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Im Park am Landratsamt wurde ein Spitzgraben des römischen Lagers freigelegt.
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Im Park am Landratsamt wurde ein Spitzgraben des römischen Lagers freigelegt.

Hofheim

Hofheim: Überraschende Funde am Landratsamt

  • Andrea Rost
    VonAndrea Rost
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Ehe das Hofheimer Landratsamt erweitert wird, sucht ein Archäologenteam nach Relikten der Römer. Neue Erkenntnisse über das Erdlager auf dem Hochfeld wurden bereits gewonnen.

Fachleute sprechen von einer „Notgrabung“. Sie werde zurzeit auf dem Hochfeld durchgeführt, weil an der Nordwestseite des Hofheimer Landratsamts ein Neubau entstehen solle, erläuterte Dieter Neubauer, zuständiger Bezirksarchäologe beim Hessischen Landesamt für Denkmalpflege, im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Von einer Fachfirma unter die Lupe genommen werde dabei der obere Bereich des Parks am Kreishaus sowie die Fläche, auf der sich bisher der See befunden habe. „Wir dokumentieren und sichern Relikte aus römischer Zeit, die durch den Neubau unwiederbringlich zerstört würden. Den Rest tasten wir nicht an“, sagt Neubauer.

Ausführlich gegraben haben auf dem Hofheimer Hochfeld Archäologen bereits vor mehr als 100 Jahren. Die Deutsche Reichs-Limeskommission fand damals Überreste eines römischen Erdlagers. In Wissenschaftskreisen sei das eine „Sensation“ gewesen, weiß Neubauer. Vermutlich im Zusammenhang mit dem Germanienfeldzug war das Lager um das Jahr 40 n. Chr. errichtet worden. Es galt als Zeugnis eines neuen römischen Zeitabschnitts, der seither in Fachkreisen als „Hofheim-Horizont“ bezeichnet wird.

Römer in Hofheim

Ein erstes Erdlager hatten die Römer um 40 nach Christus an der Stelle des heutigen Landratsamtes auf dem Hofheimer Hochfeld errichtet.

Sie ersetzten es durch ein Kastell mit Holztürmen, später durch ein Steinkastell. Es spielte es eine wichtige Rolle bei der Offensive gegen die Chatten.

Rund 50 Meter südlich des Steinkastells war ein Lagerdorf angelegt. Zur Versorgung der rund 500 Soldaten lebten hier Handwerker, Händler und andere Gewerbetreibende.

Das Kastell wurde 110 nach Christus geräumt, das Dorf etwas mehr als hundert Jahre später.

Im Jahr 1987 wurde auf dem Hochfeld das Landratsamt errichtet. Der Gebäudekomplex der Kreisverwaltung soll bis Ende 2023 erweitert werden. aro

Ob die Forschertruppe um Emil Ritterling zwischen 1902 und 1910 alles aus dem Boden geholt hatte, war bis vor kurzem unklar. Jetzt steht fest: Es gibt noch eine Menge Funde im Zusammenhang mit dem römischen Erdlager auf dem Hochfeld zu bergen. Allein in den vergangenen Tagen entdeckten Archäologinnen und Archäologen verschiedene Keramikfragmente, dazu Metallobjekte wie Beschläge von Zaumzeug für Pferde, eine eiserne Lanzenspitze, eine Silbermünze sowie eine bronzene Scheibe und einen bronzenen Ring. „Wir waren überrascht, wie gut alles erhalten ist“, sagt Dominik Meyer, der die Grabungsarbeiten leitet.

Bei der Erkundung des Terrains seien auch Drohnen und Metalldetektoren eingesetzt worden. Dabei sei man auf den Doppelgraben des römischen Erdlagers gestoßen, möglicherweise auch auf einen Palisadengraben. Es stellte sich heraus: Die Vermessung der Forschertruppe vor 100 Jahren war nicht so genau, wie dies heute möglich ist. „Das römische Erdlager auf dem Hochfeld befand sich etwas weiter südlich, als in den alten Plänen eingezeichnet“, sagt Dieter Neubauer.

Beim Bau des Hofheimer Landratsamts in den 1980er Jahren hatte man die Überreste des Nachfolgelagers, eines Steinkastells, gefunden. Heute ist an dieser Stelle der große Parkplatz der Kreisverwaltung. Im Zusammenhang mit beiden Lagern stehen auch Grabungsarbeiten, die Archäologen der Frankfurter Goethe-Universität im vergangenen Sommer auf Feldern südöstlich von Marxheim durchführten. Sie entdeckten Spuren eines römischen Marschlagers aus dem ersten Jahrhundert n. Chr. Möglicherweise hatten römische Truppen auf dem Chattenfeldzug von Kaiser Domitian dort kurz Station gemacht. Einen Tagesmarsch von Doppellegionslager in Mainz entfernt sei Hofheim strategisch günstig gelegen gewesen, erläutert Neubauer. Und vom Hügel des Hochfelds aus habe man die Region bis zu 50 Kilometer weit überblicken und dabei kontrollieren können, „wer von West nach Ost zieht“.

Noch sind die Grabungsarbeiten im Park des Landratsamts nicht abgeschlossen. Das Archäologenteam habe weitere Aufträge zur Untersuchung erhalten, werde auch in den kommenden zwei bis drei Wochen Funde bergen und eine zusätzliche Grabungsfläche öffnen, sagte Dominik Meyer der FR. Die Fundstücke aus römischer Zeit würden danach gereinigt und an Hessen-Archäologie übergeben. Die Pläne zur Erweiterung der Kreisverwaltung würden durch das Interesse der Forscherinnen und Forscher aber nicht aufgehalten, betonte Meyer.

Tonscherbe aus der Römerzeit.
Ein Silberdenar.

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