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Revierförster Karlheinz Kollmannsberger zeigt die Fraßspuren von Borkenkäfern an der Rinde einer befallenen Fichte.  

Hofheim

Hofheim ist Herr im eigenen Wald

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Die Stadt Hofheim bewirtschaftet ihren Stadtwald jetzt selbst. Der Vertrag mit Hessenforst wurde zum Jahresende gekündigt.

Seit Gründung von Hessenforst im Jahr 2001 hat Hofheim seinen Stadtwald von der Landesgesellschaft bewirtschaften und pflegen lassen. Mit dem Jahreswechsel 2019/2020 hat sich das geändert. Die Main-Taunus-Kreisstadt beförstert ihren Wald jetzt in Eigenregie. Der bisher bei Hessenforst angestellte Hofheimer Revierförster Karlheinz Kollmannsberger ist seit 1. Januar städtischer Mitarbeiter.

Er sehe in dieser Veränderung ausschließlich Vorteile, sagte Stadtrat Bernhard Köppler (SPD), der als Dezernent für den Hofheimer Wald zuständig ist, der FR. „Wir können jetzt die Schwerpunkte so setzen, wie wir sie für richtig halten, und haben mehr Spielraum bei kommunalpolitischen Entscheidungen.“

Eine kleine schlagkräftige Truppe, die sich um den Hofheimer Stadtwald kümmert, will Bernhard Köppler im Rathaus aufbauen. Neben Förster Kollmannsberger soll ihr David Kredding angehören, der als Verwaltungsmitarbeiter bereits in der Vergangenheit die Waldwirtschaftspläne mitausgearbeitet hat. Auch drei Bauhofmitarbeiter werden für den Wald zuständig sein. Denn Hofheim muss seinen Wald künftig nicht nur pflegen und sich um die Holzvermarktung kümmern, die Kommune ist auch für den Wegebau und die Sicherheit im Wald zuständig. „Wir wollen Qualität auf allen Ebenen erreichen“, sagt Köppler. Das gelte auch für die Beschilderung der Wanderwege, von denen einige zum deutschlandweiten Fernwandernetz gehörten. Radfernwege führten ebenfalls durch den Hofheimer Stadtwald, berichtet Köppler. Bisher habe sich der Taunusclub um die Schilder gekümmert. Nunmehr hätten die Naturfreunde Hofheim diese Aufgabe übernommen.

1500 Hektar groß ist der Hofheimer Stadtwald. An den Ausläufern des Taunus gelegen gehört er zur größten zusammenhängenden Waldfläche im Rhein-Main-Gebiet. 


Buchen und Eichen sind die häufigsten  Baumarten. Sie wachsen auf mehr als  70 Prozent der Fläche.

Die Fichtenbestände machen aktuell nur noch rund drei Prozent aus. Der Borkenkäfer hat sie weitgehend vernichtet.

Alle fünf Hofheimer Stadtteile verfügen über Waldgebiete. Von nirgendwo in der Stadt braucht man länger als sieben Minuten, um im Wald zu sein.

Im Besitz der Stadt Frankfurt ist eine kleine Waldfläche oberhalb von Lorsbach. Sie gehört offiziell zum Frankfurter Stadtwald. aro

Vor allem Nutzungskonflikte im Wald könnten künftig auf kurzem Wege gelöst werden, hofft Köppler und berichtet von illegalen Downhill-Strecken, die Tiere und Wanderer gefährdeten, und vom Unmut mancher Bürger, wenn im Winter mit schwerem Gerät Bäume gefällt und wegen der milden Temperaturen Wege in Mitleidenschaft gezogen würden. Ausführlicher als bisher wolle er als Dezernent mit den Menschen, die den Wald nutzen, in Kontakt treten, verspricht Köppler. Eine eigene Rubrik soll dazu auf der städtischen Homepage eingerichtet werden. In der von Verkehr und Lärm hochbelasteten Rhein-Main-Region habe der Hofheimer Stadtwald als Naherholungsgebiet eine wichtige Ausgleichsfunktion. Dieses „Reservoir zur Erholung“ gelte es für künftige Generationen zu erhalten.

Holz wird die Stadt auch weiterhin verkaufen, sie ist dazu bereits Mitglied in der Holzagentur Taunus GmbH geworden. „Cash Cow“ werde der Stadtwald aber künftig nicht mehr sein, sagt Köppler. Naturschutz und Biodiversität spielten eine ebenso wichtige Rolle.

Umso mehr, als Experten für 2020 ein weiteres Katastrophenjahr für die heimischen Wälder ankündigen. Zwar sei der Hofheimer Stadtwald aufgrund der guten Bodenbeschaffenheit vergleichsweise stabil und von einem Totalverlust nicht bedroht. Wie überall hätten Fichten langfristig aber keine Chance zu überleben. Allein im vergangenen Jahr mussten 3000 der Nadelbäume gefällt werden, weil sie vom Borkenkäfer befallen waren. Ein noch höherer Einschlag von Schadholz sei für 2020 geplant, sagt Bernhard Köppler.

Um speziell im Wald rund um Lorsbach einen Ausgleich zu schaffen, soll auch kräftig aufgeforstet werden. In Gemeinschaftsaktionen mit den Bürgern sollen 25 000 Bäume neu gepflanzt werden.

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