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Hofheimer Wildpark-Retter haben viel vor

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Von: Jürgen Streicher

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Ein Wildschwein im Hofheimer Tiergehege unterhalb des Meisterturms.
Ein Wildschwein im Hofheimer Tiergehege unterhalb des Meisterturms. © ROLF OESER

Größtes Projekt ist der Bau eines Teiches im Gehege.

Ein schöner Tag für einen Besuch bei Bache und Keiler. Die Sonne scheint am Samstagmittag gegen 12 Uhr vorfrühlingshaft, Mensch und Tier zieht es je nach Gelüsten hinaus ins Licht, zum Chillen oder zum Gucken. Zum Glück suhlen sich die Wildschweine lieber grunzend im Matsch. Ganz rechts oben in der Ecke ihres Geheges etwa, von unten gesehen, vom Flanierweg zwischen Siedlungsgrenze und Waldanfang, wo das Forsthaus steht. Ihr „Herzensprojekt“, die Renaturierung des einstigen Wildpark-Teichs, wollen die Wildpark-Retter nämlich im diagonal gegenüberliegenden Winkel des eingezäunten Geländes am Kapellenberg verwirklichen. Da dürfen und können die Wildschweine nicht hin, Sperrgebiet für die bisweilen rüpelhaften Schwarzkittel. Da wohnt das Damwild.

Die alte Grube direkt hinter dem Zaun ist noch erkennbar, ist viel Regen gefallen, steht dort eine große Pfütze mit Grütze bedeckt. Der Teich könnte ein neues Herzstück werden und bei der erhofften Nutzung auch durch neue Gäste im Park zum Anziehungspunkt für kleine Kinder hinter dem Zaun werden. Wenn der Hirsch mit Gefolge zur Tränke schreitet, denn „er mag Kundenkontakt“, weiß Tobias Rösmann, einer der Gründerväter der Wildpark-Retter. Vor allem für Familien mit noch jungem Nachwuchs ist der Wildpark am Waldrand unterhalb von Pestkapelle und Meisterturm ein beliebtes Ausflugsziel. Mit Teich könnten Wasservögel und Reptilien zuwandern und eine neue Heimat finden, ein Beitrag zu Natur- und Artenschutz.

Der Mensch ist draußen an der „Promenade“ rund um den kleinen Park, die Wildschweine drinnen. Und das Damwild auch. Drinnen ist ein knapp zwei Hektar großes, mit Eichen bestandenes Gehege, das sich zurzeit ein kräftiger Keiler, drei Wildsäue und eine Handvoll Damwild teilen, ordentlich getrennt, damit es keinen Ärger untereinander gibt. Die friedliche Koexistenz funktioniert im Gehege mit Trennzaun, Ärger mit zu den Vorgärten der Menschen drängenden Wildschweinen gab es bisher trotz Witterungsnähe auch noch nicht, heißt es rund ums Forsthaus.

Die Wildpark-Retter Tobias Rösmann, „Wildschweinflüsterer“ Marc Djakeli und noch ein paar Dutzend andere sind im Sommer 2015 angetreten, das Kleinod zu erhalten, als die Stadt die Kosten für die Unterhaltung durch den Betreiber Hessen-Forst nicht mehr tragen wollte. 10 000 Euro bringen sie seitdem jährlich auf, erwirtschaftet durch Spenden, Kuchen- und Getränkeverkauf bei jährlichen (außer in Corona-Zeiten) Gehege-Festen und durch die Jahresgebühr von 24 Euro pro Mitglied.

Wenn jetzt im Frühjahr der Teich im Auftrag der Stadt gebaut wird, für den auch am Zaun geworben wird, ist der Verein mit rund einem Drittel an den Kosten beteiligt. Man kalkuliert mit Kosten von insgesamt etwa 45 000 Euro für das gesamte Projekt. Und hofft, „wenn es denn mal losgeht“, so Rösmann, auf zusätzliche Spenden.

Revierförster Leif Leonhardt, der direkt nebenan wohnt, ist während der Woche fürs betreute Wohnen von Wildsau, Hirsch und Reh verantwortlich. Die Wildpark-Retter wirken im Hintergrund und der Jagdklub Main-Taunus als dritter Partner im Bunde kümmert sich meist am Wochenende um die Fütterung der Tiere mit Mais, Hafer und einer Körnermischung, um Personalkosten zu sparen. Klagen gibt es nur ab und an übers unvernünftige Publikum, wenn aus falscher Tierliebe falsches Futter über den Zaun geworfen. Ein Reh ist schon gestorben, Schilder zur Belehrung der scheinbar Unbelehrbaren sollen helfen. Und eine Box für „Futterspenden“, eine neu gezimmerte Holzkiste im Briefkastenformat XXL.

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