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Schüler der Flörsheimer Graf-Stauffenberg-Schule helfen beim Öffnen der Sonnentunnel, in denen die Erdbeeren in Wallau reifen.

Corona-Krise

Landwirt aus Hofheim fliegt Erntehelfer ein

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Die Obstbauern im Main-Taunus-Kreis suchen nach Lösungen, wie sie in Corona-Zeiten ihre Früchte vom Feld geholt bekommen.

  • Wegen des Coronavirus sind zahlreiche Grenzen in Europa geschlossen
  • Viele Erntehelfer können derzeit nicht für die anstehende Obsternte nach Deutschland kommen
  • Landwirte aus dem Main-Taunus-Kreis berichten von ihren Notfallplänen

Hofheim-Wallau/Kriftel - Mit dem Auto hätten es die acht Rumänen nicht mehr nach Deutschland geschafft. „Die Grenzübergänge zwischen Rumänien und Ungarn sind wegen der Corona-Pandemie ebenso dicht wie die zwischen Ungarn und Österreich“, sagt Reiner Paul. Der Wallauer Landwirt beschloss daher, seine Erntehelfer mit dem Flugzeug nach Deutschland zu holen. 

Seit Mitte der Woche sind sie da und packen mit an in den Folientunneln, in denen jetzt die Erdbeeren wachsen, die Bauer Paul bereits in vier Wochen an seinen Verkaufsständen in der ganzen Rhein-Main-Region anbieten will.

Obsternte in Main-Taunus-Kreis trotz Coronavirus stemmen

Als Hilfskräfte ebenso mit dabei sind Schüler und Studenten, die sich spontan gemeldet haben, nachdem Reiner Paul Anfang der Woche im Fernsehen über das Dilemma berichtete, das wohl die allermeisten Landwirte in der Corona-Krise treffen wird: Die ausländischen Erntehelfer, die Jahr für Jahr in großer Zahl gebraucht werden, können nicht einreisen. 

Oder sie wollen zurzeit gar nicht nach Deutschland kommen wie die Polen, die Reiner Paul üblicherweise auf seinen Feldern beschäftigt. „Die haben mir alle abgesagt“, erzählt er im Gespräch mit der FR.

Nun also hat er erst mal eine Kerngruppe, die für die Erdbeerernte bereitsteht. Auch Mitarbeiter aus der Gastronomie, die jetzt ohne Arbeit seien, hätten sich bei ihm gemeldet, und ein Messebauer, dem alle Aufträge weggebrochen sind. Es wird wohl länger dauern, sie alle einzuarbeiten. 

Main-Taunus-Kreis: Obsternste in Corona-Krise „alles andere als entspannt“

Eingespielte Erntehelfer seien nicht so einfach zu ersetzen, sagt der Hofheimer Landwirt. Dies umso mehr, als die Anbaufläche des Hofes in Wallau, auf der auch Himbeeren und Heidelbeeren wachsen, 35 Hektar groß ist. „Die Lage ist alles andere als entspannt“, sagt Reiner Paul. Für gewöhnlich beschäftige er im Laufe des Jahres bis zu 120 Saisonarbeitskräfte, erzählt er. „Wir müssen halt jetzt sehen, wie wir zurechtkommen.“

Elke Theis im Hofladen der Familie in Kriftel.

Vor dem Hintergrund, dass womöglich internationale Transportketten zusammenzubrechen drohen, hofft Paul in Zeiten der Corona-Krise auf Erleichterungen bei der Einreise europäischer Erntehelfer. „Die Politik muss am Ende entscheiden, wie wichtig es ihr ist, dass frisches Obst und Gemüse aus heimischer Produktion für die Bevölkerung zur Verfügung steht.“

Main-Taunus-Kreis: Zahlreiche Aushilfen zur Obsternte in der Corona-Krise

Auch in der Obstbaugemeinde Kriftel im Main-Taunus-Kreis machen sich die Landwirte bereits Gedanken, wie diese Erntesaison laufen soll. „Noch haben wir Zeit“, sagt Ortslandwirt Andreas Theis. Die Ernte der Freiland-Erdbeeren beginne in Kriftel erst Mitte Mai. „Und meine polnischen Erntehelfer wollen alle kommen.“ 

Ob sie das auch können, wenn sie gebraucht werden, sei aktuell ungewiss. Deshalb hört sich Theis bereits um, wer sonst noch alles bei ihm auf den Feldern mithelfen würde: Schüler der nahen Berufsschule, die keinen Unterricht haben, Freunde und Verwandte, die wegen der Corona-Pandemie nicht an ihren Arbeitsplatz können. „Zur Not schaffen wir die Ernte auch mit der gesamten Familie“, sagt Theis. „Da muss aber jeder ordentlich anpacken.“

Obsternte im Main-Taunus-Kreis: Zur Not müssen Kunden wegen des Coronavirus selbst pflücken

Eine Option, die unter den Krifteler Bauern zurzeit diskutiert wird, ist das Angebot an die Kunden, die Erdbeeren in größerem Umfang als bisher selbst zu pflücken. „Ehe mir die Früchte kaputt gehen, ist das sicher eine Möglichkeit“, sagt Andreas Theis. Ausreichend Parkplätze an den Feldern müssten dafür allerdings noch geschaffen werden. „Das bekommen wir aber hin, wenn es sein muss“, sagt Theis. 

Immerhin eine gute Nachricht kann Theis vermelden. Das Interesse der Bürger am Einkaufen in seinem Hofladen sei gestiegen, hat er festgestellt. Der eine oder andere verzichte offenbar darauf, mit dem Auto in einen großen Supermarkt zu fahren und hole lieber Obst und Gemüse beim kleinen Händler um die Ecke.  

Von Andrea Rost

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