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Ins Pflegeheim wollen die Wenigsten

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Ingrid Schulz im Gespräch mit einem Hofheimer, der sich wegen des Mangels an altersgerechten Wohnmöglichkeiten an sie gewendet hat.
Ingrid Schulz im Gespräch mit einem Hofheimer, der sich wegen des Mangels an altersgerechten Wohnmöglichkeiten an sie gewendet hat. schmidt © babs

Wenn das Haus zu groß geworden ist / In Hofheim fehlen seniorengerechte Wohnungen

Hofheim - Alle rufen nach mehr Wohnraum. Wirklich alle? „Ich möchte eigentlich weniger haben“, sagt Harald Schwarz, der in Wirklichkeit anders heißt, aber gern anonym bleiben möchte. Aufmerksam machen auf sein Problem will er indes. Und wird dabei von der Seniorenbeiratsvorsitzenden Ingrid Schulz vehement unterstützt.

„Wir haben viel zu wenig Angebot an adäquatem Wohnraum für Menschen wie Herrn Schwarz“, sagt Schulz. Immer heiße es nur von der Politik, der Kreis sei mit Pflegeheimplätzen ausreichend versorgt. Doch nicht nur Ingrid Schulz, auch die Seniorenberater der Stadt kennen den Haken: Die allermeisten Menschen möchten in ihrer näheren Umgebung, auf jeden Fall aber in der Kommune bleiben, in der sie schon lange leben. Und denken gar nicht direkt an einen Heimplatz, sondern möchten lieber selbstbestimmt bleiben.

Alternative fehlt

Das geht auch Harald Schwarz nicht anders. „Seit dem 7. Dezember 1981 wohne ich in Hofheim“, sagt der 84-Jährige, der durch seine Lebensgefährtin und die Arbeitsstelle bei den Farbwerken ins Rhein-Main-Gebiet kam. Die Frau an seiner Seite ist schon vor einiger Zeit verstorben. Seitdem lebt der alte Herr, der keine eigenen Kinder hat, allein in einem Reihenhaus. „Für mich ist das zu groß“, findet er. Und auch, wenn er derzeit noch keine Probleme mit den Treppen habe - „das kann sich schnell ändern“, weiß der Hofheimer.

ANGEBOTE

Ende Dezember lebten 11 556 Menschen im Alter ab 60 Jahren in Hofheim. Das sind bei einer Gesamteinwohnerzahl von 41 232 Personen (Haupt- und Nebenwohnsitze) 28,03 Prozent der Bevölkerung.

In der Kernstadt gibt es verschiedene Wohn- und Pflegeeinrichtungen. Das Martha-Else-Haus in der Staufenstraße bietet 51 Plätze, im Bau sind 14 Wohnungen für ein eigenständiges Wohnen mit Betreuungsmöglichkeit. Das Pflegeheim Doreafamilie im Schwarzbachweg 4 bietet 92 Einzel- und 7 Doppelzimmer. Die Seniorenresidenz Wiesenmühle bietet Wohnraum mit Betreuungsmöglichkeit. Am Klingenborn sind verschiedene Formen von Seniorenwohnen im Max-Schultze-Kahleyss-Haus realisiert worden.

In Marxheim unterhalten die Schwestern vom Guten Hirten im Maria-Droste-Haus vier selbstverantwortete, christlich orientierte Wohngemeinschaften mit 46 Plätzen. babs

Bis es so weit ist, wollte er eigentlich nicht warten. Doch bisher war seine Suche nach etwas wie betreutem Wohnen vergeblich. „Einen Interessenten für mein Häuschen habe ich schon“, sagt Schwarz - nur fehlt ihm eben für sich selbst die passende Alternative, um sich, wie gewünscht, verkleinern zu können. Barrierefrei und „mit Hilfe, wenn ich sie mal brauche“, stellt er sich sein künftiges Heim vor. Und er sei damit längst nicht allein, weiß Ingrid Schulz.

Die städtischen Seniorenberater haben Herrn Schwarz mit der Seniorenbeiratsvorsitzenden in Kontakt gebracht. Die findet: „Wir brauchen mehr politischen Druck, damit bei dem Thema etwas passiert.“ Schulz kennt aus ungezählten Gesprächen die immer gleichen Wünsche, mehr Wohnangebote im eigenen Umfeld für Senioren bereitzustellen. „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“, das gelte nach wie vor. „Wenn die Stadt oder die Hofheimer Wohnungsbau da etwas tun würde, dann würde so mancher sein Haus für eine Familie frei machen“, sieht Ingrid Schulz in Harald Schwarz nur ein Beispiel, das für viele andere stehe. Deshalb war es ihr so wichtig, dass er dieser Zeitung seinen Fall einfach mal geschildert hat.

Schwarz hat sich übrigens auch bei der HWB auf die Warteliste setzen lassen. Eine Wohnung habe man ihm sogar vor einiger Zeit angeboten. „Aber mit vielen Treppen“, sagt der 84-Jährige. Daher hat er Nein gesagt. Wenn er schon umziehe, dann so, dass er auch zurecht komme, wenn er zum Beispiel einen Rollator brauche. Ein Projekt wie die betreuten Wohnungen, die gerade am Martha-Else-Haus entstehen, sind sich Schwarz und Schulz einig, wäre eigentlich ideal. „Aber das wird noch dauern“, weiß Schulz. „Und wir brauchen mehr davon. Denn die Älteren werden ja einfach immer mehr.“

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