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Süleyman Tokurcan (15), Viviana Continolo (15) und ihr Lehrer Kemal Ergün (v.l.), der die Film AG an der Hofheimer Gesamtschule leitet. Foto: Michael Schick
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Süleyman Tokurcan (15), Viviana Continolo (15) und ihr Lehrer Kemal Ergün (v.l.), der die Film AG an der Hofheimer Gesamtschule leitet.

Hofheim

Hofheim: Schüler-Filmteam trotzt der Pandemie

  • Andrea Rost
    VonAndrea Rost
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Das Medien-Projekt der Hofheimer Gesamtschule Am Rosenberg „Die Höhle der Katzen“ läuft im Herbst beim Film-Festival Visionale in Frankfurt. Der Lockdown hätte den Jugendlichen bei den Dreharbeiten fast einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Die Anmoderation ihres Filmes kommt den Achtklässler:innen locker über die Lippen. Viviana Continolo (15) ist die Nachrichtensprecherin, ihre Klassenkameradinnen und Kameraden informieren in kurzen Statements über die Situation auf dem Ausbildungsmarkt: Die Zahl der Ausbildungsverträge sei drastisch gesunken, der Einbruch einzigartig. „Die Corona-Krise hat einen großen Einfluss.“

Und dann geht es los mit „Die Höhle der Katzen“, dem siebenminütigen Streifen über virtuelle Ausbildungsplatzsuche, den die Realschüler:innen unter der Anleitung ihres Lehrers Kemal Ergün im vergangenen Jahr in der Film-AG der Hofheimer Gesamtschule Am Rosenberg gedreht haben.

Profis sind sie allesamt keine: Weder die rund 30 Jugendlichen, die sich für die AG gemeldet haben, noch Kemal Ergün, der als Medienpädagoge zwar einiges vom Filmemachen versteht, aber sich selbst als Autodidakt bezeichnet. Vor drei Jahren habe er die Film-AG an der Hofheimer Gesamtschule gegründet, erzählt der 42-Jährige. Mittlerweile ist ein Wahlpflichtkurs für die achten Klassen daraus geworden, der bei den jungen Leuten besonders gut ankommt. Produktionen aus den vergangenen Jahren haben beim Filmwettbewerb des Hessischen Rundfunks „Meine Ausbildung“ bereits mehrfach Preise gewonnen.

Dieses Mal soll der Schülerfilm, der in den vergangenen Monaten entstanden ist, in einem größeren Rahmen gezeigt werden. Kemal Ergün hat „Die Höhle der Katzen“ als Beitrag zur Visionale, dem Wettbewerb für junge Filmemacherinnen und Filmemacher in Hessen, eingereicht. Im November wird er neben vielen anderen Beiträgen im Frankfurter Gallus-Theater laufen.

Einfach sei es nicht gewesen, in Zeiten von Corona einen Film mit den Schülerinnen und Schülern zu produzieren, erzählt Ergün. Die Ideen zum Drehbuch, die das Team der Film-AG im Herbst entwickelt hatte, machte der Lockdown kurz vor Weihnachten zunichte. Lediglich einige Szenen in einer Autowerkstatt waren bis dahin im Kasten, weitere Drehgenehmigungen außerhalb des Schulgeländes nicht mehr zu bekommen.

Visionale

Das Jugend-Medien-Festival für hessische Filmemacherinnen und Filmemacher „Visionale“ läuft von 19. bis 21. November 2021 im Gallus Theater in Frankfurt. Es findet zum 33. Mal statt.

Ausrichter sind das Medienzentrum Frankfurt, das Filmhaus Frankfurt, das Gallus-Theater und das Jugend- und Sozialamt der Stadt.

Teilnehmen können Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Young Professionals, im Rahmen ihrer Ausbildung bis zum Alter von 27 Jahren.

Eingereicht werden können Filme mit einer Abspieldauer bis zu 20 Minuten sowie medienpädagogische Projekte aus Hessen, die seit Oktober 2019 entstanden sind.

Das Sonderthema in diesem Jahr lautet: „System neu starten“.

Einsendeschluss ist der 10. September 2021.

Weitere Informationen unter https://visionale-hessen.de. aro

Die Jugendlichen seien im Wechselunterricht gewesen oder hätten zu Hause gelernt, erinnert sich Kemal Ergün. „Wir mussten die Gruppe für die Filmproduktion aufteilen und eine ganz neue Story erfinden.“

Nun lehnt sich die Geschichte an die TV-Gründershow „Höhle der Löwen“ an. Ein Erfinderduo präsentiert den vier Investor:innen eine Brille, die den Ausbildungsmarkt revolutionieren soll. Leon, der sie sich im Film aufsetzt, kann per Click seinen Wunschberuf als Kfz-Mechatroniker kennenlernen, live mit dem Meister chatten, Auszubildende beim Ölwechsel beobachten. Die Investor:innen sind begeistert. Sie wollen dem Start-up Geld geben, damit die virtuelle Ausbildungsplatzsuche erfolgreich stattfinden kann.

Sie habe sehr viel in der Film-AG gelernt, sagt Viviana Continolo, die trotz Ferienzeit zum Interview mit der Frankfurter Rundschau gekommen ist. „Wir wussten erst mal gar nicht, was alles an Arbeit auf uns zukommt. Und dass wir auch ein Drehbuch schreiben müssen“, erzählt die 15-Jährige. „Ich hätte nicht erwartet, dass das Ergebnis so gut sein wird. Krass, was wir da geleistet haben.“

Eine Menge Spaß hatte auch Süleyman Tokurcan, der einen der Investoren mimt und als Auszubildender in der Werkstatt den Ölfilter wechselt. Kameraführung, Perspektivwechsel, Schnitt und die Arbeit mit dem Green Screen – viele Tricks habe Kemal Ergün den AG-Mitgliedern beigebracht, auch gezeigt, wie man mit dem Handy gute Szenen drehen könne, erzählt der 15-jährige Schüler. „Mit den anderen im Team zusammenzuarbeiten und das alles umzusetzen, war eine tolle Erfahrung.“

Von dem Preisgeld, das die AG bereits gewonnen hat, hat Kemal Ergün in den vergangenen Jahren schon eine hochwertige Kamera samt Stabilisator, einen Kamerakran sowie die nötige Ausrüstung für gute Beleuchtung angeschafft. Auf der Wunschliste stehen noch eine Minidrohne, weitere Kameras und ein eigener Laptop.

Mit das Wichtigste an der Film-AG sei es jedoch, den Jugendlichen das Arbeiten im Team beizubringen und den kreativen und verantwortungsvollen Umgang mit Medien, die heute ihren Alltag prägten, findet der Pädagoge. Das Ziel wurde erreicht. Der Film „Die Höhle der Katzen“ sei am Ende zu einem Herzensprojekt der Schülergruppe geworden, für das jeder und jede alles gegeben habe, sagt Ergün. „Auf die Uhr hat bei den Dreharbeiten niemand mehr geschaut.“

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