019 0000 6201 8609 79.

Auch interessant

Kommentare