+
Schüler erarbeiten Tipps, wie sie ihre Großeltern vor Trickbetrügern schützen.  

Hofheim

Hofheimer Schüler lernen, wie sie ihre Großeltern vor Trickbetrügern schützen

  • schließen

Das Modellprojekt „Save my Grandma“ ist vor einem Jahr in Hofheim gestartet. Demnächst soll es an allen weiterführenden Schulen im Main-Taunus-Kreis laufen.

Sechs Stunden lang ist Rosemarie Sprungk von einer Unbekannten immer wieder angerufen worden. „Sie hat sich als gute Freundin ausgegeben, mir von einer finanziellen Notlage erzählt und wollte Geld haben“, schildert die 75-Jährige. Weil sie selbst ehrenamtlich als Sicherheitsberaterin für Senioren arbeitet, durchschaute Sprungk die Masche. Sie alarmierte die Polizei, die umstellte ihr Haus, konnte die Betrüger aber nicht fassen.

Gebannt verfolgen die Achtklässler an der Main-Taunus-Schule die Schilderungen von Rosemarie Sprungk. Viele von ihnen haben schon vom sogenannten „Enkeltrick“ gehört, von falschen Polizisten, die Menschen dazu bringen, Geld und Wertsachen vor die Wohnungstür zu legen, von dubiosen Haustürgeschäften, bei denen Schmuck und Wertgegenstände geklaut werden und von Gewinnversprechen am Telefon, bei denen ebenfalls Geld gefordert wird.

„Auch euren Großeltern könnte so etwas passieren“, sagt Jürgen Moog, der viele Jahre Polizeichef im Main-Taunus-Kreis war und jetzt Geschäftsführer des Präventionsrates ist. Ältere Menschen würden besonders häufig Opfer von Kriminellen. Senioren seien gutmütig und hilfsbereit, geistige und körperliche Fähigkeiten ließen im Alter nach. Weil sie sich schämten, gingen viele nicht zur Polizei, wenn sie auf einen Trickbetrüger hereingefallen seien. „Das nützen die Täter aus.“

Das Präventionsprojekt „Save my Grandma“ ist im Herbst 2018 in Hofheim gestartet. Es soll mithelfen, Straftaten zum Nachteil älterer Menschen vorzubeugen.

Neben den Sicherheitsberatern , die Senioren auf Augenhöhe für „Trickbetrug“ sensibilisieren, sind es bei dem Schulprojekt für Jugendliche die Enkel, die das Thema an ihre Eltern und Großeltern herantragen.

Tipps geben bei dem Projekt Sicherheitsberater für Senioren. Die Schüler bekommen darüber hinaus Informationsmaterial und entwickeln selbst Strategien, um ihre Großeltern vor Kriminellen zu schützen. aro

Über die Enkelgeneration soll das Thema „Trickbetrug“ jetzt verstärkt in die Familien getragen werden. „Save my Grandma“ heißt das Modellprojekt, das bislang an der Main-Taunus-Schule und an der Gesamtschule am Rosenberg gelaufen ist. Entwickelt wurde es im Hofheimer Haus der Jugend, um ältere Menschen vor Straftaten zu schützen. Polizei und Präventionsrat sind Kooperationspartner. Das Projekt soll auf alle weiterführenden Schulen im Kreis ausgedehnt werden. In zwei Schulstunden lernen die 13- bis 19-Jährigen, wie Trickbetrüger vorgehen und welche Tipps sie ihren Großeltern geben können.

„Niemals einen Namen nennen, wenn der Anrufer fragt: Kennst du mich nicht?“, rät Rosemarie Sprungk. „Am besten, man legt gleich auf.“ Auf keinen Fall solle man Geld überweisen oder Wertsachen vor die Tür stellen, damit sie ein „falscher Polizist“ abholen kann. „In so einem Fall immer die richtige Polizei unter der 110 verständigen“, empfiehlt Jürgen Moog. Die Beamten könnten dann andere Bewohner des Stadtteils oder auch Bankmitarbeiter vor den betrügerischen Anrufern warnen.

In Gruppenarbeiten sollen die Schülerinnen und Schüler am Ende der Projektstunden selbst überlegen, wie sie Oma und Opa vor Trickbetrügern schützen können. „Telefonnummern von Familienmitgliedern im Telefon einprogrammieren. Dann weiß man immer, wer anruft“, schlägt ein Junge vor. „Nie einem Fremden die Haustüre öffnen, auch wenn es ein angeblicher Notfall ist. Lieber den Rettungswagen rufen“, sagt ein Mädchen. „Als Enkel habt ihr einen besonders guten Zugang zu euren Großeltern, sprecht mit ihnen über diese Themen“, bittet Jürgen Moog die Jugendlichen. Neben Informationsmaterial bekommen die Achtklässler vom Präventionsrat noch eine Scheckkartenlupe für ihre Großeltern mit: „Fürs genaue Hinschauen – damit Trickbetrüger keine Chance haben.“

Polizei und Präventionsrat haben seit 2016 mehr als 100 ehrenamtliche Sicherheitsberater für Senioren im Main-Taunus-Kreis geschult. Sie sind in allen Kommunen unterwegs, machen auf die Maschen der Trickbetrüger aufmerksam, verteilen Postkarten und Info-Broschüren. Plakate hängen in Seniorenberatungsstellen und in Bankfilialen.

Die Aufklärungskampagne ist erfolgreich. 2018 gingen nur noch drei Senioren im Main-Taunus-Kreis falschen Polizisten auf den Leim. Im Jahr davor waren es acht gewesen. Die Zahl der betrügerischen Anrufe war 2018 mit 400 nur noch halb so hoch wie ein Jahr zuvor. Auch die Schadenssumme lag mit 160 000 Euro deutlich unter dem Wert des Vorjahres.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare