Hofheim

Kritik an virtueller Bürgerversammlung

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Der Rahmenplan für das umstrittene Baugebiet im Südosten von Marxheim wurde wegen Corona per Livestream im Internet vorgestellt. Die Initiative „Feld statt Beton“ glaubt, das Kritiker durch das virtuelle Format mundtot gemacht werden sollten.

Schon vor der Bürgerversammlung zum umstrittenen Neubaugebiet Marxheim II, die Ende vergangener Woche wegen der Corona-Pandemie ausschließlich per Livestream im Internet verfolgt werden konnte, hatte die Initiative „Feld statt Beton“ heftig Kritik an dem virtuellen Format geübt. Sprecher der BI, die die Bebauung der Äcker und Streuobstwiesen verhindern will, ist Helmut Kornmann. Er äußerte Unverständnis darüber, „dass die Bundesregierung ein ganzes Land in den Teil-Lockdown schickt und die Hofheimer Verwaltung dennoch ihre Vorstellung organisiert mit einer Zugangstechnik, die selbst für versierte Bürger im Moment noch nicht nachvollziehbar ist.“ Von Bürgerbeteiligung könne keine Rede sein.

Das Baugebiet

Das Neubaugebiet „Römerwiesen“ (bisher Marxheim II) erstreckt sich am südöstlichen Ortsrand von Hofheim in Richtung A 66.

Das 30 Hektar große Areal wird zurzeit landwirtschaftlich genutzt.

Der Rahmenplan sieht 15,5 Hektar Nettobauland vor, sieben Hektar sollen Grünflächen werden, acht Hektar Verkehrsflächen.

Bis zu 1400 Wohneinheiten sind möglich. Daraus errechnet sich eine Einwohnerzahl von 3100 Menschen. www.hofheim-roemerwiesen.de

Nach der Präsentation des Rahmenplanes für das Baugebiet, das nunmehr den Namen „Römerwiesen“ trägt, fühlt sich Kornmann in seiner Befürchtung bestätigt. Er spricht von einem „Sammelsurium an Superlativen“, das Stadtplaner Torsten Becker, Erster Stadtrat Wolfgang Exner und Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler (beide CDU) an dem Abend vorgetragen hätten. Wichtige Themen wie Finanzierbarkeit, Verkehrskonzepte oder der Erhalt landwirtschaftlicher Flächen seien in dem Vortrag nicht angesprochen worden. „Für Bürgerinnen und Bürger, die den Livestream verfolgt haben, war die Kommentarfunktion ausgeschaltet“, bedauert Kornmann. Die Fragen seien nach Belieben ausgewählt und von der Moderatorin ohne Namensnennung vorgetragen worden. „Kritische Stimmen wie etwa Mitglieder der BI wurden erst gar nicht eingeladen.“ Offenbar wolle man den Rahmenplan ohne weitere Bürgerbeteiligung noch im Dezember im Parlament beschließen, befürchtet Kornmann.

Das angewandte Format sei vom Frankfurter Büro Kokonsult, das den Beteiligungsprozess begleitet, empfohlen worden, teilte Rathaussprecherin Iris Bernardelli auf Anfrage mit und räumte ein: „Vor dem Hintergrund der aktuell geführten Diskussion würde man bei einer nächsten Veranstaltung vielleicht ein anderes Format oder eine Erweiterung der Beteiligungsmöglichkeit wählen.“ Das Interesse der Bürgerinnen und Bürger ist jedenfalls groß: Der Videostream wurde bisher fast 1300 Mal angeklickt. Rund 160 Fragen und Anregungen sind eingegangen.

Dass der Rahmenplan für das Baugebiet „Römerwiesen“ noch in diesem Jahr verabschiedet wird, ist laut Bernardelli nicht zu erwarten. Ortsbeiräte und Parlament müssten erst noch tagen. „Und es sind viele Aspekte durch die Beteiligung hinzugekommen, die es nun aufzuarbeiten gilt.“

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