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Kunstverein lässt sich nicht unterkriegen

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Sie hat ein ebenso spannendes wie anspruchsvolles Ehrenamt: Die Lorsbacherin Birgit Müller-Muth ist seit vier Jahren Vorsitzende des Hofheimer Kunstvereins. FOTO: knapp
Sie hat ein ebenso spannendes wie anspruchsvolles Ehrenamt: Die Lorsbacherin Birgit Müller-Muth ist seit vier Jahren Vorsitzende des Hofheimer Kunstvereins. © Knapp

Birgit Müller-Muth und ihr Team stellen immer wieder Beachtliches auf die Beine

Hofheim - Als Birgit Müller-Muth im April 2018 in der Nachfolge von Gerhard Marquordt zur neuen Vorsitzenden des Kunstvereins gewählt wurde, hat sie nicht geahnt, welche Herausforderungen die kommenden Jahre bringen würden. Eine Pandemie hatte damals schließlich niemand auf dem Schirm. Die Lorsbacherin und ihr Vorstandsteam haben sich aber nicht unterkriegen lassen. Und erst jüngst mit Roederstein-Kennerin Barbara Rök wieder eine Veranstaltung auf die Beine gestellt, die dem Verein ein übervolles Haus bescherte.

Dass Kunst in Hofheim einen gewissen Stellenwert und ein interessiertes Publikum hat, daran hat der Kunstverein seinen Anteil. Seit 56 Jahren schon bietet er ein attraktives Programm und eine Plattform zum Diskurs, der auch gern mal politisch werden darf. Birgit Müller-Muth ist, wie die meisten, über Veranstaltungen wie den „Freitagabend im Museum“ zur Mitgliedschaft im Kunstverein gekommen. Für die Mitarbeit ist sie dann angesprochen worden. In der Literatursparte sei damals „händeringend“ jemand gesucht worden, erinnert sich die Literaturwissenschaftlerin und Theaterpädagogin, die einige Zeit Lehrerin an der Main-Taunus-Schule war und 2012 in die Lehrerfortbildung wechselte. Sie zählt zu den Stärken des Kunstvereins, dass er seinen Namen weit auslegt und längst nicht nur die bildende Kunst im Blick hat. Neben dieser und der Literatur gehörte von Anfang an auch die Musik zu den Sparten, Fotografie und Architektur kamen etwas später hinzu.

Bürgermeister Werner Schwichtenberg soll den Verein vor seiner Gründung noch grantelnd für „überflüssig“ erklärt haben, weil sich doch bereits andere Vereine auch um diese Bereiche kümmerten. Schnell hat der Kunstverein dieses Vor-Urteil widerlegt, Allerdings würde seine aktuelle Vorsitzende es schon gut finden, wenn sich alle, die sich in der Kreisstadt im Kunst- und Kulturbereich tummeln, über ihre Veranstaltungsplanung regelmäßig austauschten und abstimmten. „Ich gehe doch nicht an zwei Abenden hintereinander zu einer Lesung“, habe ihr mal eine an sich sehr interessierte Hofheimerin gesagt, nennt Müller-Muth ein Beispiel, das gut zeigt, warum es Sinn machen könnte, ähnliche Angebote nicht gerade am selben Wochenende anzusetzen.

HISTORISCHES

„Wisst ihr was? Wir gründen einen Kunstverein!“ Schon legendär ist der Ausruf, mit dem der Maler Hermann Haindl bei einem Abend in der Fotoschule Hoepffner die Initialzündung gegeben hat für die Geburtsstunde des Kunstvereins. Die schlug 1966.

Neben Hermann Haindl und seiner Frau Erika gehörte etwa auch die Musikpädagogin Gisela Frank zu den Gründungsmitgliedern, Hanna Bekker vom Rath wurde direkt zum Ehrenmitglied ernannt. Der Verein engagierte sich unter anderem für ein Stadtmuseum und arbeitete mit an dessen Konzeption. Zahlreiche eigene Veranstaltungen lockten rasch ein interessiertes Publikum.

Seit 2018 ist Birgit Müller-Muth Vorsitzende, Christine Lennartz ihre Stellvertreterin. Ein Arbeitskreis unterstützt den Vorstand bei der Programmplanung. Mehr unter www.kunstvereinhofheim.de babs

Alles ehrenamtlich - bis hin zum Vorverkauf

Konstante Mitgliederzahlen kann der Kunstverein im Grunde seit Jahrzehnten vorweisen, rund 330 Menschen tragen mit ihren Beiträgen derzeit die Arbeit. Die Vorsitzende schätzt die Möglichkeiten, die der Verein biete, „interessante Themen anzupacken und interessante Leute hierherzuholen“. Das, räumt sie ein, sei „nicht ganz einfach mit dem Budget. Aber dass es immer wieder gelingt, ist gut.“ Als „sehr hilfreich“ lobt Müller-Muth die Unterstützung der Stadt in den harten Corona-Jahren, als die Stadthalle kostenfrei zur Verfügung gestellt worden sei.

Beim Kreisstadtsommer sei es dann auch die Stadt gewesen, die beim Kunstverein nachgefragt habe, ob er etwas beitragen könne. Drei Veranstaltungen habe man „aus dem Boden gestampft“, im Wasserschloss gab es ein Konzert, den Poetry-Slam gemeinsam mit der Kulturwerkstatt und Kurzfilme. „Wir hängen uns da alle rein“, lobt die Vorsitzende ihr Team, das ja alles ehrenamtlich mache, bis hin zum Kartenvorverkauf, für den kein Drittanbieter eingeschaltet wird, so dass den Besuchern eine Vorverkaufsgebühr erspart werden kann. Doch während im vergangenen Sommer die Stadt nicht nur das Wasserschloss, sondern auch die nötige Infrastruktur vom Stühle-Stellen bis zur Beschallung gestellt habe („das war paradiesisch“), musste der Verein in diesem Jahr lernen, dass nun ein Unterschied gemacht wird, ob die Stadt quasi „bestellt“ oder der Verein von sich aus etwas im Rahmen des Kreisstadtsommers anbietet. Ein Konzert umzusetzen, sprenge dann doch schnell die finanziellen und kräftemäßigen Möglichkeiten, resümiert die Vereinsvorsitzende. Da müsse man künftig genau hinschauen, wie die Bedingungen seien und was gehe.

In diesem Jahr wird es noch einige besondere Veranstaltungen geben. So hat sich der Kunstverein erstmals mit der Stadtbücherei als Projektpartner zusammengetan. Allerdings hat die Stadt die für Mittwoch, 28. September, seit langem geplante „Lichtperformance“ am Neubau der Bücherei mit dem Graffiti-Künstler Helge „Bomber“ Steinmann mit Blick auf die Energiekrise am Freitag kurzfristig abgesagt. „Wir hoffen jetzt auf eine faire Lösung mit den Künstlern“, so Müller-Muth gestern.

Gemeinsam mit der Kulturwerkstatt und der Stadtbücherei ist im November ein Märchen-Event geplant. Dazu sollen Kinder kostenfreien Eintritt haben. In Vorbereitung ist außerdem gerade die „2. Taunus-Kunst-Triennale“, die mit Unterstützung des Kunstvereins vom 27. November an im Stadtmuseum läuft. Die Resonanz sei mit „an die 80 Einreichungen“ von Künstlern aus der Region groß. Für Müller-Muth lauter Beispiele, was an Potenzial drinsteckt, wenn Stadt und Vereine Hand in Hand arbeiten - für Hofheim, für die Bürger.

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