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Der BUND hatte mehr als zehn Jahre gekämpft, um das Biotop im Norden Hofheims zu erhalten.
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Der BUND hatte mehr als zehn Jahre gekämpft, um das Biotop im Norden Hofheims zu erhalten.

Hofheim

Keine Villen auf der Vorderheide

  • Andrea Rost
    VonAndrea Rost
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Der Verwaltungsgerichtshof Kassel hat den Bebauungsplan auf den Streuobstwiesen der Vorderheide für unwirksam erklärt. Ein seltener Gartenvogel hat das Biotop gerettet.

Am Fuße des Steinbergs in der Main-Taunus-Kreisstadt Hofheims dürfen keine Wohnhäuser errichtet werden. Der Bebauungsplan für das Gebiet Vorderheide II ist unwirksam. Das hat der Verwaltungsgerichtshof in Kassel am Mittwochabend entschieden und damit einer Klage des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) stattgegeben. Das geplante neue Wohngebiet am nördlichen Stadtrand liege in einem Bereich, der vom Land als Vogelschutzgebiet für den besonders geschützten Gartenrotschwanz hätte gemeldet werden müssen, begründeten die Richter:innen ihre Entscheidung. Auch fehlten im Bebauungsplan Ausweichhabitate für weitere häufig vorkommende Vogelarten auf den Streuobstwiesen. Die für Gartenrotschwanz und Zwergfledermaus vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen genügten nicht den gesetzlichen Anforderungen, heißt es im Urteil.

Über naturschutzrechtliche Ausnahmeregelungen könnten diese Defizite nicht überwunden werden. Das dafür zwingend erforderliche öffentliche Interesse läge nicht vor, weil der Bebauungsplan mit großzügig geschnittenen Grundstücken vor allem für Einfamilienhäuser den für Bauprojekte in städtischen Gebieten gebotenen sparsamen Umgang mit Grund und Boden vermissen lasse. Daran könne auch der von der Stadt ins Feld geführte hohe Wohnbedarf im Ballungsraum Rhein-Main nichts ändern.

Chronologie

Der Bebauungsplan „Wohngebiet Vorderheide II“ wurde im Oktober 2011 von der Hofheimer Stadtverordnetenversammlung beschlossen.

171 Grundstücke mit 220 Wohneinheiten sind auf einer Fläche von rund elf Hektar vorgesehen. Geplant sind vor allem frei stehende Einfamilienhäuser und Doppelhäuser.

Investor ist die Entwicklungsgesellschaft Hofheim (EGH).

Der Planungsverband hatte 2009 grünes Licht gegeben, nachdem das Baugebiet zwischenzeitlich im Entwurf zum regionalen Flächennutzungsplan aus Umweltgründen gestrichen war. aro

Eine Revision zum Bundesverwaltungsgericht hat der Kasseler Senat nicht zugelassen. Die Stadt Hofheim kann dagegen Beschwerde einlegen. Ob sie das tut, ist offen. Erst nach Vorliegen der schriftlichen Urteilsbegründung könne eine Aussage über die weitere Vorgehensweise getroffen werden, teilte Rathaussprecherin Iris Bernardelli auf Anfrage mit.

Vom Parlament verabschiedet wurde der Bebauungsplan für das elf Hektar große Gebiet Vorderheide II im November 2011. Die Planungen laufen bereits seit Mitte der 1980er Jahre. Die einzige Fraktion, die während der gesamten Zeit gegen eine Wohnbebauung auf den Streuobstwiesen stimmte, waren die Grünen. Drei Anläufe, in eine Regierungskoalition mit der CDU einzusteigen, scheiterten wegen des hartnäckigen Widerstandes gegen das Bauprojekt im Norden der Kreisstadt. Sie sei „absolut begeistert“ vom Urteil des Verwaltungsgerichtshofes, sagte die langjährige ehemalige Grünen-Fraktionschefin Marianne Knöß der Frankfurter Rundschau. Die Planungen für das Villenviertel, die vor 30 Jahren begonnen hätten, seien längst obsolet. „So etwas ist heute nicht mehr zeitgemäß.“

Die Stadt hatte eisern an den Plänen für die Vorderheide festgehalten und mehrfach nachgebessert, um den Bebauungsplan für das neue Wohngebiet für mehr als 600 Menschen „wasserfest“ zu machen. Nachdem der BUND im Herbst 2011 Normenkontrollklage eingereicht hatte, wurde der Umweltbericht komplett neu geschrieben, das Anlegen von Himmelsteichen im angrenzenden Stadtwald und von Nisthöhlen beschlossen, um Fledermäuse von den Streuobstwiesen wegzulocken. Den zuvor gefassten Plan, 40 alte Obstbäume mitsamt Wurzelballen auszugraben und in die nahegelegenen Bauerlöcher Wiesen zu verpflanzen, hatte der hessische Verwaltungsgerichtshof auf Antrag des BUND bereits Ende 2011 gekippt. Den Aspekt des faktischen Vogelschutzgebietes für den Gartenrotschwanz hatte die ganze Zeit über offenbar niemand im Blick.

„Als Prozessbeobachter in Kassel konnte man den Eindruck gewinnen, dass auf der Vorderheide überhaupt nie mit Planungen hätte begonnen werden dürfen“, sagte Detlef Backhaus vom Verein „Lebenswertes Hofheim“ der FR, der seit mehr als zehn Jahren für den Erhalt der Streuobstwiesen kämpft. Wegen des Urteils triumphieren will Backhaus dennoch nicht. „Für uns hat die Natur gewonnen“, sagt der Hofheimer. Der Verein biete der Stadt die Zusammenarbeit an, um das Grüngebiet Vorderheide, das in den letzten Jahren vernachlässigt worden sei, zu revitalisieren.

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