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Hessens Kultusminister Alexander Lorz war in der Hofheimer Gesamtschule Am Rosenberg zu Gast.

Hofheim

Ferienakademie bereitet auf Schulstart vor

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Beim freiwilligen Lernangebot für Erst- bis Achtklässler können Lehramtsstudierende als Kursleiter praktische Erfahrung sammeln. Kultusminister Lorz (CDU) war in der Ferienakademie der Gesamtschule Am Rosenberg in Hofheim zu Gast.

Nach mehr als drei Monaten ohne regulären Unterricht in der Schule hat Dominik einiges aufzuholen. „Das Lernen zu Hause ist nicht so mein Ding“, gibt der 15-Jährige unumwunden zu. Vor allem in Mathematik müsse er erst wieder „ins Fach reinkommen“. Vor ihm auf dem Tisch liegt ein Arbeitsblatt, das erklärt, wie Oberfläche und Volumen eines Zylinders berechnet werden. Die ersten Beispielrechnungen hat der Realschüler schon erledigt. Wenn er mit den Aufgaben durch ist, steht Deutsch auf seinem Stundenplan.

Für jeden Teilnehmer der Ferienakademie sei ein eigenes Lernportfolio erstellt worden – mit Arbeitsblättern und individuellen Aufgaben, sagt Sabine Trapp. Schulleiter Hendrik Schmitz hat die Pädagogin als Projektleiterin für die Ferienakademie an der Hofheimer Gesamtschule Am Rosenberg ausgewählt. Als kurz vor Ferienbeginn vom Hessischen Kultusministerium der Aufruf an die Schulen erging, sich für die Ferienakademie zu melden, habe er nicht lange gezögert, sagt Schmitz. „Für mich war sofort klar: Da sind wir dabei.“

132 Grund- und Mittelstufenschüler aus verschiedenen Schulen des Landkreises nehmen seit Anfang voriger Woche an dem kostenlosen Lernangebot teil. Mit „sanftem Druck der Eltern“ hätten sich wohl die meisten angemeldet, vermutet Sabine Trapp. „Mittlerweile haben aber alle Spaß und kommen gut voran. Die Stimmung in den Klassen ist entspannt.“

Das Angebot

An 360 Schulen in Hessen werden in den letzten beiden Wochen vor Schulbeginn Kurse im Rahmen der Ferienakademie 2020 angeboten.

15 000 Schülerinnen und Schüler der ersten bis achten Klassen nehmen daran teil. Unterrichtet werden sie zumeist von Lehramtsstudenten, die auf diese Weise Praxiserfahrung sammeln können.

Das Angebot ist freiwillig und für die Eltern kostenlos. Die Fächer Mathematik, Deutsch und Englisch stehen auf dem Stundenplan. aro

Ziel der Ferienakademie sei es, in Kleingruppen Lerninhalte nachzuarbeiten, die in der Zeit des Distanzunterrichts seit Mitte März zu kurz gekommen seien, erläuterte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) gestern beim Besuch der Schule am Rosenberg. „Wir wollen damit Nachteile für Schülerinnen und Schüler ausgleichen, die wegen der Corona-Pandemie entstanden sind.“ Der Wiedereinstieg in den Schulalltag solle so erleichtert werden.

Betreut werden die Teilnehmer der Ferienakademie zumeist von Lehramtsstudenten. Neun haben sich an der Gesamtschule Am Rosenberg dafür gemeldet. Jessica Reichert hat gestern Vormittag Viertklässler um sich versammelt, mit denen sie das Einmaleins, deutsche Grammatik und Rechtschreibung übt. Die 23-Jährige studiert im sechsten Semester Grundschullehramt an der Frankfurter Goethe-Universität, hat schon als U-Plus-Kraft gearbeitet, aber noch nie alleine vor einer Klasse gestanden. „Die Ferienakademie ist ein guter Einstieg in den Berufsalltag“, findet sie.

Ihre pädagogische Unterstützung bei der Ferienakademie können sich Studierende im Rahmen der vorgeschriebenen universitären Praktika anerkennen lassen. Ein Grund dafür, dass sich besonders viele für die Mitarbeit bei dem Lernangebot gemeldet hätten, vermutet Lorz. Als Kursleiterin in der Hofheimer Gesamtschule dabei ist Anna-Lena Heller. Die 18-Jährige hat vor kurzem Abitur an der Main-Taunus-Schule gemacht. Sie verfügt über Erfahrung als Nachhilfelehrerin und will eigentlich Wirtschaft studieren. Die acht Sechst- und Siebtklässler, mit denen sie gestern Englisch übt, finden ihren Unterricht toll.

„Hier kommt man öfter dran als in einer großen Klasse“, sagt Lukas. Sein Sitznachbar ist froh, dass der Stoff, der über die Ferien in Vergessenheit geraten ist, wiederholt wird. „So ist es leichter, in den Unterricht reinzukommen, wenn die Schule wieder losgeht“, sagt der Zwölfjährige. Anna-Lena Heller macht die Arbeit mit den Kindern Spaß. „Wer weiß, vielleicht werde ich ja doch Lehrerin“, sagt sie und lacht.

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