Kirchen und Gewerkschaften fordern mehr Geld für Wohnen.
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Kirchen und Gewerkschaften fordern mehr Geld für Wohnen.

Main-Taunus

Mehr Geld fürs Wohnen gefordert

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Der Main-Taunus-Kreis findet die Regelsätze für die Kosten der Unterkunft für Geringverdienende immer noch angemessen. Kirchen und Gewerkschaften sehen das anders.

Seit zehn Jahren sind die Regelsätze für die Kosten der Unterbringung im Main-Taunus-Kreis für Geringverdienende und Menschen, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, unverändert: Sie liegen bei 7,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter beziehungsweise bei acht Euro für größere Wohnungen.

Dies entspreche nicht den realen Mietpreisen im Landkreis, kritisieren die katholische und die evangelische Kirche, der DGB-Kreisverband und Flüchtlingshelfer:innen, die im runden Tisch „Viele Kulturen – eine Zukunft“ zusammenarbeiten. Verschiedene Immobilienportale gingen von einem Durchschnittspreis von zehn Euro aus, sagt Martina Bickmann vom evangelischen Dekanat Kronberg der FR. Einkommensschwache Personen suchten oftmals vergeblich nach Wohnraum im Main-Taunus-Kreis. Migrantinnen und Migranten könnten nicht aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen. Um dem Dilemma zu entkommen, zahlten Hilfeempfänger:innen teilweise selbst den Mietanteil, der über die vom Kreis festgelegten Kosten der Unterkunft hinausgehe, heißt es in einem offenen Brief des runden Tisches. Der auf Existenzsicherung angelegte Teil der Sozialhilfe werde dadurch wesentlich verringert. Vom Main-Taunus-Kreis fordern Kirchen und Gewerkschaft, die Regelsätze für die maximal angemessenen Kosten der Unterkunft an die realen Mietkosten im Landkreis anzupassen. Umliegende Kreise und Städte hätten dies längst getan.

„Wir fordern ein schlüssiges Konzept in Form eines qualifizierten Mietspiegels“, sagt Martina Bickmann. Dies sei vom Gesetzgeber vorgesehen, fehle aber im Main-Taunus-Kreis.

In der Kreistagssitzung Anfang November hatten die Linken beantragt, der Kreisausschuss solle bis Jahresende ein Konzept zu den Leistungen für die Kosten der Unterkunft erarbeiten, das den Anforderungen des Bundessozialgerichtes entspreche. Nur die SPD stimmte zu. Die übrigen Fraktionen lehnten den Antrag ab.

Kreissprecher Johannes Latsch teilte auf Anfrage mit, die 7,50/8-Euro-Werte seien nicht das Einzige, was der Main-Taunus-Kreis bei der Berechnung der Wohnkosten zugrunde lege. Zusätzlich würden Betriebskosten und die Heizkosten in tatsächlicher Höhe berücksichtigt. „Auswertungen einschlägiger Internetportale ergeben regelmäßig, dass Angebote nach unseren Sätzen zu finden sind“, so Latsch. Die Sätze für die Kaltmietpreise seien angemessen, es seien keine Anpassungen nötig.

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