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Studenten des Institutes für Archäologische Wissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt legen einen Profilschnitt an.

Hofheim

Forscher finden römisches Marschlager

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Die archäologischen Grabungsarbeiten der Frankfurter Goethe-Universität auf den Feldern im Hofheimer Stadtteil Marxheim fördern Überreste eines Römerlagers zutage. Prähistorische Funde geben indes noch Rätsel auf.

Die Archäologiestudenten der Frankfurter Goethe-Uni brauchen vor allem eines: Kraft. Mit Spitzhacken bearbeiten sie den knochenharten Boden auf dem Stoppelfeld hinter den letzten Häusern im Hofheimer Stadtteil Marxheim. Dort, wo vielleicht schon bald ein großes Neubaugebiet entstehen soll, gibt es seit knapp einem Monat Grabungsarbeiten. Denn bei geophysikalischen Untersuchungen zeichneten sich unter der Erdoberfläche die Umrisse eines römischen Militärlagers ab. 5,5 Hektar groß ist die Fläche, auf der vermutlich im ersten Jahrhundert nach Christus römische Truppen ein großes Zeltlager aufschlugen, das Platz für 1000 Reiter oder 1500 Fußsoldaten bot.

Die Dürre der vergangenen Jahre macht es auch den Archäologen nicht leicht, ihrer Arbeit nachzugehen. Bis in eine Tiefe von 70 Zentimetern sei der Boden betonhart ausgetrocknet, berichtet Professor Markus Scholz vom Institut für Archäologische Wissenschaften der Frankfurter Universität. Nur mit Hacken könne er aufgebrochen werden. Ein mühsames Unterfangen, das die Arbeitszeit deutlich verlängere. Die Trockenheit sei aber auch eine Verbündete der Archäologie: Im Lösslehm auf Hofheimer Gemarkung zeichneten sich die Bodenbefunde am besten ab. „Das ist eine überraschende Erkenntnis und wertvoll im Hinblick auf die Planungen künftiger Grabungen“, sagt Scholz.

In den vergangenen Wochen widmeten sich die Forscher vor allem den Spitzgräben, die die Römer beim Bau ihrer Lager üblicherweise als Hindernis für Angreifer aushoben und beim Abmarsch wieder zuschütteten. Bis zu drei Meter tief und mehr als 1,5 Meter breit waren sie auf dem Feld bei Marxheim. Deutlich zeichnen sich die Umrisse der Gräben in den Erdschichten ab.

Schon nach kurzer Zeit wieder komplett verfüllt

Schon nach kurzer Zeit seien sie wieder komplett verfüllt worden, vermuten die Forscher. Womöglich machten die römischen Truppen auf dem Chattenfeldzug des Kaisers Domitian in Hofheim Station. Oder die Anlage bei Marxheim diente als Baulager zum Ausbau der nahe gelegenen Römerstraße, die von Mainz bis in die Wetterau führte.

Dass das Lager in das erste Jahrhundert nach Christus zu datieren ist, beweist eine auf den ersten Blick unscheinbare braune Keramikscherbe, die die Archäologen erst Anfang dieser Woche aus dem Boden holten. Es handle sich dabei um das Randstück eines großen Tellers aus Terra Sigillata, berichtete Grabungsleiter Johannes Gier. Die Form deute darauf hin, dass der Teller in einer Großtöpferei in La Graufesenque im heutigen Südfrankreich um die Jahre 80 bis 100 nach Christus gefertigt wurde.

Aus anderen Gruben, die sich bereits bei den geophysikalischen Untersuchungen im Vorfeld der Grabungsarbeiten abgezeichnet hatten, holten die Archäologen prähistorische Funde. Möglicherweise handelt es sich dabei um handgeformte germanische Keramik der römischen Kaiserzeit. Markus Scholz hält das im Hinblick auf die Geschichtsforschung für „hochinteressant“. Endgültig geklärt werden könne die Herkunft der Scherben jedoch erst in geochemischen Laboranalysen an der Forschungsstelle Keramik der Goethe-Universität, sagt er.

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