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Hofheim: Landesstraße wird bei Lorsbach wohl doch ein Jahr lang gesperrt

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In der Klärwerkskurve an der Landesstraße 3011 muss eine Stützmauer erneuert werden. Die Bauarbeiten werden ein Jahr dauern.
In der Klärwerkskurve an der Landesstraße 3011 muss eine Stützmauer erneuert werden. Die Bauarbeiten werden ein Jahr dauern. © Renate Hoyer

Der Eigentümer des Reiterhofes Georg will keine Flächen für eine Umfahrung der Baustelle an der L3011 zur Verfügung stellen. Das Hofheimer Parlament fordert jetzt rechtliche Schritte – bis hin zur Enteignung.

Ratlosigkeit und Verärgerung waren Wolfgang Exner deutlich anzumerken, als Hofheims Erster Stadtrat Mitte der Woche im Parlament verkündete: Die Landesstraße 3011 wird in der sogenannten Klärwerkskurve zwischen Hofheim und Lorsbach wohl doch für zwölf Monate komplett gesperrt.

Die Stadt habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Zeit der Vollsperrung während der Bauarbeiten an der Stützmauer im Mühlgraben auf maximal vier Monate zu verkürzen, sagte Exner. Über Monate hinweg habe man Gespräche mit dem Eigentümern des Reiterhofes Georg geführt, über dessen Gelände eine Ausweichroute führen sollte. „Wir haben unter anderem angeboten, Paddocks für die Pferde auf unsere Kosten zu verlegen und Unterstützung bei der Umsiedlung einer Lagerhalle in Aussicht gestellt“, berichtete Exner. Nun habe der Reiterhofeigentümer mitgeteilt, dass er keine Flächen für die geplante Umfahrung zur Verfügung stellen werde.

„Für Lorsbach wäre das eine Katastrophe“, sagte Exner. Denn eine andere Lösung, die einjährige Vollsperrung zu vermeiden gebe es nicht. Und die Straßenbaubehörde Hessen Mobil mache Druck. Spätestens in einem Jahr müsse mit den Arbeiten in der Klärwerkskurve begonnen werden. „Das Zeitfenster, um noch eine lange Vollsperrung zu verhindern, schließt sich demnächst“, sagte Exner.

Die Stadtverordneten reagierten prompt. Einstimmig beauftragten sie den Hofheimer Magistrat, „alle denkbaren Maßnahmen, auch rechtliche Schritte“ zu prüfen, um eine Vollsperrung der Landesstraße über zwölf Monate doch noch abzuwenden beziehungsweise auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Auch eine Enteignung wurde nicht ausgeschlossen.

Einzelhandel und Gastronomie in Lorsbach wären durch eine Vollsperrung der L3011 massiv in ihrer Existenz bedroht. „Da können wir nicht tatenlos zusehen“, warnte der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Andreas Nickel. Auch alle betroffenen Nachbarkommunen sollten in die Gespräche eingebunden werden. Der Magistrat möge zudem externen fachlichen Rat einholen, forderte Nickel.

Die Landesstraße 3011 ist eine vielbefahrene Pendlerroute, auf der täglich 10 000 Autos zwischen Hofheim und Eppstein in beide Richtungen unterwegs sind. Für die Zeit der Vollsperrung kurz hinter der Lorsbacher Ortseinfahrt kündigte Hessen Mobil an, eine Umleitung über Fischbach und Kelkheim auszuschildern, die zwölf Kilometer länger ist. Dagegen hatte sich die Stadt Kelkheim in einer Stellungnahme gewandt. Die Straßenbaubehörde änderte ihre Pläne allerdings nicht.

Auf dringende Bitten der Stadt Hofheim wäre Hessen Mobil allerdings bereit, die Vollsperrung auf vier Monate zu verkürzen, sollten Flächen am Reiterhofgelände und auf dem Areal des Klärwerkes für eine einspurige Umfahrung der 500 Meter langen Baustelle zur Verfügung stehen. Weil dafür ein Planänderung erforderlich ist, sollte der Baubeginn von August 2022 auf März 2023 verschoben werden. Eine halbe Million Euro an Mehrkosten wurden veranschlagt.

Die Sanierung der maroden Stützmauer am Mühlgraben wurde bereits mehrfach angekündigt und wieder verschoben. Sie ist nach Angabe von Hessen Mobil dringend erforderlich, weil andern falls eine Sperrung der L3011 in der Klärwerkskurve auf unabsehbare Zeit drohen könnte.

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