Thilo Rinn mit Rückepferd Idefix im Hofheimer Wald.  
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Thilo Rinn mit Rückepferd Idefix im Hofheimer Wald.

Hofheim

Kampf dem Kirschlorbeer im Hofheimer Wald

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Meterhohe Büsche des exotischen Gehölzes verdrängen in Hofheim heimische Arten. Jetzt wurden sie mit Rückepferden aus dem Wald gezogen.

Die beiden Pferde Idefix und Olix hatten schwer zu schaffen: Tagelang zogen die Tiere zusammen mit Pferderücker Thilo Rinn im Wald oberhalb von Marxheim riesige Kirschlorbeerbüsche mitsamt Wurzeln aus dem Erdreich. Die immergrünen, rasch wachsenden Gartenpflanzen hatten sich an den Ausläufern des Hofheimer Stadtwaldes so stark ausgebreitet, dass das natürliche Gefüge von Flora und Fauna aus dem Gleichgewicht zu geraten drohte.

Der Kirschlorbeer könne auch im tiefsten Dunkel wachsen, weiß Hofheims Revierförster Karlheinz Kollmannsberger. Und er habe keine natürlichen Feinde. „Tiere fressen die Pflanze nicht, sie kann sich ungehindert ausbreiten, wenn man nicht dagegen vorgeht.“

Als sogenannte invasive Art bedrohe der Kirschlorbeer dabei heimische Pflanzenarten. Etwa das Buschwindröschen, das im Frühjahr, wenn die Laubbäume noch blattlos sind, das Licht einfängt. „Der Waldboden fängt dann zu blühen an“, schildert Kollmannsberger. Auch Lichtkeimer wie die Eiche benötigten Helligkeit, um zu keimen und zu wachsen. Das dichte, immergrüne Laub des Lorbeerstrauches verschatte und verdunkele den Waldboden jedoch. „Da kann dann nichts mehr wachsen.“

Invasive Art

Der Kirschlorbeer stammt ursprünglich aus Kleinasien. In deutschen Hausgärten wird er häufig als Hecke oder Solitär gepflanzt.

Als Pflanze , die außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes wächst, kann der Kirschlorbeer heimische Ökosysteme, Biotope oder Arten erheblich gefährden.

Vom Bundesamt für Naturschutz wird der Kirschlorbeer auf der „Grauen Liste“ (Handlungsliste der Europäischen Union) als potenziell invasive Art geführt. aro

Das Ausmaß der Gefahr durch Kirschlorbeer im Wald sei bislang nicht ausreichend erkannt worden, vermutet Kollmannsberger. „Deshalb hat man wohl lange nichts dagegen unternommen.“ Durch Samenflug und achtlos im Wald abgelagerte Grünabfälle sei die Pflanze aus den nahen Hausgärten in den Forst gelangt. Einzelne Büsche, die die Rückepferde jetzt entfernten, seien bereits Jahrzehnte alt und mehrere Meter hoch gewesen. „Wie kleine Bäume“, sagt Kollmannsberger. 150 Kubikmeter an Kirschlorbeergehölz wurden insgesamt aus dem Stadtwald rund um den Sportpark Heide entfernt. Auf einem Areal von sechs Hektar arbeiteten die beiden Rückepferde.

Die Stellen, an denen der exotische Kirschlorbeer wucherte, wurden gekennzeichnet. „Wir wollen beobachten, ob wir die Pflanzen mit dem bodenschonenden Rückeverfahren dauerhaft beseitigen konnten oder ob Wurzeln im Boden geblieben sind, die neu austreiben“, sagt der Förster. Gegebenenfalls müsse dann mit schwerem Gerät nachgearbeitet werden.

Das Pilotprojekt wird von der Unteren Naturschutzbehörde des Main-Taunus-Kreises unterstützt. Ist es erfolgreich, sollen die Rückepferde auch an den Waldrändern im Stadtteil Diedenbergen und am Kapellenberg zum Einsatz kommen. Auch dort wuchere Kirschlorbeer, weiß Karlheinz Kollmannsberger. Außerdem hätten sich Rhododendronpflanzen im Wald ausgebreitet – und die hätten dort ebenfalls nichts zu suchen.

Um der weiteren Verbreitung von invasiven Arten im Wald Einhalt zu gebieten, appelliert Kollmannsberger an Gartenbesitzer, grundsätzlich keinen Grünschnitt im Wald zu entsorgen. Und er regt an, im Hausgarten vermehrt heimische Gehölze wie Liguster, Schneeball, Hartriegel und Feldahorn zu pflanzen.

Der Naturschutzbund geht mit dem Kirschlorbeer besonders hart ins Gericht. Wer ihn pflanze, begehe „ein Verbrechen an der Natur“, schreibt die Umweltorganisation auf ihrer Internetseite. Selbst eine Betonmauer sei ökologisch wertvoller als der Strauch mit den giftigen Blättern. „Auf ihr wachsen mit der Zeit wenigstens Flechten und Moose.“

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