Helga Marie Huber betreut zusammen mit drei anderen Patinnen den Heilkräutergarten in Marxheim.
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Helga Marie Huber betreut zusammen mit drei anderen Patinnen den Heilkräutergarten in Marxheim.

Hofheim

Hofheim: Heilkräuter am Wegesrand

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Mehr als 40 Gewürz- und Heilpflanzen wachsen im Heilkräutergarten in Hofheim-Marxheim. Vier ehrenamtliche Patinnen pflegen die Anlage im Auftrag der Stadt und geben Tipps fürs Anpflanzen.

Die großen, sternförmigen Blüten des Alanth erstrahlen in sattem Gelb. Nebendran leuchten die Blüten der gemeinen Wegwarte in einem warmen Blau. Die Königskerze ist schon verblüht. Auch an den zarten Rispen der Kümmelpflanze sind kaum noch weiße Blüten zu sehen. Stattdessen hängen frische Samen dran. Sie duften intensiv, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt.

Der Heilkräutergarten im Hofheimer Stadtteil Marxheim ist ein kleines Paradies für alle jene, die sich für die Würz- und Heilkraft von heimischen Pflanzen interessieren. Mehr als 40 verschiedene Sorten gedeihen hier. Die Schilder, die über Blütezeit, bevorzugten Standort und Anwendung informieren, werden gerade neu gestaltet. Anfang 2021 sollen sie fertig sein.

„Wir haben ausschließlich Wildformen gepflanzt“, sagt Helga Marie Huber, die die Anlage mitten im Wohngebiet im Auftrag der Stadt als ehrenamtliche Patin betreut. Zusammen mit drei anderen Frauen kommt die 68-Jährige regelmäßig, um die Stauden zurückzuschneiden, die Beete auszulichten und die eine oder andere Pflanze „einzufangen“. Die Melisse etwa breite sich schnell aus, wenn man ihr nicht Einhalt gebiete, weiß Huber. „Sie gedeiht überall, egal ob im Schatten oder in der Sonne.“ Andere Pflanzen wie der Schachtelhalm oder der Beinwell tun sich schwer in Zeiten, in denen es nur wenig regnet. Sie verkümmern, wenn die Beete nicht regelmäßig gegossen werden. „Das ist eine Folge des Klimawandels“, sagt Helga Marie Huber. „Wir haben ein Wasserfass an der Anlage aufgestellt, um nachzuhelfen, wenn es über längere Zeit zu trocken ist.“

Der Garten

Der 500 Quadratmeter große Heilkräutergarten liegt auf einem städtischen Grundstück an der Kreuzung der Straße Am Pfingstbrunnen mit der Schloßstraße in Hofheim-Marxheim.

Im Jahr 1984 wurde der Garten angelegt und seither mehrfach erweitert.

Ehrenamtliche Patinnen sind für die Pflege zuständig: Helga Marie Huber, Rita Reiter-Mollenhauer, Edith von Eerde und Veronika Wolf.

Führungen finden aktuell nur für Kleingruppen statt. Anmeldung unter Telefon 06192/202-368. aro

Der Mitte der 1980er Jahre angelegte Heilkräutergarten ist ständig „in Bewegung“. Die Zahl der Pflanzen, die hier wachsen, hat sich in 35 Jahren nahezu verdoppelt. 1996 wurde inmitten der Fläche außerdem eine Sommerlinde gepflanzt, deren Krone viel Schatten spendet und die eine oder andere Staude hat „wandern“ lassen. Die Königskerze etwa oder der Fingerhut haben sich an sonnigen Stellen ausgesamt. Maiglöckchen, Schlüsselblumen, Waldmeister, Bärlauch und wilder Frauenmantel hingegen kommen auch im Schatten gut zurecht. Und der Efeu, dem man lindernde Wirkung bei Husten zuschreibt, muss jedes Jahr rigoros zurückgeschnitten werden, damit er nicht alles überwuchert.

Fühlen, riechen, schmecken kann man im Marxheimer Heilkräutergarten. Die Anlage ist jederzeit zugänglich und barrierefrei. Die Pflanzen wachsen auf zwei Ebenen, große Findlinge strukturieren das kreisförmige Areal. Der städtische Bauhof sorgt mit einem speziellen Substrat, das dem schweren Lehmboden regelmäßig beigemischt wird, dafür, dass die Erde entsprechend mager ist. „Die meisten heimischen Heilkräuter brauchen das“, weiß Helga Marie Huber.

Wenn die Pflanzen verblüht sind, werden sie von den Paten nicht zurückgeschnitten. Die Samenstände dienen den Vögeln dann als Nahrung. Wenig Arbeit fällt auch im Winter an. Der Garten pflegt sich dann mehr oder weniger von selbst.

In den vergangenen Jahren haben die Patinnen regelmäßig Führungen organisiert, mit Kräutern verfeinerte Getränke und selbst gemachtes Gebäck angeboten. Wegen der Corona-Pandemie war das in den letzten Wochen nicht möglich.

Helga Marie Huber, die Biologie und Biochemie studiert hat, und die anderen ehrenamtlichen Helferinnen möchten ihr Wissen dennoch weitergeben. Für Kleingruppen bis acht Personen organisieren sie auf Anfrage Führungen im Marxheimer Heilkräutergarten. Interessierte können sich dabei Tipps und Anregungen für das Pflanzen im eigenen Garten holen.

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