Hofheim

Prozess um Kopfschuss an der Pferdekoppel in Frankfurt

  • Stefan Behr
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Vor dem Frankfurter Gericht beginnt der Prozess um einen Mord auf einem Hofheimer Reiterhof. Angeklagt ist der ehemalige Partner der getöteten Frau.

Vor dem Frankfurter Landgericht hat am Dienstagmorgen der Mordprozess gegen den 55 Jahre alten Lothar R. begonnen. Dem Lastwagenfahrer aus Wiesbaden wird vorgeworfen, am Abend des 20. August 2019 seiner ehemaligen Freundin, der 22 Jahre alten Lea S., auf der Pferdekoppel eines Reiterhofs in Hofheim-Langenhain aufgelauert und von hinten in den Kopf geschossen zu haben. R. soll die Ausrüstung eines Profis verwendet haben: ein halbautomatisches Gewehr mit Zielfernrohr und Schalldämpfer.

Als Mordmotive nennt die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift Heimtücke und niedere Beweggründe. Der geschiedene R. soll mit Lea S. eine etwa dreijährige Beziehung gehabt haben. Dabei sei es des öfteren zu Trennungen gekommen – R. habe es durch hartnäckiges Stalking aber immer wieder geschafft, dass die junge Frau zu ihm zurückgekehrt sei.

Mitte Juli 2019 habe sich S. jedoch endgültig von ihrem laut Anklage „extrem eifersüchtigen“ Freund getrennt und war nach Hofheim gezogen. R. sei „besessen von dem Gedanken gewesen, dass sie kein anderer haben dürfe, wenn er sie nicht haben könne“. Einen Tag nach der Tat hatte sich R. der Polizei gestellt. Da lief aber bereits die Fahndung nach ihm – Zeugen wollen gesehen haben, wie er vom Tatort flüchtet. In ersten Vernehmungen hatte R. die Tat bestritten und gesagt, er habe sich lediglich gestellt, um seine Unschuld beweisen zu können.

Am ersten Prozesstag will R. keine Angaben machen – weder zu seiner Person noch zu den Tatvorwürfen. Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich daran im Lauf des Prozesses, der bislang bis Ende Juli terminiert ist, noch etwas ändern wird. Der Vorsitzende Richter Volker Kaiser-Klan kündigte zu Beginn der Verhandlung an, dass bei einer Verurteilung auch eine besondere Schwere der Schuld in Betracht komme – was eine vorzeitige Haftentlassung verhindern würde.

Der Angeklagte trägt Maske

Im Rahmen der Corona-Sicherheitsvorschriften war die Zuschauerabteilung des Gerichtssaals dünn, aber komplett besetzt. Vor der Plexiglasscheibe stellte Kaiser-Klan den Prozessbeteiligten frei, ob sie eine Schutzmaske tragen oder darauf verzichten wollten. Der einzige, der von der Maske Gebrauch machte, war der Angeklagte. Ob er das allein aus medizinischen Gründen tut, kann bezweifelt werden – er sitzt direkt der Familie der getöteten Lea S. gegenüber, die in dem Prozess als Nebenkläger auftritt.

Der Prozess wird bereits am heutigen Mittwoch fortgesetzt. Als Zeugen werden Polizisten erwartet, die damals den Tatort untersucht hatten. Zudem soll ein ehemaliger Arbeitskollege von Lothar R. gehört werden – vielleicht kann dieser Zeuge der Kammer das Wesen des Mannes hinter der Maske ein wenig näher bringen. (Von Stefan Behr)

Am Amtsgericht Frankfurt muss sich auch Diana W. wegen Widerstands gegen Polizeibeamte sowie Beleidigung verantworten. Sie selbst sieht sich als Opfer von Polizeigewalt.

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