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Hofheim: Stadt sucht Alternativen zur Straßensperrung

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Eine 500 Meter lange Baustelle muss in der Klärwerkskurve eingerichtet werden.
Eine 500 Meter lange Baustelle muss in der Klärwerkskurve eingerichtet werden. © Renate Hoyer

Hessen Mobil will die Landesstraße 3011 zwischen Lorsbach und Hofheim wegen Bauarbeiten für ein Jahr dicht macht. Die Stadt ist dagegen. Jetzt soll die Landesregierung vermitteln.

Der Bericht in der Frankfurter Rundschau, wonach Hessen Mobil plant, die Landesstraße 3011 zwischen Lorsbach und Hofheim für die Zeit dringend nötiger Bauarbeiten ein Jahr lang zu sperren, hat in der Main-Taunus-Kreisstadt für Riesenwirbel gesorgt. Nicht nur im Rathaus, wo Bürgermeister Christian Vogt (CDU) gegen die Landesbehörde wetterte und von „arrogantem Verhalten wie im Kaiserreich“ sprach, auch unter den Bürgerinnen und Bürgern in Lorsbach war die Empörung groß. Sie müssen bei einer Vollsperrung der L 3011 in Höhe des Klärwerks einen langen Umweg in Kauf nehmen, wenn sie mit dem Auto in die Innenstadt fahren wollen. Statt vier Kilometer sind es auf der Umleitungsroute, die Hessen Mobil über Fischbach und Kelkheim ausschildern will, 16 Kilometer bis nach Hofheim. Statt fünf Minuten würde die Fahrt 26 Minuten dauern.

Die Stadt lehne die zwölfmonatige Vollsperrung der Landesstraße ab, das habe man Hessen Mobil in vielen Gesprächen immer wieder deutlich gemacht, sagte Vogt gestern bei einer Pressekonferenz. Die Behörde habe zugesichert, keine Entscheidung gegen den Willen der Kommune zu treffen. Dass die Sperrung nun ohne Rücksprache angekündigt wurde, sei ein „unkooperativer Akt der Unfreundlichkeit“, sagte Vogt. Der Hofheimer Magistrat habe deshalb die Hessische Landesregierung angerufen und um Unterstützung in der Sache gebeten.

Ohnehin dürfte das Verhältnis zwischen der Stadt Hofheim und Hessen Mobil nicht das beste sein. Erster Stadtrat und Verkehrsdezernent Wolfgang Exner (CDU) berichtete von jahrzehntelangen Verhandlungen über den Bau eines Radweges zwischen Hofheim und Lorsbach, die zu keinem Ergebnis geführt hätten. Stattdessen diskutiere man seit 2016 über die marode Stützmauer am Mühlgraben, die die Verkehrssicherheit auf der L 3011 in der Klärwerkskurve bedrohe.

Ende 2021 habe das Hessische Verkehrsministerium die Sanierung genehmigt und Sofortvollzug angeordnet. Auf dieser Basis mache Hessen Mobil jetzt Druck, schließe Alternativlösungen aus. „Für die Behörde ist das vermutlich die bequemste Lösung. Aber wir denken an die Bürgerinnen und Bürger. Für sie wäre eine Vollsperrung der Straße eine Katastrophe. Das werden wir nicht zulassen“, betonte Bürgermeister Vogt.

Ausweichrouten über die Gundelhard oder durch den Wald zur Burkartsmühle, die im Lorsbacher Ortsbeirat zur Sprache kamen, verfolgt man im Hofheimer Rathaus nicht weiter. Im Blick haben Vogt und Exner aber weiterhin eine Variante, bei der die Landesstraße nur vier Monate komplett gesperrt werden müsste. Während der übrigen Bauzeit könnte der Verkehr zumindest in eine Richtung über das Gelände des Klärwerks geleitet werden. Mit dem Abwasserverband sei dies bereits abgestimmt, sagte Exner. Über diese Lösung wolle man weiterhin mit Hessen Mobil verhandeln. Wolfgang Exner ist überzeugt, dass dies trotz einer halben Million Euro Mehrkosten die wirtschaftlichere Variante darstelle. Gewerbebetriebe und Einzelhändler in Lorsbach würden durch eine Komplettsperrung der Durchgangsstraße in ihrer Existenz bedroht. Tausende Pendlerinnen und Pendler, die die Hauptverkehrsader im Lorsbachtal täglich nutzten, müssten weite Umwege fahren, um zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen. Für den heutigen Donnerstag ist erneut ein Gespräch mit Hessen Mobil angesetzt.

Um die Straßensperrung möglichst kurz zu halten, sei die Stadt bereit, Geld zur Ertüchtigung einer Brücke auszugeben, kündigte Bürgermeister Vogt an. Auch mit dem Besitzer des Reiterhofes, auf dessen Grundstück eine Halle zurückgebaut werden müsste, um die Ausweichroute über das Klärwerksgelände zu realisieren, sei man im Gespräch.

In den Planungsunterlagen von Hessen Mobil ist von einer 500 Meter langen Baustelle und vier Bauabschnitten die Rede. Die Sperrung für zwölf Monate sei die kostengünstigste Lösung, sagte ein Sprecher von Hessen Mobil der Frankfurter Rundschau. Die räumlich beengten Verhältnisse und die Erfordernisse des Arbeitsschutzes ließen keine halbseitige Sperrung zu. Sollten die Sanierungsarbeiten an der Stützmauer nicht zeitnah durchgeführt werden, drohe womöglich eine Sperrung der Straße auf unabsehbare Zeit.

Zu Wort gemeldet hat sich im Beteiligungsverfahren auch die Stadt Kelkheim. Sie befürchtet eine „gewaltige Verkehrszunahme“ durch die geplante Umleitung über Fischbach und die Kelkheimer Kernstadt.

In einem Verkehrsgutachten wird die Lage anders eingeschätzt. Von den rund 10 000 Fahrzeugen, die in 24 Stunden die L3011 zwischen Lorsbach und Hofheim in beiden Richtungen passierten, werde nur ein Teil über Kelkheim ausweichen. Der Rest des Verkehrs werde sich „im weiteren Umfeld“ verteilen. Ortskundige könnten beispielsweise deutlich schneller über Langenhain nach Hofheim gelangen. Offiziell empfehlen kann Hessen Mobil diese Umleitung nicht, da es auf der Strecke Engstellen im alten Ortskern von Lorsbach gibt und ein Bahnübergang passiert werden muss.

Aus Umwelt- und Naturschutzgründen ausgeschlossen haben Fachleute die Verrohrung des Mühlgrabens, die im Beteiligungsverfahren angeregt worden war. Die Verrohrung würde die Stützmauer entbehrlich machen und die Bauzeit um einiges verkürzen. Der Mühlgraben bewässere einen Fischteich und ein südlich gelegenes Naturschutzgebiet, ehe er in den Schwarzbach münde, argumentierten Experten. Eine Verrohrung würde einen Verlust an biologischer Vielfalt bedeuten und den Lebensraum für viele Organismen zerstören.

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