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Hermann Haindl bei der Ausstellung "Reflexionen" zu seinem 85. Geburtstag in der Stadtgalerie Bad Soden 2012.
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Hermann Haindl bei der Ausstellung "Reflexionen" zu seinem 85. Geburtstag in der Stadtgalerie Bad Soden 2012.

Kunstausstellung

Knorrige Bäume und viel Licht

  • Andrea Rost
    VonAndrea Rost
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Eine Gedächtnisausstellung für den verstorbenen Künstler Hermann Haindl wird im Landratsamt gezeigt. Frühe Werke werden ebenso gezeigt, wie Bilder aus seinem Spätwerk.

Helles Licht fällt durch die Tür, die weit geöffnet ist. „Es ist die Tür zu unserem Wohnzimmer“, sagt Erika Haindl. Auch der Fußboden von Zimmer und Flur des Wohnhauses in der Hauptstraße, in dem sie und ihr Mann Hermann Jahrzehnte lang lebten, seien exakt dargestellt.

Erika Haindl nennt das Bild, das Hermann Haindl nach einem Traum skizziert hat, das „Sterbebild“. Man könne wohl von so etwas wie einer Nahtoderfahrung sprechen, sagt sie. Ihr Mann habe kurz nach dem Traum erfahren, dass er schwer krank sei. Selbst konnte er das Bild nicht mehr fertigstellen Der Kelkheimer Künstler Yuriy Ivashkevich hat es deshalb gemalt. Hermann Haindl sah ihm dabei zu. „Immer wieder wurde etwas verändert, bis er zufrieden damit war.“

Das Bild, das den Titel „Tür weit offen“ trägt, war bereits in der Trauerhalle bei Hermann Haindls Beerdigung im August des vergangenen Jahres zu sehen. Von kommendem Mittwoch, 22. Januar, an, wird es im Landratsamt zu sehen sein. Auf Initiative von Erika Haindl werden vor dem Plenarsaal 40 Gemälde und Zeichnungen aus der gesamten Schaffensperiode ihres Mannes gezeigt. „Mit der Gedächtnisausstellung wollen wir an ein erfülltes Künstlerleben erinnern, aber auch an den engagierten Bürger Hermann Haindl“, sagt Landrat Michael Cyriax (CDU).

Bilder aus fünf Jahrzehnten

Frühe Werke aus den 1960er Jahren sind ebenso dabei wie Bilder aus dem Spätwerk. Nach Angaben von Erika Haindl zieht sich das Motiv des Baumes von Beginn an durch das Kunstschaffen von Hermann Haindl. Besonders die Olivenbäume seiner zweiten Heimat, der Toskana, habe er als stimmiges Symbol für das eigene Älterwerden erkannt. „Sie waren in ihrer Geduld, Ausdauer und Leidensfähigkeit Vorbilder für die eigene Existenz“, sagt die Witwe. Ungewöhnlich sei seine Technik gewesen, die Leinwand mit bestimmten Farben zu präparieren und sie dann dem Einfluss des Wetters zu überlassen.

Die Sucht zu malen überkam den gebürtigen Oberschlesier schon in seiner Jugend. Als Schulversager sei er mit 14 Jahren ans Theater von Kattowitz gekommen und habe dort gelernt, mit Pinsel und Farben umzugehen, erzählte Haindl anlässlich einer Ausstellung im Bad Sodener Badehaus im Sommer 2012. Im Trommelfeuer des zweiten Weltkrieges, in das er 17-jährig geriet und später in der russischen Kriegsgefangenschaft rettete ihm seine Malerei womöglich das Leben. Schwer verletzt kehrte Haindl 1948 zurück und fand Mitte der 1950er Jahre in Hofheim eine neue Heimat, engagierte sich in der örtlichen Kunstszene, gab zusammen mit seiner Frau Erika den Anstoß zur Rettung der Hofheimer Altstadt vor dem Abriss und war Mitbegründer der Grünen Offenen Hofheimer Liste (Gohl). Ab 1950 arbeitete er bei den Städtischen Bühnen in Frankfurt, erst als Bühnenbildner, später als Leiter der Künstlerischen Werkstätten.

Stark beeinflusst haben Hermann Haindl seit Anfang der 1980er Jahre Reisen nach Indien und nach Nordamerika sowie die Auseinandersetzung mit den indianischen Kulturen. Seitdem entfernte sich seine Malerei von der Abstraktion und näherte sich dem Surrealismus an. Hermann Haindl starb im August 2013.

Eröffnet wird die Ausstellung am Mittwoch, 22. Januar, um 19 Uhr von Landrat Cyriax. Dabei führt Peter Lückemeier, Ressortleiter der Rhein-Main-Zeitung der FAZ, in das Werk ein. Außerdem liest Professor Edgar Böhlke Gedanken von Hermann Haindl vor. Hermann Haindl Bilder werden bis 7. Februar gezeigt.

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