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Artlife-Geschäftsführer Stephan Haida mit dem „Xtra-Raum“-Prototyp.

Hofheim

Hofheim: Messebauer konstruiert Homeoffice auf Rädern

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Die regulären Aufträge sind mit einem Schlag weggebrochen. Jetzt arbeiten die Schreiner der Wallauer Messebaufirma Artlife an Deutschlands erstem mobilen Heimbüro.

Die Idee wurde nicht erst in der Corona-Krise geboren: „Wir arbeiten schon längere Zeit an einem mobilen Homeoffice“, sagt Stephan Haida, Geschäftsführer der Wallauer Messebaufirma Artlife. Gemeinsam mit der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Münchner Projektentwicklungsagentur Treeship habe man sich Gedanken gemacht, wie ein Heimbüro aussehen könne, das nicht zwangsläufig in den eigenen vier Wänden des Mitarbeiters eingerichtet werde, weil dort vielleicht nicht genügend Platz dafür vorhanden sei.

Nun, da ganz Deutschland wegen der Coronavirus-Pandemie zu Hause arbeitet, ist das Thema topaktuell. Und in der Schreinerei des Messebauers haben sie ausreichend Kapazität, dem Prototyp des mobilen Homeoffice den letzten Schliff zu geben, damit er ab kommender Woche in Serie hergestellt werden kann. „Uns sind auf einen Schlag sämtliche Messebauaufträge bis einschließlich Juli weggebrochen“, berichtet Haida. Dass sich das Messe- und Eventgeschäft, in dem Artlife international tätig ist und einen Jahresumsatz von 15 Millionen Euro erwirtschaftet, in der zweiten Jahreshälfte wieder normalisiere, sei nicht zu erwarten.

Die Firma

Gegründet   wurde das Wallauer Messebau-Unternehmen Artlife im Jahr 1993 von Theatermaler Boris Lauer. Die Geschäftsführer Stephan Haida und Andreas Bedel haben es 2012 übernommen.

60 Mitarbeiter   werden beschäftigt, 30 davon in der Schreinerei.

Neben dem Messebau   im In- und Ausland ist Artlife auch im Event-Geschäft tätig. 

Stephan Haida hat deshalb für 50 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet und lässt 30 von ihnen in der Schreinerei am mobilen Homeoffice arbeiten. Von außen sieht der „Xtra-Raum“ dabei aus wie eine schlichte, aus Brettern zusammengezimmerte Gartenhütte. Im Inneren aber biete das Heimbüro auf Rädern ideale Arbeitsbedingungen, loben seine Erfinder. Zur Grundausstattung gehören Schreibtisch, Regale und Rollcontainer, Heizung, Klimaanlage sowie ein WLAN-Router. Licht fällt durch große Fenster in den acht Quadratmeter großen Raum, Jalousien sorgen für blendfreies Arbeiten. „Alle Vorschriften der Arbeitsstättenverordnung sind erfüllt“, sagt Stephan Haida. An die Stromversorgung angeschlossen werden könne das mobile Homeoffice über eine Schukosteckdose, wie sie in jedem Haushalt vorhanden sei. In der High-End-Version werde der „Xtra-Raum“ mit einer eigenen Photovoltaikanlage geliefert.

Für knapp 15 000 Euro ist der ökologisch nachhaltig gefertigte, kompakte Wagen zu haben, Firmen können ihn auch mieten oder leasen. Verglichen mit einem herkömmlichen Heimarbeitsplatz, den der Arbeitgeber in der Wohnung oder dem Haus des Mitarbeiters einrichten und von einem Arbeitsschutzexperten vor Ort abnehmen lassen muss, sei die Anschaffung des „Xtra-Raums“ wesentlich einfacher und am Ende auch preiswerter, ist Haida überzeugt. „Das haben mir die Geschäftsführer großer Unternehmen, mit denen ich darüber gesprochen habe, bestätigt.“

Bleibt noch die Frage, wo genau das mobile Homeoffice stehen kann, um ein konzentriertes Arbeiten fernab vom Küchentisch und tobenden Kindern zu ermöglichen. Für Mitarbeiter, die in der Stadt wohnen, sei das Heimbüro auf Rädern eher nicht geeignet, räumt der Artlife-Geschäftsführer ein. „Dort wird man kaum Platz finden, den Wagen aufzustellen.“ Alle jene aber, die beispielsweise rund um Frankfurt zu Hause sind und über einen eigenen Garten verfügen, könnten davon profitieren. Der Wallauer Messebauer stellt den „Xtra-Raum“ dann auf dem Grundstück des Mitarbeiters auf. Wer möchte, bekommt auch einen Spezialanhänger, auf dem das mobile Homeoffice mit dem Auto bewegt werden kann.

Stephan Haida ist überzeugt: „Wenn die Corona-Krise vorbei ist, wird das Arbeiten von zu Hause aus einen anderen Stellenwert haben.“ Mehr Firmen als bisher würden ihren Mitarbeitern dann diese Option anbieten und nach Lösungen wie dem „Xtra-Raum“ suchen. Messebaukollegen könnten das mobile Heimbüro dann deutschlandweit in Lizenz herstellen.

Wenn die Corona-Krise vorbei ist, reicht es auch mit Essen bestellen, Homeoffice und dem affigen Digitalgehabe. Unsere Kolumne aus der sozialen Isolation.

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