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Der Bahai-Tempel in Langenhain wurde 1964 gebaut.  

Hofheim

Kampf gegen Windräder am Hofheimer Bahai-Tempel

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Die Bahai-Gemeinde, eine Bürgerinitative und das Hofheimer Parlament wollen verhindern, dass wenige Meter vom Haus der Andacht in Langenhain entfernt Windräder aufgestellt werden.

Es herrscht himmlische Stille am Bahai-Tempel in Hofheim-Langenhain. Wie ein riesiger Bienenstock sitzt das Gebäude mit der imposanten weißen Kuppen auf der grünen Wiese am nördlichen Ortsrand. In wenigen Wochen werden Rosen und Lavendel in den Beeten der weitläufigen Parkanlage rund ums Haus der Andacht blühen. Die Wege dazwischen sind bereits saubergemacht. Neun Eingänge führen ins Innere des Rundbaus, wo das Licht durch 540 rautenförmige Fenster fällt und die 28 Meter hohe Kuppel erstrahlen lässt.

Als „Ort, um individuell und kollektiv zur Ruhe zu kommen, sich zu besinnen und zu meditieren“ beschreibt Tempel-Direktorin Karin Dimitriou den Bahai-Tempel. Das Haus der Andacht sei für alle Menschen offen. In Corona-Zeiten kämen besonders viele Besucher, um für ein paar Minuten innezuhalten. „Es soll für Menschen aller Religionen eine Oase der Ruhe sein.“

Doch diese Funktion ihres Langenhainer Tempels sieht die Bahai-Gemeinde gefährdet. In gerade einmal einem Kilometer Entfernung Richtung Norden könnten auf dem Judenkopf Windräder gebaut werden. Zumindest sind dafür bislang zwei Flächen im Teilplan erneuerbare Energien als so genannte Weißflächen ausgewiesen. Das heißt nicht, dass dort Rotoren aufgestellt werden, ausgeschlossen ist es aber nicht. In einem Planänderungsverfahren wird darüber nochmals gesondert entschieden.

Bahai

Die Bahai-Religion wurde 1852 in Persien von Baha’u‚llah gestiftet . Weltweit gibt es mehr als sieben Millionen Gläubige. In Deutschland hat die Bahai-Gemeinde rund 6000 Mitglieder.

Das Haus der Andacht in Hofheim-Langenhain wurde 1964 eingeweiht. Es ist der einzige Bahai-Tempel in Europa und seit 1987 Kulturdenkmal. Pro Jahr werden 30 000 Besucher gezählt. aro

Die Geräusche der Windräder und ihre Schlagschatten würden die Funktionalität des Tempels massiv einschränken, befürchtet Karin Dimitriou. Die im Grundgesetz garantierte freie Ausübung der Religion wäre dann für die Bahais nicht mehr gewährleistet, sagt sie. Die Langenhainer Gemeinde hat sich bereits vor geraumer Zeit an Hessens Wirtschaftsministerium gewandt, um diesen Widerspruch aufzuzeigen und auch um darauf hinzuweisen, dass das Haus der Andacht seit Mitte der 1980er Jahre als Kulturdenkmal ausgewiesen ist. Aus den Plänen gestrichen wurde die Fläche für Windräder trotzdem nicht. Daran konnte auch die Initiative Gegenwind Hofheim bislang nichts ändern, die seit Jahren dagegen kämpft, dass Rotoren im Westen von Hofheim aufgestellt werden, und mit ihrem Protest gegen Windenergie-Vorranggebiete in den Ortsteilen Wildsachsen und Bremthal auch Erfolg hatte.

Rechne man die Höhe des Judenkopfes mit ein, so würden die dortigen Windkraftanlagen den Bahai-Tempel am Ende um gut 320 Meter überragen, sagt BI-Sprecher Olaf Bertko der FR. Mit der Spiritualität des Gebetshauses, dessen Fensterfront rundum laufe und den Blick in alle Himmelsrichtungen freigebe, sei das nicht in Einklang zu bringen, so sein Argument.

Gegen den Bau von Windrädern nördlich des Bahai-Tempels hat sich vor kurzem auch der vom Hofheimer Parlament in Corona-Zeiten eingesetzte Sonderausschuss ausgesprochen. Eine entsprechende Stellungnahme soll im Zuge der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung bis zum 12. Juni ausgearbeitet werden. Die Offenlage des geänderten Teilplanes sei für November 2020 bis Januar 2021 vorgesehen, teilte Ministeriumssprecherin Franziska Richter auf FR-Anfrage mit.

Im kommenden Jahr soll dann ein endgültiger Beschluss darüber gefasst werden, ob bislang als Weißflächen ausgewiesene Areale zu Vorrang- oder Ausschlussflächen für Windenergie werden. Zwei Prozent der hessischen Staatsfläche sollen insgesamt für den Bau von Windkraftanlagen vorgesehen werden.

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