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Bernhard Westenberger (links) und Hans-Jürgen Mock, freuen sich auf den Saisonstart im Showspielhaus.

Hofheim

Showspielhaus macht wieder auf

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Nach fünfmonatiger Spielpause gibt es im Comedy-Theater an der Hattersheimer Straße in Hofheim wieder Vorstellungen. Doch nur noch halb so viele Besucher wie früher dürfen dabei sein.

Die riesigen Kartons stehen noch hinter der Bühne. Darin verpackt sind die Elemente der neuen Klimaanlage, die Bernhard Westenberger und Hans-Jürgen Mock für das Showspielhaus angeschafft haben. Ein spezielles Filtersystem soll die Luft in der alten Papiermühle an der Hattersheimer Straße von Bakterien und Viren reinigen. „Unsere Klimaanlage ist vergleichbar mit der in Flugzeugen“, sagt Westenberger. Zusätzlich werde über vier Mal pro Stunde die Luft im Theatersaal komplett ausgetauscht.

Rund 90 000 Euro haben die beiden Geschäftsführer in ein ausgeklügeltes Hygienekonzept investiert, um ihr Comedytheater mehr als fünf Monate nach dem Lockdown Mitte März am 2. September wieder für Besucher öffnen zu können. Mobile Plexiglaswände werden Gäste, die nicht aus einem Haushalt kommen, voneinander separieren. Am Eingang kann man sich an einem Spender automatisch die Hände desinfizieren. Die Mund-Nasen-Maske darf erst am Tisch abgelegt werden. Statt 200 werden nur noch maximal 100 Zuschauer eingelassen.

„Auch wir sind in Schockstarre verfallen, als im April klar war, dass wir das Theater wegen Corona so bald nicht wieder werden aufsperren können“, sagt Bernd Westenberger. 8500 Tickets konnten seither nicht eingelöst werden. Aufführungen wurden abgesagt, beziehungsweise verschoben – teilweise bis weit ins Jahr 2021 hinein. Von jetzt auf gleich brachen die kompletten Einnahmen weg, auch das zweite Standbein von Mock und Westenberger, die Gastronomie, lief nicht mehr.

„Das Schlimmste war die Perspektivlosigkeit“

„Das Schlimmste war die Perspektivlosigkeit“, erinnert sich Bernhard Westenberger. „Nicht zu wissen, wann und ob es überhaupt weitergeht, ist schwer zu ertragen.“ Das Publikum und Fans hielten dem Showspielhaus die Treue. Kaum jemand forderte das Eintrittsgeld zurück. 600 Spendentickets für die imaginäre Veranstaltung „Fünf vor zwölf“ wurden gekauft, um das Comedy-Haus in der Krise zu unterstützen. Der Vermieter verzichtete auf Zahlungen. Der Bäcker stellte gelieferte Brötchen nicht in Rechnung. Kriftels Bürgermeister Christian Seitz kaufte Ticketgutscheine für alle Rathausmitarbeiter, die irgendwann eingelöst werden können.

Die Solidarität hat Mock und Westenberger gutgetan. Weil Kurzarbeit und Corona-Soforthilfe nicht ausreichten, um alle Kosten zu decken, haben sie einen 250 000-Euro-Kredit aufgenommen und die Zeit genutzt, um Renovierungsarbeiten zu erledigen. Der Traum, zum zehnjährigen Bestehen des Showspielhauses 2021 schuldenfrei zu sein, ist damit in weite Ferne gerückt.

Das nächste Ziel ist, eine passable Auslastung der Aufführungen hinzubekommen. „Wir spielen auf jeden Fall, egal, wie viele Tickets verkauft werden“, kündigen die beiden Vollblut-Theatermacher an. „Wir sind froh, dass es weitergeht.“ Im September stehen das Zwei-Personen-Stück „Elvis klebt“ sowie einige Solo-Gastauftritte auf dem Programm. Im Oktober hat die Monsterfilm-Persiflage „King Kong und die blonde Tussie“ Premiere.

Spielplan und Kartenvorverkauf online unter www.showspielhaus.de oder im Ticketshop, Hattersheimer Straße 31. Geöffnet ist mittwochs und donnerstags 10 bis 14 Uhr und 16 bis 19 Uhr.

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